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Wenn Freiwilligkeit allein nicht ausreicht

Transparentes Lieferantenmanagement
Wenn Freiwilligkeit allein nicht ausreicht

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Unzählige deutsche Unternehmen beziehen Rohstoffe, verarbeitete und teilweise verarbeitete Produkte aus der ganzen Welt. Es werden Produktions- und Investitionsstandorte im Ausland gegründet und damit Güter in andere Weltregionen exportiert. Menschenrechtsverstöße stellen dabei nach wie vor keine Seltenheit dar. Der Stuttgarter B2B-Versandhändler für Geschäftsausstattung, Kaiser+Kraft, ist in über 19 Ländern vertreten und legt Wert auf eine transparente und nachhaltige Supply Chain. Das Unternehmen hat dabei eine klare Haltung zum geplanten Lieferkettengesetz.

Das Lieferkettengesetz soll in allen Branchen für Unternehmen mit Sitz in Deutschland mit mindestens 250 Mitarbeitern gelten. In Ländern wie Frankreich und Großbritannien gibt es bereits Gesetze, die die Verantwortung in Lieferketten regeln. Die Niederlande bereitet aktuell ein Gesetz vor. Die international anerkannten Menschenrechte, die auch im Ausland respektiert werden sollen, sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, den Menschenrechtsabkommen und in der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit festgehalten. Auch Umweltstandards gilt es einzuhalten. Dazu zählen die vor Ort anwendbaren Vorschriften zum Umweltschutz und einzelne Umweltstandards aus internationalen Abkommen.

Und trotzdem kommen Themen wie Verletzung der Menschenrechte aufgrund von illegalen Lieferantenpraktiken immer wieder auf die Agenda der Öffentlichkeit. Das Stuttgarter Unternehmen Kaiser+Kraft befürwortet deshalb das für Deutschland geplante Lieferkettengesetz. Es sieht großes Potenzial in einer Gesetzgebung, um die Einhaltung der Menschenrechte entlang globaler Lieferketten zu gewährleisten: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Gesetz auch hier verpflichtend wird“, sagt Laszlo Juhasz, Geschäftsleiter Produktmanagement & Business Development bei Kaiser+Kraft.

Wie Kaiser+Kraft mit dem Thema „Lieferkette“ umgeht

Das Lieferantenmanagement ist einer der wichtigsten Hebel bei Kaiser+Kraft. Über 100.000 Produkte gehören zum Portfolio des B2B-Versandhändlers mit dem Ziel, das Sortiment in der Zukunft weiter auszubauen. Das Unternehmen bietet vom Bürostuhl und Bürotrennwänden über Sackkarren und Regalsysteme bis hin zu Lagercontainern und Hubwagen alles für die Geschäftsausstattung an und arbeitet mit über 363 Lieferanten weltweit zusammen. So achtet Kaiser+Kraft bewusst darauf, welche Produkte bei welchem Lieferanten eingekauft werden.

Um Nachhaltigkeit auch strategisch im Produktmanagement zu verankern, war es für das Stuttgarter Unternehmen wichtig, das Bewusstsein für seine Erwartungen und Standards bei seinen Lieferanten zu stärken. Die Strategie von Kaiser+Kraft in Sachen nachhaltiges Lieferantenmanagement ist vielschichtig. Das Unternehmen hat bereits 2013 einen Lieferanten-Verhaltenskodex, basiert auf international anerkannten Standards für nachhaltiges wirtschaftliches Handeln, verpflichtend gemacht. „Alle unsere Lieferanten haben diesen Kodex unterschrieben. Wir pflegen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, beim Lieferantenkodex gehen wir aber keine Kompromisse ein“, erklärt Juhasz.

Zu den Standards zählen insbesondere der Global Compact der Vereinten Nationen, die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Konventionen der UNO über die Rechte von Kindern, die Menschenrechtserklärung der UNO sowie der Sozialstandard SA8000. Mit der Unterzeichnung verpflichtet sich jeder Kaiser+Kraft-Lieferant, die festgeschriebenen Vorgaben für alle Produktionsstätten anzuerkennen und einzuhalten. Kaiser+Kraft führt ebenfalls regelmäßige Vor-Ort-Besuche der Lieferanten durch seine Produktmanager durch. „Wir schauen den Herstellern regelmäßig über die Schulter, weil uns wichtig ist, wie unsere Produkte produziert werden“, sagt Juhasz.

Zusammenarbeit mit EcoVadis

Kaiser+Kraft arbeitet bereits seit 2013 mit der international anerkannten CSR-Ratingplattform EcoVadis zusammen, um die Leistungsfähigkeit seiner Lieferanten hinsichtlich Nachhaltigkeit zu überprüfen, zu dokumentieren und stetig zu verbessern. 2007 gegründet, ist EcoVadis erste unabhängige Bewertungsplattform, die Unternehmen hinsichtlich ihrer Aktivitäten in den Bereichen Umwelt, Ethik, nachhaltige Beschaffung sowie Arbeits- und Menschenrechte bewertet. Dabei richtet sich EcoVadis nach den zehn Grundsätzen des Global Compacts der Vereinten Nationen. „Neben den Nachhaltigkeitsrankings bieten wir zusätzliche Tools zur kollaborativen Leistungssteigerung für globale Lieferketten an. Ziel der Zusammenarbeit ist es, nachhaltige Geschäftspraktiken bei internationalen Einkaufsorganisationen umzusetzen und zu verbessern“, erklärt Adeline Lefort, Customer Success Manager bei EcoVadis.

Alle Partner des Unternehmens verpflichten sich an die Auflagen zu halten, die einen nachhaltigen Einkauf ausmachen: Die Lieferantenleistungen werden in verschiedenen Dimensionen überprüft: Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und Nachhaltige Beschaffung sind die Kategorien, die kontrolliert werden. Entsprechende Nachweise müssen die gemachten Angaben verifizieren. Die von EcoVadis Experten überprüften Antworten fließen in ein Scoring ein, das mit den Ergebnissen anderer Lieferanten verglichen werden kann. Mithilfe des Rankings werden dann Kennzahlen zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette ermittelt. Vergeben werden die Zertifikate Platin, Gold, Silber und Bronze. Aus den Ergebnissen werden dann Optimierungsmöglichkeiten abgeleitet und an den Lieferanten weitergegeben. Mittlerweile sind mehr als 134 Lieferanten von Kaiser+Kraft bei EcoVadis zertifiziert und das Unternehmen erzielt bereits erhebliche Anteile seines Umsatzes mit Produkten von EcoVadis zertifizierten Lieferanten. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche. Des Weiteren liegen die Ergebnisse der Kaiser+Kraft Lieferanten im Durchschnitt über der EcoVadis Benchmark. „Für die Lieferanten bietet die Bewertung auch einen guten Überblick über die eigene Nachhaltigkeitsleistung und über geeignete Verbesserungsmöglichkeiten“ sagt Juhasz über die Vorteile der Zusammenarbeit.

In einem umfangreichen Whitepaper stellt ebenfalls EcoVadis Informationen zum Lieferkettengesetz zur Verfügung.

Das Bonus-Malus-System von Kaiser+Kraft

Ein weiterer Teil des Lieferantenmanagements ist ein Bonus-Malus-System, das als Scoring-Modell funktioniert. Das Unternehmen schafft dadurch zusätzlich monetäre Anreize für seine Lieferanten, sich permanent weiterzuentwickeln. Ist dies der Fall, erhalten Lieferanten nach Abschluss eines Geschäftsjahres einen Bonus ausgezahlt. Lieferanten, die sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtern, zahlen vereinbarungsgemäß einen Malus.

Die Summe, die sich aus diesen Beträgen ergibt, behält Kaiser+Kraft jedoch nicht ein, sondern spendet sie jedes Jahr für einen guten Zweck. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen beispielsweise mehrere Inklusionsschulen mit einem Kleinbus ausgestattet und setzte sich so für mehr Mobilität für Kinder mit Körperbehinderung ein. Im letzten Jahr nutzte der Versandhändler den Malus-Betrag, um eine neue Spiel- und Gartenanlage für das Kinderhospiz in Stuttgart zu stiften.

Gold-Auszeichnung für Kaiser+Kraft

Auch Kaiser+Kraft selbst lässt sich durch EcoVadis bewerten und hat zuletzt eine Gold-Auszeichnung für sein nachhaltiges Engagement erhalten. Die Auszeichnung gilt für den Bereich Corporate Social Responsibility (CSR). Das Unternehmen wurde zu den obersten fünf Prozent im Ranking ausgezeichnet. Besonders die Nachhaltigkeitsaktivitäten des B2B-Versandhändlers im Bereich Umwelt überzeugten die Jury und wurden sehr gut bewertet.

2017 wurde Kaiser+Kraft bereits mit Silber ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt das Unternehmen eine Nominierung in der Kategorie „CSR in der Lieferkette“ für den Deutschen CSR-Preis. „Wir freuen uns, dass unsere Bestrebungen, nachhaltig zu wirtschaften, auch von neutraler Seite so positiv bewertet werden. Die Auszeichnungen unterstreichen unsere Position als verantwortungsvollen Partner für unsere Geschäftskunden, Lieferanten sowie Mitarbeiter“, sagt Juhasz stolz.

Wieso ein Lieferkettengesetz notwendig ist

Beim geplanten Lieferkettengesetz steht die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards bei Lieferanten im Vordergrund. Unternehmen beurteilen, ob sich Aktivitäten entlang der Supply Chain (auch bei Tochterfirmen, Lieferanten, Sublieferanten) potenziell oder tatsächlich nachteilig auf international anerkannte Menschenrechte auswirken.

Erfahrungen zeigen, dass nicht alle Unternehmen die Verantwortung für eine nachhaltige und transparente Lieferkette gleichermaßen wahrnehmen. Ein Lieferkettengesetz würde einheitliche Standards & Wettbewerbsgleichheit schaffen, so die Befürworter des Gesetzes. Von den Gegnern wird jedoch immer wieder betont, dass viele Einkäufer nur zu ihren direkten Lieferanten Kontakt haben, welche Sublieferanten auch noch im Spiel seien, wissen sie sehr oft nicht.

Aber auch Argumente wie die, dass Rohstoffe und Vorprodukte in einem Land gewonnen und in zahlreichen Etappen gehandelt und weiterverarbeitet werden, sind häufig zu hören. Damit wird eine Rückverfolgung schwierig, heißt es. Kaiser+Kraft vertritt die Haltung, dass es trotzdem einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen braucht. Freiwilligkeit allein reicht nicht aus, so sieht es auch Kaiser+Kraft: „Eine gesetzliche Regelung kann hier zu gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen beitragen und dazu führen, dass sich keiner ohne Konsequenzen seiner Verantwortung entziehen oder Gewinne auf Kosten von Mensch und Umwelt machen kann“, erklärt Juhasz.

Darüber hinaus bewertet Kaiser+Kraft folgende Aspekte als positiv in Hinblick auf das Lieferkettengesetz: Kunden würden ein größeres Vertrauen in die Unternehmen gewinnen, was sich durchaus positiv auf die Kaufentscheidungen auswirken könnte. Die Supply Chain sowie die Themen Compliance und Nachhaltigkeit würden weiterhin an Bedeutung gewinnen. „All das ist nicht nur sinnvoll, sondern unabdingbar, um künftig noch bessere und transparentere Bedingungen in internationalen Lieferketten abbilden zu können“, fasst Juhasz zusammen. (sd)


Verhaltenskodex für Lieferanten

Der Lieferanten-Verhaltenskodex, den alle Kaiser+Kraft Lieferanten unterschreiben, basiert auf international anerkannten Standards für nachhaltiges wirtschaftliches Handeln. Dazu zählen insbesondere, aber nicht ausschließlich, der Global Compact der Vereinten Nationen, die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Konventionen der UNO über die Rechte von Kindern, die Menschenrechtserklärung der UNO sowie der Sozialstandard SA8000. Mit der Unterzeichnung verpflichtet sich jeder Lieferant für alle Produktionsstätten die festgeschriebenen Vorgaben anzuerkennen und einzuhalten, z. B.:

  • Verbot der Diskriminierung
  • Verbot von Zwangs- und Pflichtarbeit und Disziplinarmaßnahmen
  • Versammlungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Arbeitslöhne
  • Arbeitszeiten
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
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