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Eigentlich zu schade für die Tonne

Rohstoff des Monats: Polypropylen
Eigentlich zu schade für die Tonne

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Polypropylen ist härter und beständiger als andere Standardkunststoffe. Deshalb sind stark beanspruchte Produkte wie beispielsweise Mülltonnen aus diesem Thermoplast. Eines haben aber alle Plastikarten gemeinsam: Sie werden immer teurer.

Man kann Preise nennen, wie man will – gebucht wird trotzdem“, zitiert der Branchendienst Kunststoff Information KI einen Marktanbieter. Mit anderen Worten: Der Polypropylen-Markt (PP) ist und bleibt ein massiver Verkäufermarkt mit kräftigen Aufschlägen und regelmäßigen Allokationen. PP-Notierungen übertreffen die bisherigen Höchstmarken von Juni 2015 und markieren aktuell neue Rekordwerte. Das gilt neben den homogenen Polymeren vor allem auch für Compounds, bei denen die Materialeigenschaften durch Polymer-Kombinationen für den jeweiligen Anwendungsfall optimiert werden. Laut Kunststoff Information wird der Markt zumindest mittelfristig eng bleiben, die knappe Versorgungslage wird sich auf absehbare Zeit nicht entschärfen. Ein Ende der Preis-Rallye ist nicht in Sicht.

Insider Informationen

Kunststoff Information begründet die angespannte Marktsituation im April 2021 folgendermaßen: „Trotz hoher Auslastung der Compoundierlinien konnte der Bedarf nicht annähernd gedeckt werden. Beim PP-Basispolymer hatte sich die Angebotslage im Monatsverlauf noch weiter verschlechtert. Mehrere europäische Produktionen stehen geplant oder ungeplant still. Für eine weitere Eskalation sorgte die Force Majeure der größten PP-C-Anlage Europas im belgischen Geel. Laut der KI-Datenbank Polyglobe waren nur 69 Prozent der europäischen PP-Anlagenkapazitäten in Betrieb. Darüber hinaus mangelte es an Importen, zumal der ebenfalls unterversorgte US-Markt auch beträchtliche Mengen zog.“

Ausfälle und Neubauten

Immerhin sind in den USA mehrere Anlagen nach den wetterbedingten Betriebsunterbrechungen im Frühjahr wieder angelaufen. Und auch neue Produktionsanlagen sind geplant: So will die saudi-arabische Advanced Petrochemical Company APC in Al Jubail im Osten Saudi-Arabiens zwei Fabriken mit jährlichen Produktionskapazitäten von jeweils 400.000 Tonnen PP errichten. Weitere Anlagen sind in Pakistan und im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina geplant. Bis diese allerdings produktiv ins Marktgeschehen eingreifen können, werden Jahre vergehen.

Aus Gas wird Kunststoff

2019 wurden weltweit rund 370 Mio. Tonnen Kunststoff hergestellt und weiterverarbeitet. Marktbeobachter erwarten ein weiteres jährliches Wachstum des Marktes von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr. Wachstumstreiber sind vor allem asiatische Länder – in Europa stagniert das Marktvolumen. Mit rund 20 % Anteil ist Polypropylen (nach Polyethylen) der zweitwichtigste industriell genutzte Kunststoff.

Polypropylen wird durch Kettenpolymerisation aus gasförmigem Propen hergestellt. Dabei zählt PP pro Masseneinheit erzeugtem Neukunststoff zu den rohstoffeffizienten Standardkunststoffen. Polypropylen ist geruchlos, hautverträglich und widersteht bei Zimmertemperaturen den meisten Säuren, Laugen, Lösungsmitteln, Alkohol und Wasser. PP ist wie PE brennbar und nicht witterungsbeständig, für den Außeneinsatz ist eine Stabilisierung durch entsprechende Additive erforderlich. Polypropylen ist durch einen hohen Kristallisierungsgrad besonders zäh, widerstandsfähig und ermüdungsbeständig, sodass es auch für stark beanspruchte Flächen und Scharniere eingesetzt wird – beispielsweise für Pkw-Teile oder auch als Verschluss von TicTac-Boxen. Am häufigsten (mit einem Anteil von rund 30 %) wird PP allerdings für Verpackungen eingesetzt – in Form besonders reißfester Folien und Säcke, aber auch als starre Formen wie Behälter und Deckel.

Verarbeitungstechniken

Weitere wichtige Einsatzbereiche sind Industrie- und Haushaltsprodukte sowie Fasern – mehr als ein Drittel aller synthetischen Fasern wird auf Basis von PP hergestellt. Wegen seiner guten Barriere-Eigenschaften wird Polypropylen oft auch für Lebensmittelverpackungen eingesetzt.

Von allen Kunststoffarten besitzt Polypropylen die höchsten Wachstumsraten. Der Stoff wird ständig weiterentwickelt und erobert immer neue Einsatzgebiete: zum Beispiel in Form von Gehäusen für Kleinelektrogeräte, Karosserie- und Formteile für Kraftfahrzeuge oder auch im Bausektor für Rohre und Heißwasserbehälter. Polypropylen-Folien werden meist als Blasfolien durch eine ringförmige Düse hergestellt. Starre Formen entstehen dagegen meist im Spritzguss, die Fasern werden gezogen.

Weg damit

Grundsätzlich kann Polypropylen gut recycelt werden, die erreichten Quoten sind allerdings gering und betrugen 2017 weltweit lediglich ein Prozent. Das ist eine der niedrigsten Recyclingquoten aller gängigen Verbrauchskunststoffe. Dabei lässt sich gebrauchtes PP zumindest theoretisch direkt zu neuen Produkten umschmelzen oder als Recyclat aufbereiten. Allerdings darf PP-Recyclat aus Reinheitsgründen nicht wieder für Lebensmittel verwendet werden. Deshalb werden aus gebrauchten Verpackungen nicht wieder neue, sondern Stoßstangen, Gehäuse oder Parkbänke. Durch dieses Downcycling sind geschlossene Kreisläufe nicht umsetzbar. Deshalb wird Polypropylen meist thermisch verwertet, sprich in Müllanlagen verbrannt.

Michael Grupp, Journalist, Stuttgart


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