Verpackungsmanagement: Der Ganzheitlichkeit gehört die Zukunft

Verpackungsmanagement

Der Ganzheitlichkeit gehört die Zukunft

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„Im Rahmen eines Full-Service-Pakets können wir auch das gesamte Verpackungsmanagement mithilfe eines abgestimmten Vendor-Managed Inventory übernehmen.“
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Mehr Automatisierung, Effizienz, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit sind heute ausschlaggebend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Sie beeinflussen zunehmend auch Bereiche wie Einkauf, Verpackung und Versand. Tobias Wenninger, Vorstand Vertrieb und Marketing bei Transpak, beschreibt, wie das Unternehmen auf die Tendenzen mit einem ganzheitlichen Ansatz reagiert.

Beschaffung aktuell: Ihr Unternehmen ist Vorreiter hinsichtlich eines ganzheitlichen Verpackungsmanagements. Provokant gefragt: Sehen Transpak-Kunden den lösungsorientierten Systemanbieter oder eher einen leistungsfähigen Lieferanten?
Tobias Wenninger: Wir sind beides. Unser Erfolg basiert unter anderem auf einem von Beginn an erfolgreichen Versandhandel. Unser erster Katalog erschien 1993 mit einer Auflage von 10.000, heute versenden wir 100.000 an unsere Kunden. Alle Bestellungen liefern wir dank unserer dezentralen Organisationsstruktur und Logistik mit einer Erfolgsquote von fast 100 Prozent als Normal-, Express- oder Just-in-time-Lieferung. Neben unserer Verpackungsexpertise, unserem umfassenden Sortiment und unserer Lieferfähigkeit zeichnen wir uns jedoch vor allem durch hohe Beratungskompetenz aus, die aus einer Vielzahl an realisierten Projekten jährlich resultiert. Unter Berücksichtigung spezifischer Gegebenheiten wie Kostenstruktur, Prozessabläufe und dem gewünschten Maß an unternehmensübergreifender Zusammenarbeit bieten wir modular aufgebaute Serviceleistungen an – und generieren damit in vielerlei Hinsicht Mehrwert für unsere Kunden.

Beschaffung aktuell: Inwieweit ist der Einkauf von den Veränderungen im Markt betroffen?
Wenninger: Bislang konzentrierte sich der Einkauf auf Bedarfsbündelung, Lieferantenauswahl oder das zähe Ringen um die Preise. Heute beraten unsere Verpackungsspezialisten auch Supply Chain Manager, Logistik- sowie Abteilungsleiter in Produktmanagement, Verpackung und Versand bei der Prozessoptimierung. Sie entwickeln Lösungen, die von der produktgerechten Verpackung über die Einbindung von Auto-ID-Lösungen und IT bis hin zur Zertifizierung der Verpackungen durch einen Paketdienstleister oder auch bis zur Entsorgung reichen. Dieser Trend ist positiv, denn in der Regel entfallen auf Packstoffe nur 20 Prozent der Gesamtkosten, die Prozesskosten hingegen betragen 80 Prozent. Durch die Berücksichtigung des Aspekts „Total Cost of Ownership“ konnten wir bei etlichen Unternehmen die Gesamtkosten um bis zu 30 Prozent senken. Der Einkauf entwickelt sich also mehr und mehr zu einer zentralen Koordinationsstelle mit strategischer Steuerungsfunktion. Dies setzt nicht nur bei uns als Dienstleister, sondern auch bei dieser Berufsgruppe ganzheitliches Denken voraus.

Beschaffung aktuell: Welche Anforderungen muss eine Verpackung heute erfüllen?
Wenninger: Die Verpackung dient in erster Linie dem Produktschutz. Hierfür müssen alle Komponenten und die Formgebung optimal für das jeweilige Produkt sein. Eine attraktive Alternative sind universell nutzbare Verpackungen, die hinsichtlich Handling, Lagerlogistik und Kosten erhebliche Vorteile bieten.
Intelligente Formgebung sorgt für bessere Handhabung und Stapelbarkeit und damit für optimale Lager- und Transportfähigkeit. Zudem wirkt sich das Verpackungsgewicht auf die Versandkosten aus. Kurzum: Durch eine funktionale Verpackungslösung lässt sich erhebliches Potenzial ausschöpfen.

Beschaffung aktuell: Moderne Verpackungen müssen aber auch attraktiv gestaltet sein …
Wenninger: Usability, Value und Brand, also Benutzerfreundlichkeit, Wertigkeit und Marke, spielen für den ersten Eindruck eine wesentliche Rolle – und machen sich in nachgelagerten Prozessen wie der Kostenstruktur bemerkbar. In besonderem Maße gilt dies für den Paketversand zum Endverbraucher, der auch beim Onlinekauf ein echtes Einkaufserlebnis erwartet. Karton, Aufkleber und Klebeband sind die ersten Merkmale, die wahrgenommen werden. Insofern wird immer stärker auch das Marketing bei der Auswahl von Verpackungskomponenten einbezogen.

Beschaffung aktuell: Können Sie uns ein konkretes Beispiel aus der Praxis schildern?
Wenninger: Gerne. Für einen Online-Versender von exklusiven Lampen entwickelten wir eine maßgeschneiderte Lösung, die aus sieben individuellen, standardisierten, zugriffsicheren Kartons in Weiß mit zweifarbigem Firmenschriftzug bestand. Zuvor waren 17 braune Standardkartonagen im Einsatz, die nur unzureichenden Schutz boten. Unterstützt wird der gute erste Eindruck noch durch das der CI angepasste, zweifarbige Klebeband. Parallel stellten wir mit Blick auf Umwelt und Nachhaltigkeit auf Papierfüllstoffe um. Somit konnte der Versender die Lagerfläche für die Packstoffe deutlich verkleinern, seinen Einkauf optimieren, die Reklamationsrate um rund 15 Prozent senken und positive Marketingimpulse setzen.

Beschaffung aktuell: Eine wichtige Rolle spielt sicher auch der Einsatz von Robotik?
Wenninger: Das ist richtig. In einem weitgehend automatisierten Prozess greifen leistungsfähige Roboter die Primärverpackungen und setzen sie passgenau in die Kartons und diese anschließend auf einer Palette ab. Hierfür müssen die Abläufe analysiert und Verpackungen entsprechend konzipiert werden. Es ist daher zielführend, die der Produktion nachgelagerten Bereiche wie Verpackung und Versand einzubeziehen, um die gesamte Wertschöpfungskette effizient zu gestalten.

Beschaffung aktuell: In welchen Branchen wird Robotik vor allem eingesetzt?
Wenninger: Im Versand oder beim Kommissionieren und Palettieren im Lager werden in vielen Industriebranchen bereits Handhabungsmodule eingesetzt. Besonders stark vertreten sind sie im Automotivebereich – dem Markt, der geschätzt mit mehr als 100.000 Industrierobotern an der Spitze der Skala steht. Neben der Elektro- und Elektronik- sowie der Metall-, Chemie-, Kunststoff- und Plastikindustrie legt derzeit insbesondere auch die lebensmittelverarbeitende Industrie zu. So ist im End-of-Line-Bereich einer Verpackungslinie, in dem Produktverpackungen kartoniert und auf Paletten gesetzt werden, ein Aufwärtstrend in Bezug auf Automatisierungskomponenten feststellbar – auch wenn dort derzeit ihr Anteil mit geschätzten drei Prozent der weltweit verkauften Industrieroboter im Vergleich zu anderen Industriezweigen immer noch sehr gering ausfällt.

Beschaffung aktuell: Welche Potenziale sehen Sie neben der Verpackungsoptimierung in Bezug auf Produkte und Prozesse für den Bereich Einkauf und Logistik?
Wenninger: Der Einkauf, besonders von C-Teilen, lässt sich durch einen weitgehend automatisierten, elektronischen Bestellvorgang optimieren. Parallel tragen standardisierte Abläufe zu höherer Prozesssicherheit, Rückverfolgbarkeit und Transparenz bei. Sie wirken sich zudem positiv auf die internen und externen Material- sowie die dazugehörigen Informationsflüsse und die Kostensituation aus. Denn manuelles Erfassen von Daten ist mit hohen Fehlerquoten und kostspieligen Nachwirkungen in Form von Auftragsnacherfassungen, aufwendigen Suchvorgängen oder Informationslücken verbunden.
Die meisten Lösungen basieren auf einem elektronischen Artikelkatalog. Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass die Stammdaten der verwendeten Artikel korrekt und klassifiziert sind, damit der reibungslose Informationsaustausch gelingt. Via Internet oder über Schnittstellen wie OCI für SAP, die eine direkte Verbindung zwischen dem Warenwirtschaftssystem des Kunden und einer Bestellplattform oder einem Lieferanten-Webshop herstellen, werden alle relevanten Daten ausgetauscht und der Bestellvorgang ausgelöst. Etwas komfortabler sind Bestellplattformen im Internet, in denen der kundenspezifische Katalog im passenden Format vom Lieferanten abgelegt wird und auf den der Einkäufer durch seine Login-Daten individuell Zugriff hat. Der Vorteil: Die Order kann direkt in dem Portal getätigt werden. Transaktionsstandards wie EDI und XML unterstützen die automatisierte Kommunikation und erleichtern die gesamte Abwicklung eines Bestellvorganges bis hin zum Rechnungslauf.

Beschaffung aktuell: Bieten Sie mit Transpak weitere Servicepakete an?
Wenninger: Auf Wunsch übernehmen wir im Rahmen eines Full-Service-Pakets bei unseren Kunden das gesamte Verpackungsmanagement inklusive der Disposition mithilfe eines abgestimmten Vendor-Managed Inventory. Unter Berücksichtigung von Verbrauchswerten oder Kennzahlen steuern wir den Bestand an Verpackungsmitteln und gleichen Bedarfsschwankungen rechtzeitig aus. Unsere erprobten Kanban-Lösungen verhindern dabei Versorgungsengpässe bei gleichzeitiger Kosten- und Ablaufoptimierung.

Beschaffung aktuell: Haben Sie auch hierfür ein Beispiel aus der Praxis – zu guter Letzt?
Wenninger: Ein Unternehmen, das metallische Komponenten für Fahrzeug, Motor und Antriebsstrang entwickelt und in eigener Produktion fertigt. Im Bereich Ölpumpen gab es dort 18 Verpackungsprodukte, sieben Zulieferer, hohen Aufwand und lange Wartezeiten. Zudem fielen die Gefache auseinander. Nach einer Analyse entwickelten wir eine Modullösung aus vier flachliegenden, zusammenhängenden Subsegmenten, die für alle 18 Produkte nutzbar ist. Zusätzlich wurde ein Forecast-System etabliert, das den Beschaffungsprozess durch Kennzahlen stützt, höhere Transparenz gewährleistet und schnellere Reaktionszeiten ermöglicht. Die Lieferung des benötigten Verpackungsmaterials erfolgt seitdem just in time genau dann, wenn es benötigt wird. Die Vorteile: Es gibt nur noch einen Systemlieferanten, der Bestellvorgang ist einfacher und schneller. Die Konfektionszeit halbierte sich und auch der Lagerbedarf reduzierte sich um 30 Prozent. Erfreulich war zudem, dass es mit dem neuen Verpackungssystem rund 25 Prozent weniger Bruch gab. (lc)


Bilder: Transpak

Der Mann

Tobias Wenninger

Der 41-Jährige ist seit 2017 Vorstand für Vertrieb und Marketing bei der Transpak AG. Davor war er bei der Würth-Gruppe, wo er in verschiedenen Positionen und zum Schluss als Geschäftsführer tätig war.

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