Alternative Coachingmethode für Führungskräfte

Führungskräfte trainieren mit Pferden

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Viele herausragende Persönlichkeiten ließen und lassen sich immer noch gerne auf Pferden abbilden. Ein Pferd verleiht dem Reiter Kraft und Stärke – Eigenschaften, die man treffend mit Charisma beschreiben kann. Auch wenn man nicht auf dem Pferd sitzt, gibt ein Pferd immer ein ehrliches Feedback demjenigen, der es führt. Ein Pferd kann man nicht anlügen.

Ein scharfes Kommando, ein Zug am Führstrick – und es tut sich: NICHTS. „Komm!“ Wenn Legato nicht will, dann will er nicht. Der zehnjährige Wallach möchte nicht mitgehen, im Gegenteil, er geht sogar noch einen Schritt zurück. Der Strick ist gespannt und am anderen Ende zerrt ein ziemlich missmutig dreinschauender Juniorchef einer großen deutschen Bank. Hier ist Überzeugungsarbeit gefragt. Doch wie kann man ein widerwilliges Pferd überzeugen? Und was bringt’s im Geschäft?

So oder so ähnlich geht es vielen Führungskräften in ihrer täglichen Arbeit. Oft haben sie in ihrer Laufbahn an unzähligen Seminaren zu Führungsstilen oder -praktiken teilgenommen mit Frontalunterricht und langweiligen Powerpoint-Schlachten. Sie fragen sich, was man von einem Pferd lernen soll, das sie in ihrer beruflichen Praxis auch anwenden können. Häufig hört man, dass sie sich auch nicht gern etwas sagen lassen. Beim pferdegestützten Coaching für Führungskräfte ist das auch nicht gefragt. Hier zählt vor allem die non-verbale Kommunikation: die Körpersprache. Denn ein Pferd kann man nicht „anlügen“, es gibt ein ehrliches Feedback. Das Pferd spiegelt die Gedanken und Gefühle des Gegenübers. Es reagiert auf geringste Veränderungen in seiner unmittelbaren Umgebung, und zwar sofort.

Hat man erst einmal das Vertrauen von Legato erlangt, dann folgt er mühelos, sogar ohne Führstrick. Aber wie erlangt man das Vertrauen eines vollkommen fremden Wesens? Und was hat das mit Mitarbeiterführung zu tun?

Was soll ich hier?

Die meisten, die ein Coaching für Führungskräfte buchen oder von ihren „Chefs“ hingeschickt werden, fühlen sich deplatziert, unwohl und fragen sich: Was soll ich hier? Sie verlassen ihr sicheres Büro, wo sie sich hinter verschlossenen Türen verschanzen können, haben keine Sekretärin mehr, die am Telefon wichtige Termine oder Meetings vorschieben kann, wenn ein unbequemes Gespräch mit einem Mitarbeiter oder Kunden ansteht … und betreten unsicheres Terrain, sie verlassen ihre Komfortzone.

Plötzlich sind sie konfrontiert mit Stallgeruch, fremden Geräuschen und Tieren, die sie bisher nur im Fernsehen oder vielleicht bei einem Spaziergang weit entfernt grasend auf einer Weide gesehen haben. Bestenfalls mit ein wenig Sympathie zu den Vierbeinern, den letzten John-Wayne-Western noch in bester Erinnerung. Oftmals wissen sie noch nicht einmal, wie groß Pferde wirken können, wenn sie direkt neben ihnen stehen. Beim Verlassen der Komfortzone greifen sie auf alte eingefahrene, unbewusste Verhaltensmuster zurück und zeigen so, wie sie wirklich sind und nicht so, wie andere sie sehen sollen.

Jeder Führungsstil hat sein Für und Wider; zu kumpelhaft, dann nimmt einen keiner mehr ernst; zu despotisch, dann macht jeder nur noch unmotiviert Dienst nach Vorschrift; cholerisch, dann ist man unberechenbar. Von anderen Menschen lassen sich gestandene Führungskräfte schlecht sagen, wie sie ihren Führungsstil erkennen und bewusst an dessen Schwächen arbeiten könnten.

„Chefsein“ ist kein Türschild

Pferde jedoch belehren nicht. Sie halten den Managern einen Spiegel vor und zeigen ihnen, an welchen Stellschrauben sie drehen können, um ein „Chef“ zu sein und nicht nur, weil „Chef“ an der Bürotür steht.

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die sich intensiv mit der Wirkungsweise des pferdegestützten Coachings beschäftigt haben. Der Coaching-Prozess wird durch die Einbeziehung des Pferdes beeinflusst. Das Bewusstwerden der eigenen Denkmuster kann bereits Veränderungsprozesse in Gang setzen. Sowohl die gezielte Fragestellung, wie die Übung erlebt wurde (Selbstbild) als auch das Feedback des Coaches (Fremdbild), regen zur Selbstreflexion an.

Menschen können sich verstellen und versuchen, verbal etwas auszudrücken, was so nicht gemeint ist, oder ein unerwünschtes Verhalten wie etwa Angst durch Aktivitäten zu überspielen. Genau auf diese „Ausweichmanöver“ reagieren Pferde hingegen sehr sensibel, auf die Körpersprache. Emotionen werden durch das Verhalten der Tiere gespiegelt, das Einbeziehen dieser Emotionen in den Coaching-Prozess ist unabdingbar, es setzt Veränderungen in Gang. Eine ausführliche Videoanalyse verdeutlicht bei der Interaktion mit dem Pferd dieses unbewusste Verhalten der Führungskräfte. Ganz besonders wichtig ist der Transfer in den Berufsalltag. Es werden Konzepte entwickelt, um neue Perspektiven zu eröffnen. Ohne diesen Transfer ist der ganze Prozess unvollständig.

Der Umgang mit Mitarbeitern und Kunden

Die Kommunikation, ob verbal oder non-verbal, ist der Dreh- und Angelpunkt des Umgangs mit Mitarbeitern oder Kunden. Der Augenblick des Abtastens und Kennenlernens kann den Verlauf eines Gespräches beeinflussen. Ein fester Handschlag und ein offener Blick in die Augen des Gesprächspartners wirken anders als ein leidenschaftsloser Händedruck und ein Ausweichen. Mimik und Gestik sind weitere Kommunikationskanäle. Sympathie oder Antipathie wird in Sekundenbruchteilen entschieden. Das sollte man sich immer bewusst sein. Der erste Eindruck ist ausschlaggebend. Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Das Pferd ist nicht das Allheilmittel für vielfältige Problemstellungen, sondern wird gezielt als Vermittler eingesetzt, um die Wirkung des Coachings zu verstärken.


Die Autorin

Susann Breiter…

ist Gründerin von German Academy for Horse Assisted Coaching in Warnau (Holstein) und Obertshausen (Hessen). Auf der beruflichen Grundlage kaufmännischer Führungsaufgaben von im Rhein- Main-Gebiet ansässigen Unternehmen mit internationalen Ausrichtungen hat sie sich dem Thema Führungskräfte- und Teamcoaching gewidmet – ein immer wichtiger werdendes Thema in der Businesswelt. Im Fokus steht die Aufgabe heutiger Unternehmen, ihre Mitarbeiter durch Einzel- und Teamcoachings in wichtigen Fähigkeiten, wie Zusammenarbeit im Team, Führungsverhalten und Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Damit wird eine Basis für den persönlichen und Unternehmenserfolg geschaffen oder ein nächster Karriereschritt vorbereitet.


Susann Breiter, Horse Assisted Coach, Business Coach, www.horseassistedcoaching.net

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