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Die Stahlpreisentwicklung im ersten Quartal 2022

Stahlpreisentwicklung aktuell – 1. Quartal 2022
Die aktuelle Lage am Stahlmarkt

Der Krieg in der Ukraine und das Coronavirus beeinträchtigen nach wie vor die Wirtschaft – das gilt auch für stahlverarbeitende Unternehmen. Kommt es hier zu einem Produktionsrückgang, könnte das am Stahlmarkt für Entspannung sorgen. Aber auch in der Stahlherstellung werden rückläufige Mengen erwartet. Vorhersagen lassen sich so kaum treffen.

Die Nachfrage im Automotiv-Bereich ist weiter auf äußerst geringem Niveau und wird vermutlich kurzfristig auch nicht ansteigen. Die ersten vier Monate des Jahres zeigten deutlich geringere Produktionsmengen als die ohnehin schon schwachen Vorjahre. Einerseits sorgt das für ein wenig Entspannung am Stahlmarkt, andererseits sollte uns das aus gesamtwirtschaftlicher Sicht durchaus Sorgen bereiten.

In den anderen stahlverbrauchenden Sektoren wie dem Bau- und dem verarbeitenden Gewerbe oder auch dem Maschinen- und Anlagenbau herrscht indes weiterhin eine sehr gute Auftragslage (Stand 12. Mai 2022), die allerdings nach wie vor nicht in vollem Umfang umgesetzt werden kann. Bisher war das der allgemeinen Versorgungslage auf dem Weltmarkt geschuldet. Insbesondere Elektronikelemente waren Mangelware und führten zu Produktionskürzungen. Dennoch war der Stahlverbrauch auf einem ordentlichen Niveau. Allerdings wäre ein noch deutlich höheres Potenzial vorhanden gewesen.

Belastung für die Lieferketten

Nach wie vor wird die Versorgungslage zusätzlich durch die Coronasituation in China belastet: Über Industrieregionen und wichtige Häfen werden immer wieder Lockdowns verhängt. Dringend benötigte Waren kommen nur langsam aus dem Land. Dazu kommt der Russland-Ukraine-Krieg, durch den diverse Lieferketten noch weiter gestört werden oder komplett ausfallen. Daher entsteht auf Nachfrageseite ein enormer Auftragsüberhang. Es bauen sich große Backlogs an später abzuarbeitenden Aufträgen auf. Dies wird vermutlich dazu führen, dass die Verknappung am Stahlmarkt noch länger anhalten wird, auch wenn die Lieferketten wieder in Schwung kommen. Der Grund: Der Stahlbedarf ist viel zu hoch. Bis diese Auftragsrückstände abgearbeitet sind und vielleicht wieder eine halbwegs ausgeglichene Situation zwischen Angebot und Nachfrage entsteht, wird es noch lange dauern. In 2022 wird dies aus Sicht von Stahlkompakt wohl nicht mehr passieren.

Der Außenhandel zeigte sich in den letzten Monaten demgegenüber sehr schwankend. Im Dezember 2021 verzeichneten wir sogar einen Exportüberschuss. Januar und Februar 2022 ergaben dann Rekord-Importüberschüsse. Kurzfristig erwarten wir hier aber im Vergleich zur Produktion weniger starke Kriegseinflüsse auf die Importmengen. Produktionsseitig werden für das erste Quartal in Deutschland, aber auch global, schwächere Mengen erwartet.

Der Einfluss des Krieges

Bei den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind verschiedene Faktoren zu betrachten:

  • Direkte Importe aus den betroffenen Ländern (Ukraine, Russland, Belarus), welche jetzt komplett wegbrechen; diese betreffen eher einfachere Sorten und Ausführungen.
  • Die Bedeutung der drei Länder zeigt sich, wenn sich der Blick vom Importanteil auf den Anteil an der generellen Marktversorgung in der EU richtet und die Vormaterialien für europäische Werke einbezogen werden; Importe dieser drei Länder sind nach Schätzung der Stahlkompakt-Partner direkt und indirekt für bis zu 20 Prozent der Marktversorgung in der EU-27 verantwortlich.
  • Zudem sind die Transportmöglichkeiten eingeschränkt: Speditionen und Lkw-Fahrer aus den betroffenen Ländern stehen nicht zur Verfügung; der Hafen von Odessa spielte eine wichtige Rolle für Importe aus Asien.

Produktionsrückgang erwartet

Der Einfluss des Krieges auf den Stahlmarkt ist im Moment nicht einheitlich abzuschätzen. In den stahlnachfragenden Branchen wird es wohl zu Produktionsrückgängen kommen. Der Stahlbedarf wird also sinken, was tendenziell zu niedrigeren Preisen und einer besseren Versorgung führt. Andererseits werden auch in der Stahlherstellung rückläufige Mengen erwartet, woraus sich tendenziell eine Verknappung und steigende Preise ergeben können. Wie hoch dieser Rückgang ausfällt, ist allerdings schwer einzuschätzen.

Welcher dieser Effekte größer ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Hierfür muss der Einkauf sehr genau in die Marktsituation der zu beschaffenden Produktgruppen (Werkstoff, Format, Ausführung usw.) schauen. Im Ergebnis ließen sich bereits im März massive Preissteigerungen wahrnehmen. Dies ist sicherlich zum großen Teil den eingeschränkten Verfügbarkeiten geschuldet. Es wird aber auch ein „Angstzuschlag“ in den Preisen enthalten sein. Aus dem Markt ist zu hören, dass im Moment das Preisniveau gehalten wird. „Es werden eher Projekte verschoben, als noch höhere Preise zu bezahlen“, so einer der Partner von Stahlkompakt.

Es ist jedenfalls nicht seriös vorherzusagen, wie lange diese Situation anhält. Denn …

  • … es ist nicht genau abzusehen, wann die Lieferketten wieder richtig anlaufen und der genannte Rückstau an Aufträgen verstärkt abgearbeitet wird und sich so die Nachfrage erhöht.
  • … der Aufbau alternativer Lieferquellen für ehemals ukrainische oder russische Vorprodukte der Stahlwerke ist im Gange. Aber wie lange es dauert und wie viele Mengen dadurch tatsächlich kompensiert werden können, ist unklar.
  • … eventuell kommt es auch anders und wir steuern auf eine Rezession zu, weil Preise nicht mehr bezahlt werden können. Dann gehen die Stahlbedarfe möglicherweise stärker zurück.
  • … Händler versuchen, fehlende Importmengen aus Russland durch Importe aus Asien zu kompensieren. Aber in welchem Umfang ist dies möglich und bis wann kommen diese Mengen bei uns an?
  • … wie lange wird der Krieg dauern und wie lange werden die Sanktionen anhalten?

<a href=“http://www.stahl-kompakt.de“>www.stahl-kompakt.de</a>

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