Grenzüberschreitende Kooperationen

Gemeinsam mehr bewegen

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Preisgekrönt mit dem IF Award für Design: die Maschinenverkleidung von Dkon Systeme für ein Aggregat, das Notstromversorgung und Gleichrichter kombiniert. Bild: Dkon Systeme.
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Grenzüberschreitende Handelsströme sind in einer globalisierten Wirtschaft der Normalfall. Bei grenzüberschreitenden Kooperationen hingegen gibt es noch Luft nach oben. Doch es gibt auch beachtenswerte Beispiele, bei denen Zulieferer und Industrie – auch dank der Plattform Hannover Messe – zueinander gefunden haben. Zwei davon stellen wir vor.

Werkzeugmaschinenmacher machen Werkzeugmaschinen. Im Prinzip. Längst hat auch in dieser Branche die Arbeitsteilung Einzug in Entwicklung und Produktion gehalten. So wie bei Dkon Systeme. Der Lengericher Metallbauer produziert Maschineneinhausungen, bevorzugt für Schleifmaschinen, und das seit nunmehr drei Jahren in deutsch-niederländischer Kooperation.

„Einhausungen sind komplexe Bauteile, die verschiedene Funktionen und hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen“, sagt Dkon-Geschäftsführer Ralf Miethe. Wird etwa Kühlschmierstoff mit hohem Druck auf das Metallteil gegeben, darf dieser nicht aus der Umhausung austreten. Und werden beim Schleifen Partikel freigesetzt, braucht es bis zu 60 mm dicke Scheiben, um Mitarbeiter zu schützen.

Entscheidung für die Kooperation

Planung und Vorserienfertigung der Einhausungen übernahm bis vor einigen Jahren Dkon selbst. Doch dann entschieden sich die Geschäftsführer, mit dem Konstruktionsbüro Stevens Idé Partners im niederländischen Enschede zusammenzuarbeiten. „Das Büro hatten wir 2013 auf der Hannover Messe kennengelernt. 2014 gab es die erste Zusammenarbeit, 2016 wurde, begleitet von der Handwerkskammer Münster, die gemeinsame Marke Idkon entwickelt. Für die haben wir 2017 gemeinsam die Idkon GmbH gegründet“, berichtet Miete. „Einerseits wollen wir wachsen, andererseits haben wir für jede Einhausung einen hohen Entwicklungsaufwand. Da liegt es nahe, sich zusammenzutun.“

Die Unterstützung durch die Handwerkskammer Münster ist kein Einzelfall. Im Rahmen des deutsch-niederländischen Netzwerks GEP hat sie – gemeinsam mit dem Innovationszentrum Stodt Toekomsttechnie aus Hengelo – bislang rund 30 grenzüberschreitende Kooperationen allein im Maschinen- und Anlagenbau angestoßen. Dazu ist sie auch 2019 gemeinsam mit der Dkon und anderen Unternehmen auf der Hannover Messe präsent.

Eine neue Marke entsteht

Weil Dkon in der Branche vor allem für Produktion, weniger für Entwicklung und Design stand, entschieden sich die Partner für die Gründung der Idkon. Das Gemeinschaftsunternehmen ist am selben Ort wie die Dkon angesiedelt, greift aber auf die technologischen und personellen Ressourcen beider Partner zurück: der Dkon Systeme mit ihren über 80 Mitarbeitern ebenso wie der von Idé Partners mit acht Beschäftigten.

Das Ergebnis war unter anderem eine Maschinenverkleidung, die Idkon für ein Aggregat konstruierte, das Notstromversorgung und Gleichrichter kombiniert. 2017 wurde die Einhausung mit dem iF Award für Design ausgezeichnet. Doch die Arbeit geht weiter. Das Kombiaggregat, das in Krankenhäusern und Rechenzentren eine gleichbleibende Spannung und im Notfall die Stromversorgung sichert, soll in weiteren Bauformen angeboten werden.

Auf der Hannover Messe 2019 werden Dkon und Idé Partners zudem ihre smarten Scheiben präsentieren, die sie mit EDL Rethschulte entwickelt haben: Hauchdünne transparente Folien, die zwischen der Innen- und Außenscheibe des Fensters aufgetragen werden, geben in Schrift und Grafik Hinweise über den Zustand der Maschine. „Damit sind wir weltweit ganz vorn“, freut sich Miethe, der durch die Kooperation auch neue Kunden im Nachbarland gewonnen hat.

Das buchstäblich ganz große Rad dreht das deutsch-schwedische Powertrain Manufacturing for Heavy Vehicles Application Lab (PMH Application Lab). Dahinter verbirgt sich ein 2016 gegründetes Forschungscluster, das in Kooperation von Fraunhofer Gesellschaft, RISE Research Institutes of Sweden und der Königlichen Technischen Hochschule KTH
in Stockholm betrieben wird. Das Ziel: die schwedischen Nfz-Hersteller Volvo und Scania und ihre Zulieferer in der Entwicklung von Fertigungstechnologien für Antriebsstrangkomponenten zu unterstützen.

Deutsches Know-how ist gefragt

„Unser Cluster kommt ins Spiel, wo Entwicklungsprojekte besonders komplex werden, wo mehr Know-how gefragt ist, als einzelne Zulieferer aufbieten können“, sagt Maschinenbauingenieur Jannik Henser, der das Application Lab mit einem Dutzend Partner aus Forschung und Industrie leitet. Bis heute waren mehr als 100 Experten aus Forschung und Industrie in die Projekte involviert. Sie gehen etwa der Frage nach, wie sich die Verwendung neuer Stähle in Achsen und Getriebe auf den Praxiseinsatz auswirkt. Oder wie sich neue Beschichtungen auf Verschleiß und Produktivität der eingesetzten Werkzeuge auswirken.

Auf der Hannover Messe will das PMH Application Lab offensiv um deutsche Partner werben – über Siemens hinaus, das die IT betreut hat. Dabei blickt Henser insbesondere auf Werkzeugmaschinenbauer im Bereich Antriebsstrang und Zahnradherstellung – ein Bereich, der durch das Wälzschälen gerade einen enormen Schub erfährt. „Wälzschälen bietet eine hohe Flexibilität, ist gleichzeitig sehr produktiv und wirtschaftlich“, erläuerHenser.

Schon 1919 wurde von der Maschinenfabrik Pittler das Verfahren entwickelt, das erst jetzt praxisreif ist, nachdem Maschinensteuerungen und Spindeln die notwendige Leistung erbringen. Das Potenzial ist enorm. So löst Wälzschälen in vielen Anwendungen das Wälzstoßen oder das sogenannte Räumen ab. „Weltweit laufen Forschungsprojekte, gerade bei den Zahnradherstellern.“ Auch das Cluster hat das Potenzial erkannt: Innerhalb eines Jahres gelang es, einen Wälzschälprozess in der Serienproduktion deutlich zu optimieren. „Wir erreichen jetzt zehn Prozent mehr Produktivität bei gleichbleibendem Werkzeugverschleiß“, konstatiert Henser.

In einem weiteren Projekt gelang es den Ingenieuren, die Drehbearbeitung des Bauteils mit dem Wälzschälen auf ein und derselben Maschine zu kombinieren. „Nur noch eine Maschine ist notwendig. Das erhöht die Produktivität und Qualität zugleich. Denn Umspannen kostet nicht nur Zeit, sondern fordert auch erhöhte Fehlertoleranzen“, erklärt Henser.

Derzeit wird daran gearbeitet, das, was im Labor funktioniert, in die Serienproduktion zu überführen – auch gerne mithilfe deutscher Werkzeugmaschinenhersteller, die Henser auf der Industriemesse mit ins Boot holen will. Dort zeigt das PMH Application Lab seine Leistungen anhand eines Lkw-Getriebes und der Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs.


Wälzschälen

Bearbeitungstrend für Innenverzahnungen

Das Wälzschälen ist ein kontinuierlicher Schneidprozess, durch den alle Bearbeitungsschritte mit einer einzigen Aufspannung ausgeführt werden können, da er Fräsen und Stoßen mit einem kontinuierlichen Abwälzen kombiniert. Das Verfahren kommt in der Regel bei der Fertigung von Innenverzahnungen zum Einsatz. Beispiele sind Fahrzeuggetriebe, Industriegetriebe, Ölpumpen und Verstellgetriebe. Das Verfahren wird Verfahren wie Wälzstoßen oder Räumen zurück- oder ganz verdrängen. Bild: Heidenhain


Hannover Messe 2019

Zentrum der Zulieferindustrie

Die Hannover Messe 2019 stellt als Leitthema „Integrated Industry – Industrial Intelligence“ in den Mittelpunkt. Damit gemeint ist die digitale Vernetzung von Mensch und Maschine in Zeiten der künstlichen Intelligenz. Ein Schwerpunkt der Messe sind innovative Zulieferlösungen und Leichtbau, unter anderem mit dem
1. Lightweighting Summit der Bundesregierung. Konzentriert dargestellt wird Leichtbau in Halle 5: Dort präsentieren Aussteller Leichtbau als Hightech und Engineering mit Relevanz für sämtliche Verfahren und Materialien. Und dort wird es auch erneut die Integrated Lightweight Plaza als zentralen Hotspot zum Leichtbau geben. Die Hannover Messe geht vom 1. bis 5. April 2019. Partnerland ist Schweden. Bild: Deutsche Messe


Oliver Züchner,

Fachjournalist in Hannover

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