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Der Güterverkehr von morgen: Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit im Fokus

Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit im Fokus
Der Güterverkehr von morgen

Der 4. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge am 2. und 3. Juni 2022 in Berlin. Bild: Werner Popp

Beim 4. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge am 2. und 3. Juni 2022 in Berlin diskutierten Experten sowie Praktiker aus Wirtschaft, Politik und Forschung die Potenziale innovativer Technologien rund um das Nutzfahrzeug von morgen. Im Mittelpunkt der Vorträge und Podiumsgespräche standen insbesondere Themen wie aktive Sicherheit, CO2-Reduktion, Automatisierung, Digitalisierung, Cyber Security, Telematik und Konzepte für die letzte Meile.

In Zeiten von unterbrochenen Lieferketten und Hürden bei der Materialbeschaffung wird eines klar: Die immense Bedeutung des weltweiten Warenverkehrs für Wirtschaft und Gesellschaft. Dieser Transport wird auch in Zukunft wichtig und notwendig sein. Was ihn „zukunftssicher“ macht und wo zugleich in Bezug auf Effizienz, Klima und Verkehrssicherheit der größte Handlungsbedarf besteht, diskutierten an zwei Tagen Referenten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beim 4. Dekra Zukunftskongress in Berlin vor rund 300 Gästen. Eigentlich hätte die Veranstaltung schon Ende November 2021 stattfinden sollen. Pandemiebedingt musste sie allerdings abgesagt und neu terminiert werden. Das Programm stand unter der Überschrift „future-proof transportation“ und war in drei Themenstränge unterteilt: Nutzfahrzeug-Technologie, Digitalisierung und Letzte Meile.

Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH. Bild: Nick Becker

„Auf dieser Branchenplattform geht es darum, Erfahrungen auszutauschen, Meinungen nebeneinander zu legen sowie Erwartungen zu formulieren und einzuordnen“, sagte Jann Fehlauer bei der Begrüßung der Gäste. Im Hinblick auf den Straßengüterverkehr von morgen sieht der Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH dabei im Wesentlichen drei Kriterien als ganz entscheidend an: „Der Güterverkehr der Zukunft muss sicher, effizient und nachhaltig sein – und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Primär-Rohstoff zum hochwertigen Industrieprodukt, vom Produktdesigner bis zum Endverbraucher.“

Hebel für die Reduktion von CO2-Emissionen

Einen zentralen Schwerpunkt bildete die Reduktion der CO2-Emissionen. Nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz müssen die Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs bis zum Jahr 2030 auf höchstens 85 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden – 2020 waren es laut Klimabilanz des Umweltbundesamtes 146 Millionen Tonnen. „Angesichts der weiter steigenden Verkehrsleistung ist dieses Ziel für alle beteiligten Player eine große Herausforderung“, betonte Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, in seiner Keynote.

Den notwendigen Technologiewechsel hin zu alternativen Antrieben schiebe die Politik durch Förderprogramme in Höhe von 1,6 Milliarden Euro bis 2024 massiv an. Gleichzeitig könnten Transportunternehmer die mit dem Umstieg verbundenen Kosten zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch über die längere Nutzungsdauer eines Lkw – Stichwort „Total Cost of Ownership“ – kompensieren. Dringend notwendig ist nach Ansicht von Luksic auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Eine entscheidende Rolle bei der Transformation komme außerdem der Maut zu. 2023 soll eine CO2-abhängige Maut mit einer stärkeren Spreizung an den Start gebracht und dabei emissionsärmere Fahrzeuge entlastet werden.

Thomas Fabian, Commercial Vehicles Director der Automobile Manufacturers‘ Association (ACEA), stellte seinerseits klar: „Zur Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs gibt es keine Alternative.“ Die Hersteller würden hierfür bereits heute alternative Antriebskonzepte bieten und ihr Portfolio konsequent erweitern. „Um die Verkaufszahlen von Lkw mit alternativen Antrieben zu erhöhen und gleichzeitig die Preise für die Fahrzeuge zu senken, ist die Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte das richtige Mittel“, gab Stef Cornelis, Direktor von Transport & Environment Deutschland, zu bedenken. Frank Huster, Hauptgeschäftsführer beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, wünscht sich für die Transportbranche noch mehr finanzielle Anreize für den Umstieg und außerdem noch mehr Planungssicherheit.

Rund um den Klimaschutz, die Reduktion der CO2-Emissionen und die Elektromobilität präsentierten die Referenten auf dem Zukunftskongress zahlreiche Strategien. In diesem Zusammenhang gingen Winfried Gründler, Senior Vice President der ZF Friedrichshafen AG, und Andreas Wimmer, Vice President Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, vor allem auch auf die Chancen ein, die sich für Zulieferer aus der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung der Nutzfahrzeuge für das eigene Produkt-Portfolio ergeben.

Mehr Sicherheit durch Fahrerassistenzsysteme

Intensiv beschäftigte sich der Kongress auch mit der Sicherheit von Nutzfahrzeugen. Wie Prof. Dr. Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), ausführte, sind Güterkraftfahrzeuge zwar nur zu etwa fünf Prozent an Unfällen mit Personenschaden beteiligt. „Doch wenn es zu Zusammenstößen kommt, enden sie für Pkw-Fahrer als häufigste Unfallgegner und insbesondere für ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer oder Fußgänger nicht selten mit schweren oder tödlichen Verletzungen.“ Um nachhaltig gegenzusteuern und Berufskraftfahrer insbesondere in komplexen Verkehrssituationen zu entlasten, seien Fahrerassistenzsysteme wie der Notbremsassistent, der Abbiegeassistent oder der Rückfahrassistent unverzichtbar, so Eichendorf. Dies gelte erst recht vor dem Hintergrund, dass die EU bis 2050 die Zahl der Verkehrstoten auf Null reduzieren möchte.

Um das Sicherheitspotenzial von Assistenzsystemen und automatisierten Funktionen zu heben, gibt es nach Ansicht von Dekra-Geschäftsführer Fehlauer allerdings eine unabdingbare Voraussetzung: „Die elektronischen Systeme müssen zuverlässig und sicher funktionieren, und zwar dauerhaft über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg.“ Um das sicherzustellen, brauche man die richtigen Verfahren und Methoden für die Fahrzeugprüfung der Zukunft. „Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass Überwachungsorganisationen einen klar geregelten, diskriminierungsfreien Zugriff auf die originären sicherheits- und umweltrelevanten Daten aus dem Fahrzeug bekommen.“ Die Dekra tritt dabei für ein Datentreuhänder-Modell ein, nach dem die Daten, die das Fahrzeug an den Hersteller sendet, parallel in einem „Trust Center“ abgelegt werden, das nach gesetzlich geregelten Rollen und Rechten den jeweiligen Stakeholdern die für ihre Aufgaben relevanten Datenausschnitte zur Verfügung stellt.

Stichwort Sicherheit: Pandemiebedingt verspätet bekamen im Rahmen des Kongresses außerdem Kay Morschheuser, der ehemalige langjährige Leiter Nutzfahrzeug-Unfallanalysen und Sicherheitsstrategien bei Daimler, sowie der langjährige Iveco-Ingenieur Joachim Werner den ihnen 2020 beziehungsweise 2021 verliehenen Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge überreicht. Den Preis vergibt die Europäische Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse (EVU) jährlich seit 1990 gemeinsam mit Dekra und dem DVR. Nach Ansicht von EVU-Präsident Jörg Ahlgrimm wurde die Entwicklung von Sicherheitssystemen wie Notbrems- oder Abbiegeassistent ganz wesentlich durch die Erkenntnisse aus der Unfallforschung von Kay Morschheuser und seinem Team beeinflusst. Joachim Werner erhielt die Auszeichnung für seine zahlreichen Beiträge zur aktiven und passiven Sicherheit wie auch zur Nachhaltigkeit von mittelschweren und schweren Lkw.

Mehrwerte durch intelligente Telematik

Auf dem 4. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge nahmen die Experten und Praktiker aus Wirtschaft und Forschung schließlich auch ausgiebig den Status sowie die weiteren Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung unter die Lupe. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen wie zum Beispiel: Wie kann Telematik die Effizienz steigern? Wie rechnet sie sich? Wie finden Transportunternehmer und Logistiker das richtige System für ihr konkretes Anforderungsprofil? Und: Welche Rolle spielen einheitliche Standards, oder welche Rolle sollten sie spielen?

Nicht zuletzt war in Berlin rund um die Digitalisierung das Thema Cyber Security omnipräsent. Denn die angestrebte Effizienzsteigerung wird sich nur dann wirklich realisieren lassen, wenn die Daten sicher und vor Angriffen geschützt unterwegs sind. Auf der letzten Meile ist Effizienz durch Digitalisierung ebenfalls ein Thema. Auch in diesem Punkt zeigte der Zukunftskongress vielversprechende Lösungen auf. (ys)

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