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Pandemie und Engpässe – Booster für vernetzte Zusammenarbeit

Pandemie und Engpässe – Booster für vernetzte Zusammenarbeit
Ein Control Tower allein stärkt noch nicht die Lieferketten

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Der aktuelle Rohstoffmangel und die Pandemie wirken wie ein Verstärker für die vernetzte Zusammenarbeit zwischen Supply-Chain-Partnern. Bild: Golden Sikorka/stock.adobe.com
Aufgrund der hohen Komplexität im Welthandel fällt es vielen Unternehmen schwer, den Überblick über ihre Bestände, Bestellungen und Transportprozesse zu behalten. Ein Instrument wie der Supply Chain Control Tower kann dabei unterstützen, vielfältige logistische Fragestellungen zu beantworten.

Eines ist jedoch klar: Auch ein Supply Chain Control Tower, selbst mit dem größten Scope und Know-how dahinter, kann noch keine Lieferschwankungen ausgleichen. Den Dreiklang der Organisationen „Mensch“, „digitale und physische Prozesse“ sowie „Software“ gilt es so zu verzahnen, dass die Lieferketten möglichst ohne oder nur mit minimalen Medienbrüchen überblickt werden können.

Doch wie ist die Akzeptanz von Dienstleistern zu erreichen, vernetzt zusammenzuarbeiten? Bis dato blockieren noch immer Skepsis und Sorge vor Kontrolle den lückenlosen Datenaustausch.

Smarte Entscheidungen basieren auf Daten

Um Schwankungen proaktiv begegnen zu können, bedarf es Echtzeitdaten und einer zielgerichteten Analyse. Wenn die Datenqualität – und das Verständnis dafür – stimmt, können die gesammelten Informationen enorm nützlich sein. Denn mittlerweile liegt die Schwierigkeit nicht mehr darin, Daten zu erfassen, sondern darin, diese richtig zu gewichten und die relevanten Informationen aus dem scheinbar unerschöpflichen Datenstrom herauszufischen.

Damit wichtige Daten an den Control Tower geliefert werden, muss zunächst allen Beteiligten der Mehrwert verdeutlicht werden. Denn eine weitere zentrale Frage ist, für wen im Unternehmen welche Daten wichtig sind? Schließlich sollten die Daten nicht nur aus der Sicht der Produzenten analysiert und kommuniziert werden. Genauso wichtig ist es, den Speditionen und deren Subunternehmen zu kommunizieren, wo ihr Vorteil bei einem Datenaustausch liegt. Selbstverständlich geht es nicht um die Kontrolle der Speditionen, sondern darum, möglichst weit in die Zukunft zu schauen, um Krisenmanagement betreiben zu können, Lieferengpässe zu vermindern und Produktionssicherheit zu gewährleisten.

Das bringt auch den Speditionen Wettbewerbsvorteile: verringerte Durchlaufzeiten bei der Warenanlieferung, die Reduktion des internen Planungsaufwandes, da das häufige „Hinterhertelefonieren“ der Ware ausbleibt, sowie die Verknüpfung von Avisierung, Transportbeauftragung und Zeitfensterbuchung. Darüber hinaus können Frachtabrechnungen unbürokratisch online abgestimmt werden, was wertvolle Ressourcen einspart und die Nerven schont.

Sowohl die Pandemie als auch die aktuelle Ressourcenknappheit in vielen Branchen sind Booster für die vernetzte Zusammenarbeit zwischen den Supply-Chain-Partnern. Denn vielen ist in diesen Zeiten die Notwendigkeit klar geworden, dass die Lieferketten – und damit insbesondere die Produktionsversorgung – stärker und nachhaltiger werden müssen. Um knappen Märkten entgegenwirken zu können, scheint kein Weg an der Automatisierung von Lieferketten vorbeizuführen. Angesichts der Materialknappheit in vielen Branchen liegt vor allem auf dem Inbound ein großer Fokus.

Vernetzte Zusammenarbeit

Allerdings fehlt noch immer die Antwort auf die Frage, wie die verschiedenen Stakeholder zusammengebracht werden können, um einen Supply Chain Control Tower entsprechend mit relevanten Daten anzureichern. Kein Wunder: Die große Anzahl an Beteiligten in modernen Lieferketten macht die Automatisierung und Datenlieferung schwierig – erst recht über mehrere verschiedene Verkehrsträger hinweg bis zur letzten Meile. Denn selbst in den stabilsten Lieferketten kommt es auch heute noch immer wieder zu Brüchen.

Der Supply Chain Control Tower wird von vielen BranchenexpertInnen als wichtige Entscheidungshilfe wahrgenommen, die sich in Krisenzeiten bewährt. Doch oft ist es so, dass erst erschütternde Ereignisse wie die Corona-Pandemie darauf aufmerksam machen, wie fragil die Weltwirtschaft ist. Aber selbst Daten, die nicht vollständig sind, jedoch über einen längeren Zeitraum eine Tendenz liefern, helfen Entscheidungen zu treffen und Risikomanagement zu betreiben. Für die Zukunft ist somit mehr Verständnis zwischen den Stakeholdern vonnöten. Ein Ziel sollte es sein, die Kommunikation so zu verbessern, dass allen Beteiligten klar wird, wie sie untereinander in Abhängigkeit arbeiten.

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Hohe Skalierbarkeit und Offenheit, um mit Massendaten unterschiedlichster Quellen umzugehen, sind Basisfunktionen des myleo/dsc Supply Chain Control Towers.
Bild: Leogistics

Die Krise als Impulsgeber

Der Control Tower sollte standardisiert werden und neben Stammdaten mit Nachrichten, Wetterdaten, wirtschaftlichen Informationen und Lieferantenrisiken angereichert werden, sodass alle Beteiligten zu jeder Zeit Einblick in die Lieferkette haben. Die Königsdisziplin wäre es, dem Endkunden die Möglichkeit zu bieten, selbst in das System schauen zu können, um die Anlieferungszeit der bestellten Ware einsehen zu können und auch in die eigene Systemwelt zu übernehmen. Dafür müssten sich die Datenqualität und die Datenstandards jedoch stark verbessern, um eine positive User Experience garantieren zu können.

Es lohnt sich, die Stakeholder der Lieferketten an einen Tisch zu bringen, sich zu vernetzen und für Verständnis zu sorgen, um Schwankungen am Markt entgegenwirken zu können. (ys)


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Bild: Leogistics

André Käber

CEO der Leogistics GmbH


Supply Chain Control Tower

Ein Supply Chain Control Tower bezeichnet ein vernetztes Dashboard, das über Daten, wichtige Kennzahlen und Ereignisse in der Lieferkette informiert. So können Unternehmen frühzeitig auf Engpässe reagieren, Logistikkapazitäten verschieben und unvorhergesehene Zwischenfälle abfedern. Die Basis für einen solchen digitalen Kontrollturm ist eine reibungslose Datenversorgung.

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