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Käfer, China und Corona

Rohstoff des Monats: Holz
Käfer, China und Corona

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Der deutsche Holzhandel erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von knapp 13 Mrd. Euro. Holzmangel belastet derzeit die Baubranche. Bild: sculpies/stock.adobe.com
Der Holzmarkt ist aktuell von Widersprüchlichkeiten gekennzeichnet: eine hohe Nachfrage aufgrund steigender Exporte, volatile Handelspreise bei stagnierenden Erzeugererlösen sowie ein politisch verordnetes Einschlagverbot zur Unzeit.

Der Chartverlauf erinnert an den Bitcoin: Die international aufgerufenen Holzpreise dümpelten jahrelang um die 250-Euro-Marke, springen im Mai 2021 schlagartig auf 1300 Euro, nur um dann innerhalb weniger Wochen wieder auf derzeit rund 560 Euro (Stand: 2.8.2021) zu fallen. Die Forstwirtschaft spürt davon nichts: Die Erzeugerpreise sind in den letzten vier Jahren um rund 30 Prozent gefallen und verharren auf niedrigem Niveau. Den Gewinn machen andere.

Daran ist unter anderem der Borkenkäfer schuld: Er hat seit 2018 große Schäden angerichtet, befallene Bäume mussten umgehend geschlagen werden. Sogenanntes „Kalamitätsholz“ kann ohne Einschränkungen an seine Tragfähigkeit als Bauholz verwendet werden – wird aber mit Preisabschlägen von rund 20 Prozent gehandelt. Im Jahr 2020 wurden rund 80 Mio. Kubikmeter Rohholz aus den deutschen Wäldern geholt – so viel wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. 87 Prozent davon waren schnell wachsende Nadelbäume, der Rest trug Laub.

Gut gemeint

Um eine drohende Übersättigung des Marktes zu verhindern, hat der Gesetzgeber Anfang 2021 beschlossen, den Fichteneinschlag auf 85 Prozent des langjährigen Durchschnitts zu begrenzen. Die Beschränkung gilt noch bis Ende September 2021. Die Maßnahme kam allerdings zu spät. „Der Staat hat zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt eingegriffen“, stellt Leonhard Nossol fest, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Rohholz AGR. Das Nachsehen haben die Waldbauern, die damit nicht von der inzwischen stark gestiegenen Nachfrage profitieren können. Aber nicht nur Waldbesitzer gehören derzeit zu den Verlierern am Holzmarkt – auch die Bauindustrie und das holzverarbeitende Gewerbe leiden. Die Auftragsbücher sind voll, die Holzlager dagegen gähnend leer. Monatelange Lieferzeiten sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Die Abnehmer kaufen, was sie kriegen – davon profitieren aber allein die Zwischenhändler sowie Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerke. Die Umsätze dieser Branche erreichten im Jahr 2020 einen Rekordwert von 6,5 Milliarden Euro. Damit arbeitet sie an der Kapazitätsgrenze.

Ein natürlicher Baustoff

Woher kommt die große Nachfrage? Holz ist ein international gehandelter Rohstoff wie Kupfer oder Kobalt. Deutschland verfügt über die größten Holzvorräte in Europa und steht deshalb im Fokus internationaler Händler. 2020 wurden in Deutschland 25 Millionen Kubikmeter Nadelschnittholz produziert, davon gingen mehr als zehn Millionen in den Export. Hauptabnehmer waren die USA mit zwei Millionen Kubikmetern – doppelt so viel wie 2018. Treiber für die amerikanische Nachfrage ist der aktuelle Bauboom in den USA, welcher durch Subventionsprogramme zur Überwindung der Corona-Krise befeuert wird. Eigentlich besitzen die USA genügend eigene Holzvorräte – ganz abgesehen vom waldreichen Nachbarland Kanada. Allerdings wurden dort in den letzten Jahren mehrere große US-Sägewerke geschlossen. Gleichzeitig gelten für kanadisches Holz hohe Zölle – ein Relikt aus der Trump-Ära.

In Deutschland treffen amerikanische Käufer zunehmend auf chinesische Wettbewerber, mit einer Million Kubikmeter Nadelschnittholz (in Form von Brettern und Balken) inzwischen der zweitwichtigste internationale Kunde hiesiger Holzhändler. Beim Nadelrundholz (ungesägte Baumstämme) verdreifachten die Chinesen in den letzten Jahren ihre Käufe auf knapp zehn Millionen Kubikmeter.

Auf Holz gebaut

Ungefähr 40 Prozent des in Deutschland produzierten Holzes werden im Bausektor genutzt. Wirklich ökologisch ist Holz dabei aber nur, wenn es in der Nähe seines Wachstums Verwendung findet. Für den Export muss das Holz vorab begast und dann über längere Strecken transportiert werden. Beides verschlechtert den ökologischen Fußabdruck.

Zehn Millionen Kubikmeter Holz (13 % der Gesamternte) werden in der Zellstoff- und Papierindustrie verwendet. Mit einem Umsatz von rund 13 Mrd. Euro und insgesamt 40.000 Mitarbeitern ist Deutschland der größte Papierproduzent Europas. Gleichzeitig erreichen wir die europaweit höchste Recyclingquote: 85 Prozent des Zellstoffs finden den Weg zurück in die Papierfabriken.

Feuer und Flamme

Zunehmend wird Holz auch thermisch verwertet. Die dabei eingesetzten Pellets bestehen zu rund 70 Prozent aus industriell anfallenden Holzresten. Dazu kommen schwachwüchsiges Waldholz, Gebrauchtholz sowie sogenanntes Landschaftspflegematerial – Pflanzenschnitt und kleine Stämme. In Summe sind dies in Deutschland insgesamt 130 Mio. Kubikmeter im Jahr. In den Niederlanden, in Dänemark oder in Großbritannien ersetzen Holzpellets inzwischen sogar Kohle in Kraftwerken. Das wirkt sich vordergründig positiv auf die CO2-Bilanz dieser Länder aus, denn die Pellets gelten als klimafreundlich. Nach Wissenschaftlern der Europäischen Akademie der Wissenschaften ist das aber eher Etikettenschwindel. Denn natürlich entweicht beim Verbrennen das beim Pflanzenwachstum gespeicherte CO2 (so wie bei Kohle) und wird erst im Laufe der nächsten 30 Jahre wieder in einem neuen Baumstamm gebunden. Ganz zu schweigen vom anfallenden Feinstaub.

Die Prognose

Für die Waldbauern bleibt die Lage mittelfristig schwierig: Selbst wenn das Einschlagverbot frühzeitig fallen sollte, die holzverarbeitende Industrie kann nicht mehr Stämme abnehmen als heute schon. Das macht die Preisverhandlungen für den Bauern schwierig. Auf dem Weltmarkt werden die Preise aber weiter steigen – gemeinsam mit den meisten anderen industriell genutzten Rohstoffen. Dafür wird die internationale Nachfrage sorgen.

Der Autor: Michael Grupp, Journalist, Stuttgart


Holz im Wandel

Schäden und Chancen des Rohstoffs Holz,
Broschüre zum Download

www.ag-rohholz.de

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