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Fünf Trends im Supply Chain Management: Faktor Mensch und cloudbasierte Technologien

Faktor Mensch und cloudbasierte Technologien
Fünf Trends im Supply Chain Management

Risikominderung und Leistungsoptimierung liegen in der Supply Chain langfristig im Trend. Bild: tuastockphoto/ stock.adobe.com

Nach zuletzt turbulenten Jahren laufen die globalen Lieferketten immer noch nicht wieder störungsfrei und sicher. In Europa setzt der Anstieg des Online-Handels laut den Supply-Chain-Experten von Zetes nicht nur den Handel, sondern auch die Industrie, die Lager- und Logistikbranche unter Druck: Sie müssen schnell und vollständig liefern und dabei den hohen Erwartungen an Transparenz des Auftragsstatus, Kundenservice und Retouren gerecht werden.

Zu den Ansprüchen von Geschäfts- und Privatkunden gehören inzwischen auch wesentlich mehr Transparenz in der gesamten Supply Chain. Wenn Kunden transparente Einblicke in ihre Aufträge verlangen, müssen alle Beteiligten in der Lieferkette das gleiche Maß an Transparenz bieten, um bei Störungen schnell einzugreifen und neue Wege zur Verbesserung der Prozesse zu finden. Physische und digitale Arbeitsabläufe müssen vollständig synchronisiert werden, so Zetes. Nachfolgend werden fünf aktuelle Supply-Chain-Trends betrachtet.

1. Einsatz von Technologien zur Bewältigung des Fachkräftemangels

Während die Lager expandieren und die Auftragsvolumina weiter steigen, sinkt zugleich das Angebot an Fachkräften. In Europa fehlen schätzungsweise 400.000 Lkw-Fahrer, und die Forschungsstudie „Warehousing Vision Study“ von Zebra Technologies über Strategien zur Modernisierung der Lager zeigte, dass 83 Prozent der Befragten die Anzahl der Beschäftigten erhöhen oder dies bis 2024 vorhaben.

Doch Personal anzuwerben genügt nicht: Die Arbeit im Lager und der Fahrer muss attraktiver werden, um Personal zu motivieren und zu binden. Potenzielle Beschäftigte erwarten eine digitales Arbeitsumfeld, ergonomische Hilfsmittel und Zufriedenheit im Beruf. 2022 sind Technologieinvestionen in die Augmentation von Arbeitskräften der Schlüssel, z. B. in Robotik, kamerabasierte Bildverarbeitungstechnologie, Wearables und elektronische Proof-of-Delivery (ePOD). Dadurch sollen Produktivität, Präzision und Motivation der Arbeitskräfte optimiert werden: von der Kommissionierung über die Beladung bis hin zur letzten Meile und den effizienten Umgang mit Retouren/Beständen.

2. Digitale Transformation

Die jüngsten Ereignisse haben die Anfälligkeit manueller und veralteter Prozesse und blinde Flecken in der Supply Chain offengelegt. Die digitale Transformation sei laut Zetes die einzige Möglichkeit, um Transparenz, Kontrolle und Einblicke in der Wertschöpfungskette zu erreichen. Intelligente, nachhaltige Lieferketten nutzen cloudbasierte Technologien, IoT, KI und Machine Learning, um Prozesse zu automatisieren, Daten auszutauschen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Anstatt Systeme für viel Geld komplett zu überholen, werden sich Unternehmen vertrauenswürdigen Partnern zuwenden, um Prozesse zu überprüfen und eine „Softwareschicht“ einzubauen, die sich in ERP, WMS und TMS integrieren lässt und sich dadurch schneller rentiert, so Zetes. Der Schlüssel zur digitalen Transformation: Groß denken, klein beginnen, schnell skalieren. Das bedeutet, die Vision einer vernetzten, kollaborativen Supply Chain in überschaubaren Schritten umzusetzen. Zuerst sollten die Anstrengungen dort konzentriert werden, wo schnelle Erfolge zu erwarten sind. Sobald sich diese zeigen, kann eine rasche Skalierung auf die nächsten Prioritätsbereiche erfolgen.

3. Der Schlüssel zum Erfolg ist Zusammenarbeit

Der Krieg in der Ukraine, Rohstoff- und Arbeitskräftemangel, überlastete Häfen und Verzögerungen bedrohen nach wie vor die Leistungsfähigkeit der Lieferketten. KMPG berichtet, dass 67 Prozent der CEOs in innovative Prozesse investieren, um der Disruption Einhalt zu gebieten, den Warenfluss kosteneffizient zu steuern und die Risiken zu minimieren. Eine integrierte Supply-Chain-Optimierungsstrategie ist jedoch erfolgsentscheidend – jede Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied. Zusammenarbeit steht daher laut dem Supply-Chain-Spezialisten auf der Agenda 2022 ganz oben.

Dazu sind Investitionen in Technologien, ein Umdenken und eine Neubewertung von Partnerschaften erforderlich. Der Fokus verschiebt sich dabei von einer reinen Kosten- auf eine Wertschöpfungsperspektive. Die Risikominimierung in der Lieferkette durch Zusammenarbeit verbessert das Kapazitätsmanagement, die Prognosen, die Planung und die Transparenz und verringert Verschwendung, Fehler und Verzögerungen. Zusammenarbeit stärkt nicht nur die Geschäftsbeziehungen, sondern auch die Performance. Um alle Beteiligten erfolgreich ins Boot zu holen, sollten daher die „Win-Win“-Vorteile hervorgehoben werden. 

4. Rückverfolgbarkeit für Compliance und Interaktion mit Verbrauchern

Regulierungsbehörden und Verbraucher fordern zunehmend Herkunftsnachweise für Produkte bzw. Rohmaterialien, Echtheitsnachweise und die Einhaltung von Richtlinien. Rückverfolgbarkeit (Transparenz in beiden Richtungen auf dem gesamten Weg vom Ursprung bis zum Endverbraucher) entsteht durch Digitalisierung und harmonisierte Daten. Während die Rückverfolgbarkeit für einige Wirtschaftszweige wie die Tabak- und die Lebensmittel- und Getränkeindustrie unerlässlich ist, profitieren alle Beteiligten der Lieferkette davon. Sie unterstützt die Hersteller bei der Qualitätskontrolle (inkl. Fälschungsschutz), senkt Kosten, ermöglicht eine bessere Interaktion mit den Verbrauchern und die Just-in-Time-Produktion.

Die Verbraucher sind zum Teil bereit, 2 bis 10 Prozent mehr für Produkte von Unternehmen zu bezahlen, die mehr Transparenz in der Lieferkette bieten [Harvard Business Review: What Supply Chain Transparency Really Means (2019)]. Investitionen in Datenerfassungstechnologien wie IoT-Sensoren, Scanner und Kameras sind der Schlüssel zu optimaler Rückverfolgbarkeit.

5. Automatisierung und erweiterte Analysen

Automatisierung fördert stabile, agile Lieferketten. Die Studie von Zebra Technologies ergab jedoch außerdem, dass 73 Prozent der Entscheider der Ansicht sind, dass die optimale Balance in der Logistik auch menschliche Leistung einschließt. Ein wichtiger Trend wird darin bestehen, die menschlichen Fähigkeiten zu erweitern, anstatt sie zu ersetzen. Ein Zusammenspiel von Automatisierungstechnologien (z. B. Roboter zusammen mit sprachgesteuerter Kommissioniertechnologie) ermöglicht es den Arbeitskräften, sich auf wertschöpfende Aufgaben zu konzentrieren.

Hinzu kommt, dass bei der Automatisierung der Supply Chain-Prozesse riesige Datenmengen generiert werden. Diese ermöglichen ein einheitliches Netzwerk, End-to-End Transparenz, die Zusammenarbeit von Spediteuren sowie Rückverfolgbarkeit. Durch die Einbeziehung von künstlicher Intelligenz für prädiktive Analysen und Machine Learning lassen sich Entscheidungen schneller treffen, und die Stabilität, Agilität und Innovationskraft werden gestärkt. Letztere ist die Grundlage für kontinuierliche Verbesserungen.

Zusammenfassung

Risikominderung und Leistungsoptimierung liegen in der Lieferkette langfristig im Trend. Der Fokus liegt heute auf dem menschlichen Faktor und skalierbaren cloudbasierten Technologien, um Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Zusammenarbeit zu ermöglichen. Letztere schließt auch die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ein (Augmentation). Dreh- und Angelpunkt der stabilen, vernetzten Supply Chain sind harmonisierte Daten, die durch Digitalisierung erhoben und gebündelt und zunehmend durch KI erweitert werden. (ys)

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