Neue Transportkiste für die Logistik

Inside the Box

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Das Start-up „Box – Genau meine Kiste“ entwickelt und produziert im schwäbischen Bisingen eine etwas andere Transportkiste. Die Tüftler haben ein einzigartiges Profilsystem entwickelt, das einen werkzeuglosen Auf- und Abbau, große Flexibilisierung und ein nachhaltiges Produkt ermöglicht.

Wie kommt ein Drucktuchschienenhersteller dazu, eine Transportkiste zu bauen? Eine gute Frage, auf die Tobias Schrade, Geschäftsleiter von „Box – Genau meine Kiste“ Antwort weiß: „Die Idee für unsere Kisten hat sich eigentlich aus unserem eigenen Bedarf entwickelt.“ Entstanden ist das Start-up aus der Firma Pro Blanket Bars, welches Stahlschienen in die ganze Welt verschickt. Doch die Logistik ist nicht einfach. „Die Anforderung war, eine Verpackung zu finden, die auch beim weltweiten Versand unter extremen Bedingungen die Lasten aushält und die vor Transportschäden schützt”, erklärt Schrade. Bis dato gab es auf dem Markt keine Kiste, die den Voraussetzungen entsprach.

Die Idee

Deshalb dachte sich das Unternehmen im Geiste der deutschen Tüftlertradition: Was kein anderer hat, das bauen wir selbst.

„Überlegungen haben uns auf unsere Kernkompetenz gebracht: nämlich profilieren“, sagt Schrade. Die Profile aus Stahl bilden die Kanten der Kiste. In die in Form gebrachten Profile schiebt man dann Boden, Seitenwände und Deckel ein. Das geht ohne Werkzeug nach einem „Steckkastenprinzip“. Timo Bisinger, technischer Leiter von Box, ist der Erfinder des Profilsystems. Er hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert, und erinnert sich: „Mein größtes Plus ist, glaube ich, dass ich das Studium nicht zu Ende gemacht habe. Ich denke nicht im Raster. Ein klassischer Kistenbauer würde wohl nicht auf die Idee kommen, ein Stahlprofil zu verwenden.“

Der Clou seines Profilsystems für die Kisten ist, dass das Gewicht der Ladungen sich auf den Stahlrahmen verteilt und in die Fläche geleitet wird. Bisinger erklärt: „Dafür ist die Kiste im Schließen der Flächen komplett flexibel.“ Das Unternehmen nutzt OSB3-Platten, also Grobspanplatten, für die Wände, Dach und Boden der Kiste. Auch andere Materialien zwischen 9 und 15 mm können verwendet werden, zum Beispiel Plexiglas, um ein Sichtfenster in die Transportkiste einzubauen. Ein schöner Trick, um die Sichtbarkeit der Güter im Logistikprozess zu ermöglichen.

Von der Mutter zum eigenen Unternehmen

Die Kisten stießen bei den Kunden von Pro Blanket Bars auf gute Resonanz. Schrade erinnert sich: „Wir wurden gefragt: Kann man die Transportkiste bei euch kaufen?‘“ Daraufhin überlegten sich die Kistenbauer, ihr Projekt auf die nächste Stufe zu heben, und gründeten 2018 „Box – Genau meine Kiste“. Im Eigenbedarf ging es den Kistenbauern darum, Schüttgut und hohe Seitenbelastungen im internationalen Warenverkehr abdecken zu können. Dann kamen mit den Kunden neue Anforderungen an das Produkt. Inzwischen ist ihr Kundenstamm groß: Druckereien, produzierende Gewerbe und Gehäusehersteller finden sich auf der Bestellliste.

Verschiedene Leistungsklassen

Das Unternehmen sieht sich dabei zwischen traditionellen regionalen Kistenbauern, die aus dem handwerklichen Bereich kommen, sowie einem Industrieunternehmen. Bisinger erläutert: „Die Box ist die Schnittstelle. Wir sind sowohl in der Lage, uns auf die individuellen Wünsche der Kunden einzulassen, ab Stückzahl 1, haben aber trotzdem eine industrielle Fertigungsanlage.“ Inzwischen hat das Unternehmen sieben Mitarbeiter.

„Wir wissen immer grundsätzlich, wie die Kiste gebaut ist, nämlich mit unserem Profilsystem“, betont Schrade. Um die Individualisierung geht es im zweiten Schritt. Die Kisten haben gewisse Leistungsklassen, deren Charakteristika die Kistenbauer genau kennen, da sie von der Beratungsstelle für seemäßige Verpackung in Hamburg (BFSV) getestet wurden. So ist der Typ „Eco“ zum Beispiel eine einfache Variante; dann steigern sich die zusätzlichen Features, bis man schließlich mit der „Mehrwegkiste“ in der Königsklasse landet. Bei diesem Modell spielt die Arbeitsergonomie und der Wertschöpfungsprozess eine große Rolle. Alle Kisten können mehrfach verwendet werden – doch die Mehrwegkiste speziell ist darauf ausgelegt, viele Male verschickt zu werden. „In diesem Bereich gibt es – abgesehen von der klassischen Gitterbox – nicht allzu viele Alternativen“, sagt Schrade.

Des Weiteren haben die Ingenieure ein Raster von 10 mm angelegt, innerhalb dessen sie Größen und Preise automatisch berechnen können, zum Beispiel in ihrem Online-Konfigurator auf der Firmenwebseite.

Kiste ist nicht gleich Kiste

Doch das ist nicht alles, was die Firma für die Flexibilität tut. Schnell gesellten sich Leichtbauweisen für leichte Güter, Kisten für den Langguttransport von bis zu acht Meter und Sonderanfertigungen zum Produktportfolio. Zu jeder Kiste baut das Unternehmen außerdem die passende Palette. Die Individualisierung der Transportkiste, damit sie zu „genau meiner Kiste“ wird, geht bis zum Einzelkunden, der sich etwa Rollen oder Plexiglas-Sichtfenser für den Zoll wünschen kann.

Schrade macht klar: Eine Kiste ist nicht gleich eine Kiste. Er erklärt: „Auf dem Bahnweg zum Beispiel haben wir eine hohe Belastung beim An- und Abfahren.“ Dazu ist natürlich eine andere Kiste nötig als eine, die nur in der Intralogistik eines Unternehmens Verwendung findet. Dann hängt die Leistungsklasse auch davon ab, wie oft eine Ware umgeschlagen, oder ob sie von einem Fremdspediteur verladen wird – man merkt, dass sich Schrade und Bisinger bei jedem Fall auf den Kunden einlassen. Schrade sagt: „Wir schauen uns die Prozesse beim Gegenüber an. Das kommt aus dem Gedanken der Mutterfirma: Wir wollen optimale Prozesse haben.“ Die Vorteile sind vielfältig. Die Boxen sind stabil genug, um Waren vor Unfällen zu schützen. Das Profilsystem hat dabei vor allem den Vorteil, dass Kanten durch den Metallrahmen geschützt werden. Ein weiterer Vorteil der Kisten ist, dass man sie einfach auseinanderbauen und zusammenlegen kann. So spart der Kunde beim Lagern oder auf dem Rücktransport Platz. Weil die Transportkiste aus verschiedenen losen Teilen aufgebaut ist, kann sie auch individuell erweitert werden: Neue Seitenteile können eine Kiste einfach verlängern. Das gilt auch bei Schäden. Hat eine OSB-Platte eine Beschädigung, kann man genau diese Platte ersetzen – nicht etwa die ganze Kiste. Die Kiste kann durch ihren „Steckaufbau“ auch anders beladen werden. Der Kunde kann die Box-Kiste um ein Produkt herum bauen und in der Produktionslinie „mitwachsen“ lassen.

Das Thema Nachhaltigkeit war den Firmengründern sehr wichtig. Das Holz der OSB-Platten ist ein nachwachsender Rohstoff; Verschnitt wird so gut wie möglich weiterverwendet. Außerdem können Holz und Stahl komplett recycelt werden. Zusätzlich sind alle Kisten IPPC-konform und somit auch für den internationalen Versand geeignet. Auch die Mehrfachverwendung trägt zur Nachhaltigkeit bei.

„Bei uns im Unternehmen herrscht eine extreme Dynamik. Was heute noch Stand X ist, das stimmt morgen schon nicht mehr“, sagt Bisinger. Themen wie Tracking und Digitialisierung, der Mehrweg- und Nachhaltigkeitsgedanke sind interessante Denkanstöße für die Zukunft.


Sanja Döttling, Redakteurin Beschaffung aktuell

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