C-Teile-Beschaffung

„Den Standort Europa in der Industrielandschaft verankern“

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Würth Industrie Service ist ein C-Teile-Händler, der sich an der Spitze der Entwicklung einer allumfassenden Systemlandschaft in der Beschaffung von Kleinteilen sieht. Geschäftsführer der Bereiche Marketing und Vertrieb, Martin Jauss, spricht mit Beschaffung aktuell über Herausforderungen wie den demografischen Wandel, Brexit und den Standort Europa.

Beschaffung aktuell: Was ist das Alleinstellungsmerkmal von Würth Industrie Service?

Jauss: Wir sehen uns als der Partner der Industrie mit einem umfangreichen Leistungsportfolio im C-Teile-Management. Wir sind nicht auf ein bestimmtes Standardsortiment fokussiert, sondern wir bieten die beste Lösung für den Kunden an, egal ob Handschuh oder Blechbiegeteil, egal ob Werkzeug oder Dübel. Wir fassen den Umfang unseres Portfolios aber noch weiter. Es deckt den gesamtheitlichen Prozess ab, der benötigt wird, um die Firma mit Kleinteilen zu versorgen. Wir nennen diesen ganzheitlichen Ansatz die Systemlandschaft.

Beschaffung aktuell: Was für Technologien gehören zur Systemlandschaft?

Jauss: Dabei geht es um unser gesamtes Bestellsystem. So werden Bedarfe nicht mehr durch Personen ausgelöst, sondern automatisch durch Liefereinheiten, zum Beispiel durch ein Kanban-System. In diesem Bereich haben wir eine sehr umfassende Systemlandschaft aufgebaut für alle Belange, die es im intralogistischen Bereich gibt. Hier sehen wir in Zukunft einen Mehrwert in engen Kooperationen mit unseren Kunden.

Wo wir ebenfalls eine starke Strömung sehen, ist im Weitergeben von Fachwissen, zum Beispiel durch die Weiterbildung der spezialisierten Ansprechpartner bei Kunden.

Beschaffung aktuell: 70 Prozent Ihrer Kunden sind Systemkunden. Warum ist das so?

Jauss: System ist nichts anderes als ein Synonym für Sicherheit. Wir wollen, dass alles, was wir tun, so prozesssicher wie möglich ist und nicht von manuellen Fehlern beeinflusst werden kann. Die Systeme, die wir dazu haben, sind Bestellauslöser für jeden Anforderungszweck und -bereich beim Kunden.

Die einfachste Lösung ist ein Scanner, der ein Barcodeetikett manuell abscannt. Etwas komplexer wird es dann, wenn das System zum Beispiel mit Ausgabeautomaten kombiniert ist. Das ist hauptsächlich für produktionsnahes Material, also Werkzeuge, Handschuhe oder Schleifmittel, relevant. In Zukunft können Bestellungen auch dezentral über den „iPlacer“, ein autarkes RFID-Modul für die Arbeitsplatzversorgung oder auch für Durchlaufregale, getätigt werden.

Das Gesamtsystem ist das Belieferungskonzept mit bestellauslösenden Elementen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Breite, in der wir Systemlösungen anbieten. Wir sehen beim Kunden die ganzheitliche Fabrik, und nicht nur spezialisierte Teilbereiche.

Beschaffung aktuell: Was sind die größten Herausforderungen für Sie im Moment?

Jauss: Ein großes Thema ist der demografische Wandel, und der damit einhergehende Fachkräftemangel. Er ist eine Herausforderung, aber auch eine große Chance, um Optimierungen in der Prozesslandschaft umzusetzen und den Standort Europa fest in der Industrielandschaft zu verankern.

Beschaffung aktuell: Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel im Zuge des demografischen Wandels um?

Jauss: Wir haben eine sehr hohe Ausbildungsquote und stellen jährlich 70 Auszubildende ein. Wir bilden auch Ingenieure, Kaufleute und gewerbliche Mitarbeiter aus.

Der zweite Punkt ist die Prozessautomatisierung. Die Mitarbeiter haben unheimliches Wissen und dieses Wissen darf nicht in repetitiven Vorgängen verpuffen und muss da genutzt werden, wo es wirklich kniffelig wird. Deswegen stecken wir viel Energie in die Entwicklung unserer Mitarbeiter. Wir haben ein umfangreiches Schulungskonzept, das für jeden Mitarbeiter eine kontinuierliche Entwicklung in seiner gesamten Betriebszugehörigkeit gewährleistet.

Beschaffung aktuell: Wie haben Sie sich auf Brexit vorbereitet?

Jauss: Wir haben vor Ort ein Lager angemietet und dort alles, was wir für die Produktionsversorgung in Großbritannien benötigen, als Vorrat gelagert. Das kostet Geld, aber unser Fokus liegt auf der Zuverlässigkeit der Versorgung. Der größere Bereich, der uns beeinflusst, ist die Unsicherheit, die aus dem Brexit entsteht. Maschinenbauer in Deutschland wissen nicht, wie der englische Markt in Zukunft für sie erreichbar bleibt. Unternehmen, die in England einen Produktionsstandort haben, überlegen, diesen zu verlegen. Diese Ungewissheit beeinflusst uns, weil unsere Kunden vorsichtiger agieren.

Beschaffung aktuell: Würth Industrie Service hat 2019 20-jähriges Jubiläum. Was sind die aktuellen Entwicklungen im Unternehmen?

Jauss: Die aktuelle Entwicklung ist ganz klar: Europa als Ganzes muss gestärkt werden. Diese Position wollen wir ausbauen. Deswegen haben wir gerade 160 Mio. für den Ausbau der Zentrallogistik hier in Bad Mergentheim ausgegeben. Parallel dazu bauen wir die Präsenz von Kollegen im Vertrieb aus, dass wir den Kunden flächendeckend vor Ort betreuen können.

Eine neue Strömung ist die Digitalisierung und damit die Zukunftsfähigkeit unseres Geschäftsmodells. Wir wollen Kunden und Lieferanten hier unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bei neuen Anforderungen unterstützen.

Wir haben letztes Jahr eine Digitalisierungseinheit gegründet. Sie beschäftigt sich mit der Frage, was Digitalisierung im Kontext Kundenbetreuung und der Prozessveränderung intern bedeutet. Dabei geht es vor allem um das Datenmanagement, also welche Daten die Partner in der Lieferkette austauschen und durch welche Daten ein Mehrwert für den Kunden entsteht.

Beschaffung aktuell: Sie setzen in Ihrer Intralogistik Robotikanwendungen ein. Wie sieht Ihre Strategie in diesem Bereich aus?

Jauss: Unser Ziel ist es, im Jahr 2025 circa 75 Prozent aller Positionen, die wir in der Logistik bewegen, automatisiert abzuwickeln. Das bedeutet, das Wachstum der nächsten Jahre wollen wir hauptsächlich durch Automatisierung stützen. Der demografische Wandel zwingt uns dazu. Wir werden Arbeitsplätze schaffen, aber wir gehen davon aus, dass wir das geplante Wachstum nicht über zusätzliches Personal tragen können.

Gleichzeitig nutzen wir das Thema, um unsere Arbeitsplätze zukunftsfähig zu gestalten. Personen, die körperlich schwer arbeiten, sollen unterstützt werden, damit sie ihren Job bis ins Rentenalter ausführen können.

Beschaffung aktuell: Was ist Ihre Botschaft für die Zukunft?

Jauss: Wir müssen uns als Industrielieferkette vernetzen und offener miteinander kommunizieren, was Prozesswissen, Datenaustausch und Standortdiskussionen angeht. Die polarisierte Lieferanten-Kunden-Sicht muss aufgeweicht werden, Beziehungen müssen Partnerschaften werden. So arbeiten wir mit unseren Kunden. Mit einer solchen Offenheit können wir den Standort Europa langfristig weiterentwickeln und stärken.

Das Interview führte Sanja Döttling, Redakteurin Beschaffung aktuell.


Hier kommt wahrscheinlich ein etwas längeres Zitat hin, das wohl so drei bis vier Zeilen haben wird.“
Martin Jauss, Geschäftsführer Sales und Marketing


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