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Lieferkettenstörungen und Produktengpässe meistern

Sechs Handlungsempfehlungen
Lieferkettenstörungen und Produktengpässe meistern

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Der internationale Güterverkehr ist stark von der Seefracht abhängig. Darüber hinaus sind steigende Shipping-Gebühren nicht ausgeschlossen. Bild: unikyluckk/stock.adobe.com
Seit vielen Monaten sind die Lieferketten weltweit zum Zerreißen gespannt. Immer wieder gibt das ein oder andere Glied nach und muss mühsam überbrückt werden. Wie angespannt die Lage ist, belegen auch die Daten der digitalen Spedition Flexport.

Demnach lag das Handelsvolumen in Europa und weltweit 2021 rund zehn Prozent über dem Jahr vor der Pandemie. Bringt man die Tatsache mit ins Bild, dass im selben Jahr elf Prozent weniger Kapazität am Frachtmarkt verfügbar war, treten wichtige Ursachen der aktuellen Situation zum Vorschein. Auf der Logistikkonferenz Flexport Forward Europe hat man sich mit diesen Herausforderungen auseinandergesetzt und Empfehlungen herausgearbeitet.

Kapazitäten effizienter nutzen

Ein erster Schritt in der Bewältigung der aktuellen Situation besteht darin, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen. Weniger abstrakt gesprochen: Unternehmen müssen mehr Produkte in einem Container unterbringen. Viele Unternehmen haben diese Notwendigkeit bereits erkannt und dafür gesorgt, dass die Container-Kapazität im vergangenen Jahr um knapp elf Prozent effizienter genutzt wurde als im Jahr zuvor. Dass es hier bereits zu signifikanten Effizienzsteigerungen gekommen ist, weist allerdings darauf hin, dass das Optimierungspotenzial bereits zu einem Gutteil ausgereizt ist.

Priorisierung reduziert Anspannung

Vor allem B2C-Einzelhändler werden darum nicht umhinkommen, nach Möglichkeit ihre Lagerkapazitäten zu erhöhen, ihre Beschaffung lokal zu diversifizieren und Nearshoring zu betreiben, um Reserven schnell verfügbar zu haben und so Lieferengpässe und letztlich leere Regale zu vermeiden. Da aber eine schnelle Abhilfe erforderlich ist, müssen Einzelhändler vor allem verstärkt auf Priorisierung setzen. Wenn sie vorrangig die Produkte berücksichtigen, die sich am besten verkaufen und ihre Lieferungen entsprechen priorisieren, lässt sich die Anspannung ihrer Lieferketten bereits deutlich reduzieren.

Längerfristig planen

Drittens empfehlen die Experten, bereits jetzt für das neue Jahr längerfristige Verträge abzuschließen, um die Kosten absehbar zu halten. Weitere Kostensteigerungen bei den Liefergebühren sind nicht ausgeschlossen. Bereits jetzt belasten höhere Shipping-Gebühren die Unternehmen und Verbraucher: Höhere Kosten von drei bis zehn Prozent innerhalb der Lieferkette schlagen schlussendlich auch auf die Preise für Endkonsumenten durch.

Nicht alle Eier in einen Korb

Die Entwicklungen der Logistikbranche in den Zeiten vor Corona haben unter anderem zu einer sehr starken Abhängigkeit des internationalen Güterverkehrs von der Seefracht geführt. Darum lautet ein vierter Ratschlag, die Logistikketten zu diversifizieren und auf verschiedene Arten des Transports zu setzen. Die Verteilung der Lieferungen aus Fernost nicht nur auf Schiffe, sondern auch auf die Schiene oder Luftfracht für Produkte mit hoher Priorität, zahlt sich in Krisenzeiten aus, in denen Häfen geschlossen oder völlig überlastet sind.

Am anderen Ende der Lieferketten

Es reicht nicht aus, sich nur auf die Lieferketten zu konzentrieren. Unternehmen müssen auch darauf achten, wie es am anderen Ende der Ketten aussieht. Dort herrscht in vielen Fällen Knappheit. Der Chipmangel und die Fabrikschließungen haben in der Pandemiezeit eindrucksvoll belegt, dass selbst eine gut geschmierte Supply Chain nicht hilft, wenn der Supply ausbleibt. Für viele Unternehmen ist es schwierig, die aktuelle Lieferantensituation richtig einzuschätzen. Das gilt erst recht für deren künftige Entwicklung. Darum gilt es, externe Beratung einzuholen, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Der Blick fürs große Ganze

Zuletzt spielen auch die Risiken der Handelspolitik eine wichtige Rolle: Neue Richtlinien zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz, wie der Carbon Border Adjustment Mechanism der EU, sowie die Spannungen zwischen USA und China in Zollfragen müssen Unternehmen, die ihre Waren aus der ganzen Welt beschaffen, genau im Auge behalten.

All diese Entwicklungen haben potenziell schädliche Auswirkungen auf die Beschaffung von Unternehmen. Am besten werden 2022 diejenigen fahren, die nicht nur einzelne Aspekte der Lieferprobleme adressieren, sondern das Gesamtbild betrachten, und sämtliche genannten Maßnahmen umsetzen. (ys)

de.flexport.com


Bild: Flexport

Der Autor:

Stefan Böhler, General Manager Deutschland bei Flexport

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