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Rohstoff des Monats: Aluminium
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Zur industriellen Gewinnung von Aluminium eignet sich aus technischen Gründen nur Bauxit. Dessen Förderung führt zu großflächigen Brachen. Bild: Alexey Rezvykh/stock.adobe.com
Aluminium ist mit acht Volumenprozent das häufigste Metall in der Erdkruste. Allerdings ist die Herstellung von reinem Aluminium aufwendig und nicht gerade umweltfreundlich. Der Industriemetall-Preis übersprang kürzlich die 3000-Dollar-Marke. Eine Markt-Entspannung ist kaum vorherzusehen.

Michael Grupp, Journalist, Stuttgart

Das silbrig-weiße Leichtmetall ist in seiner Reinform extrem reaktiv und liegt deshalb ausschließlich gebunden vor – überwiegend in Form unterschiedlicher Silicate. Zur industriellen Gewinnung von reinem Aluminium eignet sich aus technischen Gründen nur Bauxit, das zu ungefähr 60 % aus Aluminiumhydroxid besteht. Die bedeutendsten Vorkommen befinden sich im namensgebenden französischen Les Baux, vor allem aber in Brasilien, China, Australien und Guinea. Die größten Aluminiumhütten befinden sich dagegen in Regionen mit niedrigen Energiepreisen: zum Beispiel in China, Kanada, Australien oder in den Arabischen Emiraten. In Deutschland gibt es nur noch einen Hersteller, die Aluminiumoxidwerke Stade (AOS) bei Hamburg. Dort werden jährlich etwa eine Million Tonnen Aluminiumoxid erzeugt.

Die weltweite Raffinerieproduktion verharrt seit 2017 bei aktuell rund 65 Mio. Tonnen jährlich. Aus Recycling-Kreisläufen kommen laut Berechnungen des International Aluminium Institute (IAI) nochmals ungefähr 20 Mio. Tonnen jährlich dazu. Der Preis für Rohaluminium bewegte sich bis 2020 mäßig volatil in einem Korridor zwischen 1500 und 2500 US-Dollar pro Tonne. Hauptursache für die verhaltene Preisentwicklung war unter anderem ein chinesisches Überangebot auf Basis subventionierter Preise. Donald Trump hat mit Schutzzöllen dagegengehalten – eine Politik, die Biden unverändert fortsetzt. Auch die EU hat im April 2021 nach fehlgeschlagenen Verhandlungen über den Abbau von staatlich geförderten Überkapazitäten Strafzölle verhängt. So gelten für Exporte seit April 2021 Aufschläge zwischen 19 % und 47 % auf flachgewalzte Aluminiumprodukte.

Die Marktmacher

Seit Mitte 2020 hat sich der Aluminiumpreis – wie auch bei den meisten anderen Rohstoffen von Antimon bis Zink – deutlich erhöht. Er liegt derzeit in Nähe des Allzeithochs aus dem Jahre 2007 bei rund 3000 US-Dollar. Für diesen Anstieg gibt es mehrere Gründe. Zum einen die gestiegene Nachfrage nach den coronabedingten Rückgängen, zum anderen aber auch aktuelle politische Ereignisse. So hat Mitte September 2021 ein Militärputsch in Guinea die Furcht der Marktteilnehmer vor einem Angebotsengpass verschärft – das Land ist eines der weltweit wichtigsten Bauxit-Förderländer. Darüber hinaus hat China offensichtlich seine Kapazitäten gedrosselt. Marktbeobachter führen dies nicht nur auf die Schutzzölle zurück, sondern auch auf eine politisch gewollte Eindämmung der Umweltverschmutzung sowie eine Reduktion des landesweiten Energieverbrauchs. Die Werkstofftechnik unterscheidet zwischen Rein-Aluminium (ab 99,0 % Reinheit), Reinst-Aluminium (ab 99,7 %) sowie zahlreichen Aluminiumlegierungen. Diese machen Aluminium im Vergleich zu Stahl dreimal leichter und verleihen ihm gleichzeitig besondere Festigkeit, Dehnbarkeit und Stärke sowie jeweils spezifische Widerstandskräfte. Das Metall besitzt eine ausgezeichnete elektrische Leitfähigkeit und ist amagnetisch. Aluminium kann schon bei 660 °C gegossen und leicht bei Zimmertemperatur bearbeitet werden. Lediglich Schweißen ist nicht ganz einfach, da reines Aluminium bei Luftkontakt sofort eine schützende Oxidschicht bildet, die einen dreimal höheren Schmelzpunkt besitzt als das Metall selbst. Leicht, stark und korrosionsfest: Das macht Aluminium zum Werkstoff der Wahl für viele Einsatzbereiche; allen voran in der Bauindustrie sowie im Flugzeug- und Fahrzeugbau, aber auch in der Elektrotechnik und nicht zuletzt im Verpackungswesen.

Die Schattenseiten des Glanzes

Der Abbau der Aluminiumerze findet überwiegend im Tagebau statt. Ein großer Teil der weltweiten Vorkommen liegen aber unter Regenwäldern, die zugunsten der Förderung abgeholzt werden. Die weitere Verarbeitung erfordert den Einsatz ätzender Natronlauge – diese löst die Aluminiumoxide aus dem Gestein. Zurück bleibt Rotschlamm, eine mit Schwermetallen belastete Lauge, die zuweilen einfach in den nächsten Fluss geleitet wird. Das durch Schmelzelektrolyse gewonnene Primäraluminium erfordert pro Tonne 15 Megawattstunden Strom. Recycling ist wesentlich energieeffizienter: Dabei werden nur 0,75 Megawattstunden verbraucht. Allerdings existiert eine Vielzahl von Legierungen, die meist nicht sortenrein gesammelt werden. Werden diese miteinander verschmolzen, ist das entstehende Sekundär-Aluminium von minderwertiger Qualität. Immerhin sind 75 % des jemals produzierten Aluminiums noch im Umlauf.

Glänzende Perspektiven für Hersteller

In den ersten sieben Monaten 2021 ist laut IAI die weltweite Produktion um 7 % gestiegen. Der führende US-Anbieter Alcoa erwartet einen weiteren Anstieg der Nachfrage, vor allem aus den Branchen Hochspannungsnetze, Infrastruktur, Verpackung, Maschinenbau sowie Fahr- und Flugzeugindustrie. Die hohe Nachfrage lebt von der anziehenden Konjunktur, aber auch von Sorgen vor einem knapper werdenden Angebot. Dazu kommen die von der EU geplanten CO2-Importsteuern. Damit werden sich die Preise zumindest mittelfristig auf einem hohen Niveau halten.


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