Lieferantenbewertungssystem, CO2-kompensierte Produkte und klimaneutraler Versand

Verantwortungsvolle Beschaffung

Carsten Gries, Bereichsleiter Produktmanagement und Zentraleinkauf bei Kaiser+Kraft. (Bild: Kaiser+Kraft)
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Das Lieferantenmanagement ist einer der wichtigsten Hebel im Einkauf. Trotzdem fehlt es vielen Unternehmen an einem ganzheitlichen Konzept. Vor allem die Einbindung einer Nachhaltigkeitsstrategie in diesen Prozess stellt eine zentrale Herausforderung dar. Ein Beispiel, wie Nachhaltigkeit messbar wird.

In der Versandhandelsbranche spielen die Bereiche Einkauf, Marketing und Logistik eine Schlüsselrolle. Wer Nachhaltigkeit umsetzen möchte, der muss dies im Blick haben und Verbesserungen erzielen“, erklärt Carsten Gries, Bereichsleiter Produktmanagement und Zentraleinkauf bei Kaiser+ Kraft. Das Stuttgarter Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, im Versandhandel eine Vorbildrolle in Sachen Nachhaltigkeit einzunehmen. Dazu wurde unter anderem 2013 ein Verhaltenskodex für Lieferanten eingeführt. Alle Partner des Unternehmens verpflichten sich seither an die Auflagen zu halten, die einen nachhaltigen Einkauf ausmachen. Umwelt-, Sozial- und Arbeitsstandards auf internationaler Ebene sind im Verhaltenskodex für Lieferanten hinterlegt. Mithilfe des ebenso 2013 eingeführten Lieferantenbewertungsprogramms EcoVadis werden die Nachhaltigkeitsaktivitäten in der Lieferkette systematisch erhoben, dokumentiert und stetig verbessert. Die Plattform fragt bei den Lieferanten in einem Self-Assessment zahlreiche Informationen zur Supply Chain sowie zu verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen ab. Entsprechende Nachweise müssen die gemachten Angaben verifizieren. Das Ranking durch Fachleute von EcoVadis ermittelt dann Kennzahlen und gibt Informationen zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Heute ist Kaiser+Kraft das einzige Unternehmen in seiner Branche, bei dem etwa 80 Prozent des Einkaufsvolumens mit zertifizierten Lieferanten erfolgt.

Nachhaltigkeit durch grüne Produkte
„Im Rahmen unseres Lieferantenbewertungs- und Nachhaltigkeitsprogramms schaffen wir über ein Bonus-Malus-System zusätzliche monetäre Anreize für unsere Lieferanten, sich permanent weiterzuentwickeln. Ist dies der Fall erhalten Lieferanten nach Abschluss eines Geschäftsjahres einen Bonus ausgezahlt. Lieferanten, die sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtern, zahlen vereinbarungsgemäß einen Malus, der dann vollständig in soziale Projekte fließt“, so Gries. Ein Lieferantenmanagementsystem als Unternehmen einzuführen hat mehrere Vorteile. Zum einen bekommt Nachhaltigkeit durch die Messinstrumente ein Gewicht und Substanz. Auf der anderen Seite wirkt sich die Beurteilung positiv auf das Unternehmensimage aus. Daher haben auch Lieferanten klare Vorteile durch ein Lieferantenmanagementsystem. Im Zuge der Bewertung erhalten Sie die Zertifikate: Gold, Silber oder Bronze. Außerdem unterstützt Kaiser+Kraft zusammen mit EcoVadis die Lieferanten dabei, Verbesserungen vorzunehmen. Man erhält also eine Grundlage für Optimierungen und kann sich vom Wettbewerb absetzen. Darüber hinaus wird Nachhaltigkeit sichtbar und – wie im Falle des Bonus-Malus-Systems – belohnt.
Unmittelbar wird Nachhaltigkeit durch die angebotenen Produkte spürbar. Kaiser+Kraft hat 2013 eine ökobilanzierte Produktlinie namens Eurokraft Active Green entwickelt und auf den Markt gebracht. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche. Alle Produkte aus dieser Serie werden CO2-kompensiert und umweltschonend hergestellt. Die Produkte haben eine ganzheitliche Ökobilanz, die jährlich vom TÜV Rheinland zertifiziert und kontrolliert wird. Die Bilanz des Produkts umfasst den gesamten Produktlebenszyklus. Das heißt, es fließen nicht nur die Verbräuche ein, die durch die Fertigung und den Versand entstehen, sondern auch durch die Gewinnung der Rohstoffe, genauso wie die Entsorgung des Produktes. Der verursachte CO2-Ausstoß wird vollständig in die Unterstützung des Windparks Yuntdag in der Westtürkei investiert. Jährlich werden 160.000 MWh „grüner“ Strom produziert. Das führt zu einer Reduktion von Treibhausgasen um 100 000 Tonnen CO2 pro Jahr. „Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten seitens der Kunden steigt zunehmend. Daher wollten wir mit Active Green bestmöglich aufgestellt sein“, erklärt Gries die Einführung dieser Produktlinie ins Sortiment.
Klimaneutraler Versand
Nachhaltigkeit dort nach vorne zu bringen, wo ein Unternehmen hauptsächlich agiert, klingt konsequent. Für einen Versandhändler auf klimaneutrale Lieferung zu setzen scheint allerdings auch ein herausforderndes Unterfangen zu sein, wenn gleichzeitig keine Wettbewerbsvorteile verloren gehen sollen. Rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes entstehen im Bereich Logistik. Diese Zahl macht die Herausforderung als auch die Chance in diesem Bereich Nachhaltigkeit zu leben bewusst. Kaiser+Kraft ist es für den gesamten Paketversand innerhalb Europas gelungen, klimaneutral zu liefern. Für Deutschland bietet das Unternehmen auch klimaneutrale Stückgutlieferungen an. Das Unternehmen setzt dabei auf grüne Versandangebote von Dienstleistern. Dazu gehören DB Schenker Eco Neutral, CargoLine CO2-neutral, Hermes WE Do! und weitere.
Im Vergleich zum stationären Handel leistet das Geschäftsmodel des Direktvertriebs, der die Bestellungen einstufig ausliefert, ebenfalls einen bedeutenden Anteil an der CO2-Reduktion. Die Fachhochschule Heilbronn hat in einer Studie unter der Leitung von Professor Lohre untersucht, wie effizient der Direktvertrieb gegenüber dem zweistufigen Vertrieb ist. Das Ergebnis zeigt: Der direkte Weg ist um das Eineinhalbfache effizienter. Das Geschäftsmodell geht demnach auf.
Wo geht die Nachhaltigkeitsreise hin?
Das konkrete Ziel des Unternehmens ist, Branchenvorbild in Sachen Nachhaltigkeit zu werden. Mit dem ambitionierten Lieferantenentwicklungsprogramm soll der branchenweite Benchmark für Nachhaltigkeit in der Lieferkette dargestellt werden. Die B2B-Versandhandelsgruppe verfolgt das Ziel den Umsatzanteil mit nachhaltigen Produkten auf zehn Prozent zu erhöhen. Auch im Bereich Logistik soll das Angebot CO2-kompensierter Versandwege weiter ausgebaut werden. So sollen auch klimaneutrale Stückgutlieferungen in Europa ermöglicht werden. Derzeit bereitet das Unternehmen den Aufbau eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 vor, um einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Eigenverantwortung und Selbstverpflichtung zu gehen. sas
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