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Neue Helden – Einkäufer und Supply Manager?!

Meinung
Neue Helden – Einkäufer und Supply Manager?!

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Der Autor: Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der BA, Köln

Die Aussichten für unsere Wirtschaft sind mit Blick auf die zweite Jahreshälfte 2022 leider alles andere als rosig. So hat das Münchner Ifo-Institut im Juni nicht überraschend seine Konjunkturprognose für die deutsche Wirtschaft erneut gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach Einschätzung der Münchner Ökonomen in diesem Jahr allenfalls um 2,5 Prozent zulegen, schwächer als die noch im März erwarteten 3,1 Prozent. Noch skeptischer ist der BDI, der mit einem Wirtschaftswachstum von nur noch 1,5 Prozent rechnet. Nach seiner Einschätzung brennt es lichterloh.

Nach zwei Corona-Jahren steht die deutsche Wirtschaft immer noch schwächer da als vor Beginn der Pandemie. Es besteht die leider keineswegs unrealistische Gefahr, dass die Weltwirtschaft angetrieben durch Russlands Überfall auf die Ukraine in einen perfekten Sturm gerät, wie es kürzlich der renommierte US-Ökonom Kenneth Rogoff diagnostizierte. Er meint damit die gleichzeitige Rezession in Europa, China und den USA, die in eine Stagflation – eine Verbindung von hoher Teuerung und niedriger wirtschaftlicher Dynamik – einmündet.

Eine nicht enden wollende hohe Inflation, wie wir sie hierzulande seit mehr als vierzig Jahren nicht mehr erlebt haben, bremst die Konjunktur. Für die Einkäufer in den Unternehmen belastend ist der Rekordanstieg der Erzeugerpreise im Mai um 33,6 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Unter den Erzeugerpreisen sind besonders gestiegen die für Erdgas um 148 Prozent, Heizöl um 96 Prozent, Kraftstoff um 49 Prozent sowie Düngemittel und Zeitungspapier um 111 Prozent und Getreideerzeugnisse um 45 Prozent. Nach wie vor gibt es flächendeckend Lieferengpässe, auch bedingt durch Arbeiterlosigkeit. Die Reduzierung des Verbrauchs vor allem bei Gas ist daher das Gebot der Stunde. Aber auch für die privaten Haushalte wird es immer ungemütlicher wegen drastisch steigender Verbraucherpreise. Die Bildzeitung brachte dies treffend zum Ausdruck mit der Headline „Normales Essen wird zum Luxus“. Glücklicherweise sind wenigstens die Aussichten für den Arbeitsmarkt derzeitig noch günstig. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte laut Ifo-Institut in diesem Jahr von 2,6 auf 2,3 Millionen sinken.

Ob die Einkäufer in unserer Industrie den vorsichtigen Optimismus (oder besser das wishful thinking) der Ifo-Forscher teilen, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einem allmählichen Rückgang der Rohstoffpreise ebenso wie der Lieferengpässe kommen werde, darf bezweifelt werden. Die Einkäufer und Supply Manager werden auch weiterhin sehr gefordert sein, um für die notwendige Verfügbarkeit und Resilienz zu sorgen. Für sie kommt es in diesen Zeiten auf fünf Strategien an: Reduzierung der Bedarfe/Verbräuche, Erhöhung der Material- und Energieeffizienz, Forcierung der Kreislaufwirtschaft, Umgang mit Allokation durch geschicktes Verhandeln über Liefermengen und -termine und vor allem um Cost Avoidance durch Abwehr von ungerechtfertigten Preiszuschlägen. Die Einkäufer und Supply Manager müssen im perfekten Sturm zu den neuen Helden werden!

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