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Das Lieferkettengesetz – Contra

Das Lieferkettengesetz – Contra
Der Weg in die Unmündigkeit

Meinungen zur geplanten Einführung des Lieferkettenkettengesetzes: Pro und Contra. Bild: KaterynaKovarzh/stock.adobe.com
Meinungen zur geplanten Einführung des Lieferkettenkettengesetzes: Pro und Contra. Bild: Kateryna Kovarzh/stock.adobe.com

Um es vorwegzusagen, kein klar denkender Einkäufer oder eine Einkaufsabteilung wird wissentlich Kinder- oder Sklavenarbeit, lebensgefährdende Produktionszustände oder sonstige moralisch und ethisch verwerfliche Arbeitsbedingungen durch seine Einkaufspolitik, weder aktiv noch passiv, unterstützen.

Das geplante Lieferkettengesetz mag vielleicht harmlos klingen, ist allerdings in seiner konsequent angedachten Anwendung ein gravierender Eingriff in eine weltoffene Wirtschaftspolitik und wird zum weiteren Standortnachteil des Wirtschaftsstandortes Deutschland führen. Naive Politiker und Verbandsvertreter meinen durch bürokratische Regelungen die Welt positiv verändern zu können. Der Effekt wird gleich null sein, allerdings wird der deutschen Wirtschaft ein weiterer Klotz ans Bein gebunden.

Ein Klotz am Bein

Schon im Jahr 2004 hat sich auf Initiative des Miele-Einkaufs meine Organisation zur freiwilligen Selbstverpflichtung nach SA 8000 bekannt. All unsere Einkäufer wurden in dieser Richtung geschult und sensibilisiert, dies galt und gilt besonders für die Einkäufer in China und Indien. Dieser Vorgang ist kein Einzelfall und in vielen Firmen, die ich in den über 40 Jahren meiner aktiven Berufszeit kennengelernt habe, sind genauso vorgegangen. Über 20 Einkaufsreisen habe ich nach Asien begleiten und koordinieren dürfen, kein Einkäufer ist mir untergekommen, den dieser Sachverhalt unberührt ließ. Viele Lieferantenbeurteilungen sehen in ihrer Bewertung die soziale Lage und Situation im Unternehmen vor, ein grober Verstoß führt in der Regel zum Ausschluss des Lieferanten an der weiteren Qualifikation. Ein wesentlicher Pfeiler eines praktizierten Lieferantenmanagements ist die analytische Betrachtung des Lieferantenumfeldes, dazu gehören eben auch die Zustände in den Fabriken.

Unterschiedliche Sichtweisen

Hier genau kommen wir auf den Punkt der unterschiedlichen Sichtweisen. Während Politiker, Behörden und Institutionen in Kategorien einer öffentlichen Vergabeverordnung denken, in denen versucht wird, juristisch alle möglichen Belange abzudecken, obliegt dies in der freien Wirtschaft und Industrie den Geschäftsführungen/Management mit ihren gut ausgebildeten und aufgestellten Einkaufsbereichen.

Nirgendwo ist die Effektivität so schlecht, wie im öffentlichen Vergaberecht. Diese liegt nicht an den Einkäufern, die in der Regel mehr wollen aber gehindert werden durch bürokratische Vorgaben, sondern an dem Umfeld. Politiker, Juristen und Beamte meinen, dass man in Verordnungen und Vorschriften alles regeln kann und wenn es keine Regel gibt, dann muss schnellstens eine neue erstellt werden. Die Konsequenz daraus ist, wie mir Einkäufer aus dem öffentlichen Vergabewesen berichtet haben, dass ihr Haus lieber von einer aktiven Einkaufspolitik Abstand nimmt und Juristen und externe Organisationen mit der Durchführung von Ausschreibungen und Einkaufsverhandlungen beauftragt. Gibt es eine größere Bankrotterklärung?

Die größten Probleme sind immer verbunden mit den öffentlichen Vergaben wie: Flughafen Berlin, Autobahnmaut Toll Collect, Hamburger Elb-Philharmonie, Vergabe der Aufträge für Mundschutzmasken im Rahmen CoVid 19, Bundeswehraufträge und viele, viele andere mehr. Wäre hier ein professionelles Einkaufen nach industriellem Muster (im Verbund mit einer ordentlichen Geschäftsführung und Betriebscontrolling) zum Einsatz gekommen, gäbe es diese Probleme und Verschwendung von öffentlichen Steuereinnahmen nicht.

Ein Gesetz und die Folgen

Mit einer Gesetzesnovelle allein wird es nicht getan sein. Darauf folgen der Aufbau neuer Behörden und die Einforderung von unendlich vielen Dokumenten und Zertifikaten. Einer verschlankten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft wird dies nicht dienlich sein. Ferner wird dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet.

Interessant ist auch die Aussage der Initiative, dass dem Verbraucher allein die Verantwortung nicht überlassen werden kann. Wer ist der Verbraucher, ein unmündiges Kleinkind?

Dies alles lässt einen zu der Meinung kommen, dass das geplante Lieferkettengesetz nichts weiter als ein weiterer Schritt in eine Planwirtschaft nach dem Muster DDR 2.0 ist. Strategische Einkaufsabteilungen und deutsche Unternehmen werden mit diesem Gesetz entmündigt, ohne dass sich die Welt in Pakistan, Bangladesch, China, Afrika oder Indien ändern wird.


Der Autor:

 

Dipl.-Ing. Wilfried Krokowski ist Geschäftsführender Gesellschafter der GPS – Global Procurement Services. Er hat langjährige Erfahrung in den Bereichen Technischer Einkauf und Materialwirtschaft, Supply Chain Management, Projektmanagement, Aufbau von Einkaufsorganisationen, Lieferanten- und Qualitätssystemen und Internationaler Einkauf. Zudem ist er Lehrbeauftragter der TU Berlin und FH Kiel.

 

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