Gelebte Digitalisierungsstrategie bei DHL

Mit Vollgas in die Zukunft

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DHL hat nicht nur in Troisdorf ein Innovation Center, sondern auch in Singapur. Im September öffnet ein weiteres Center in Chicago. Bild: DHL
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Die Deutschte Post DHL Group schaut nach vorne: konsequent wird hier daran gearbeitet, Digitalprojekte umzusetzen. Dabei geht es darum, Technologien schnell und zielgenau einzusetzen. Ob Roboter, Datenbrille oder neue Software: Am besten zeigt sich die Ausrichtung im Innovation Center.

Ein Schritt nach vorne – und der Kommissionierwagen folgt auf dem Fuß. Nach links und rechts, ein paar Schritte vor – stehenbleiben. Der Effibot spiegelt die Bewegungen besser als ein trainierter Schäferhund. Wer nicht selbst laufen will, dem wird auch geholfen: Der Locus-Roboter kann auf Knopfdruck völlig selbstständig an zuvor eingespeicherte Punkte fahren, um kommissionierte Waren aufzunehmen.

Doch damit nicht genug: Der Besucher kann sich vielseitig als Kommissionierer ausprobieren und mithilfe der Datenbrille auch einige Pakete ins richtige Regal legen und herausholen. Im 3D-Kino können Gäste dann Captain Kirk spielen und sich Zukunftsszenarien der Logistik im Jahre 2035 anschauen. Und das sind nur einige Highlights, die DHL in seinem Innovation Center in Troisdorf bei Bonn zeigt.

Zukunft zum Anfassen

In erster Linie dient das Gebäude als Plattform, welche DHL nutzt, um mit seinen Partnern und Kunden die Neuerungen vorzustellen, die DHL schon jetzt anwendet oder in Zukunft anwenden will. Hier bekommen Besucher die Möglichkeit, sich konkret mit der Digitalisierung zu beschäftigen, Technologien auszuprobieren und anzufassen. Jessica Voss, Programmdirektorin des DHL Innovation Centers, sagt: „Das Motto unseres Zentrums ist: ‚inspire, connect, engage‘. Wir wollen also über Visionen sprechen, eine Plattform des Austauschs schaffen und langfristige Zusammenarbeiten aufbauen.“

Trends in der Logistik

Der Showroom ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs, dahinter steckt viel mehr: DHL ist ganz vorne mit dabei, wenn es um digitale Strategien für die Zukunft der Logistik geht. Das größte Logistik-Unternehmen der Welt veröffentlicht regelmäßig Trendreports zu den wichtigsten Themen der Logistik, jüngst zu digitalen Zwillingen. Welche Themen in diesen Reports besprochen werden, findet der „Logistics Trend Radar“ von DHL heraus. Er listet Trends und bewertet ihre Wichtigkeit. Beispiele sind selbstfahrende Autos und Robotik/Automatisierung, aber auch Internet of Things und Augmented-Reality-Technologien. Auch soziale und wirtschaftliche Entwicklungen finden sich hier: Supergrid Logistik, die den ganzen Globus umspannt, oder Smart Containerization, also der modulare Aufbau von mit dem Internet vernetzten Containern. Diese Trends publiziert das Unternehmen nicht nur für Interessierte, sondern verwendet sie auch in der eigenen Strategiefindung.

Sprung von der Theorie zur Praxis

Im Geschäftsbereich DHL Supply Chain schlägt sich die Zukunftsgewandtheit des Unternehmens in einer ausgereiften Digitalstrategie nieder. Markus Voss, CIO und COO bei DHL Supply Chain hat mit seinem Team diese Stratgie für den Kontraktlogistik entwickelt und leitet nun deren weltweite Umsetzung. Er erklärt im Interview, wie sich das Konzept von anderen unterscheidet: „Wir konzentrieren uns auf Lösungen, die einen mittleren bis hohen Reifegrad haben, die also unmittelbar Vorteile für unsere Kunden bringen, und bei denen wir in der Lage sind, sie passgenau auf die Logistik anzuwenden.“

Erklärtes Ziel ist schnelle Implementierung

Diese Technologien sucht das Unternehmen weltweit über einen groß angelegten Scouting-Prozess. Auch Start-ups bekommen die Chance, etwa beim DHL Innovation Day ihre Produkte vorzustellen und haben so die Möglichkeit, eine Kooperation mit dem Logistikriesen zu ergattern. So entstand auch die Zusammenarbeit mit dem Start-up Effidence aus Frankreich. Produkte werden dann in Piloten getestet und schnell in passenden Lagern ausgerollt. Um herauszufinden, welche Lösungen wo Sinn ergeben, hat Markus Voss 2200 Lager mit all ihren Eigenschaften, Volumina und Kennzahlen erfassen lassen. Diese ausführliche Datenbank dient dazu, einzelne Technologien zielgerichtet einzuführen, und zwar an Orten, an denen sie wirklich zu Effizienzsteigerungen führen können und sich schnell amortisieren. Intern wird dieser direkte Weg zur Digitalisierung als „Accelerated Digitalization“ bezeichnet.

Mensch und Maschine als Paar

Das Ziel der Strategie ist aber nicht eine vollständige Automatisierung aller Lager, sondern eine Fall-für-Fall-Betrachtung. Voss sagt: „In den letzten Jahren wurde ein größerer Fokus darauf gelegt, Teilbereiche der Wertschöpfung durch Automatisierung zu verbessern.“ So bewahre man sich die nötige Flexibilität, die mit einem vollautomatisierten Lager nicht möglich wäre. Ändert sich etwa das Portfolio oder gar der Kunde in einem Lager, muss dieses in der Lage sein, schnell und ohne große Investitionen darauf zu reagieren. Im Mittelpunkt steht daher die Interaktion von Mensch und Maschine. Denn eines ist klar: Digitalisierung kann nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn sie von den Menschen mitgetragen wird. Bei DHL werden die Lagermitarbeiter, also die künftigen Anwender der Technologien, daher schon in den frühen Pilotphasen eng eingebunden. Die Akzeptanz unter den Mitarbeiter ist dabei hoch – mehr noch: Jessica Voss berichtet, wie stolz die Mitarbeiter sind, an solchen Piloten teilzunehmen. „Gewonnen haben wir dann, wenn die Mitarbeiter den Robotern Namen geben“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Das ganze Interview mit Markus Voss lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


Fünf neue Technologien im Detail

Digitalisierung in der Praxis

Angewandte Digitalisierung: Im Geschäftsbereich DHL Supply Chain laufen im Moment 1400 Digitalisierungsprojekte, die in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Herstellern der Technologien umgesetzt werden. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die folgenden Beispiele, die schon jetzt großflächig eingesetzt werden.

Vision-Picking der nächsten Generation

Die neue Generation der Glass Enterprise Edition von Google hat eine längere Laufzeit und ist seit Mai 2019 bei DHL im Einsatz – der Vorgänger schon seit 2015. Mitarbeiter sehen mit der Brille Informationen zum Picking, behalten dabei gleichzeitig die Hände frei.


Tschüss zum umständlichen Handscanner

Eine Lösung passt nicht immer für alle der vielseitigen Einsatzzwecke, die DHL Supply Chain abdecken will. Deshalb setzen sie neben Vision- und Voice-Picking-Methoden auch Ringscanner führender Hersteller in ihren Lagern ein.


Folgt bei Fuß und völlig automatisch

Der Effibot folgt den Mitarbeitern ohne weitere Steuerung, so haben sie die Hände immer frei. Das Produkt des französischen Start-ups Effidence gewann 2016 den von DHL ausgerichteten Wettbewerbs für neue Produktideen und ist nun in vielen Lagern präsent.


Selbst ist der Roboter

Auch der LocusBot der Firma Locus Robotics aus den USA arbeitet ebenfalls eng kollaborativ mit den Mitarbeitern im Lager zusammen. Er kann selbstständig eingespeicherte Zielpunkte anfahren und Hindernisse auf dem Weg erkennen und umfahren.


Heiße Sache: IoT-Cockpit schafft Überblick

Um in Lagerhallen nichts aus den Augen zu verlieren, verwendet DHL Supply Chain das sogenannte „IoT-Cockpit“. Er bildet sämtliches Equipment und Inventar auf einem Bildschirm ab. So können Engpässe erkannt und verbessert werden.


Sanja Döttling, Redakteurin Beschaffung aktuell

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