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Hinter den Kulissen: Beschaffung von Mund- und Nasenschutz – Projekt Maske bei Bierbaum-Proenen gut angelaufen

Hinter den Kulissen: Beschaffung von Mund- und Nasenschutz
Projekt Maske in Köln gut angelaufen

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Eigentlich stellt das Unternehmen Bierbaum-Proenen Berufskleidung her. Doch die Pandemie änderte das Leben, und plötzlich brauchten alle Masken. Die Kölner erklären, wie man kurzfristig ein neues Produkt herstellt.

Von unserer Redakteurin Sanja Döttling

Kaum einer außerhalb des Gesundheitswesens hatte vor ein paar Monaten Interesse an Masken, dann schaffte die Maskenpflicht von heute auf morgen eine hohe Nachfrage – eine so hohe Nachfrage, dass viele Firmen ihre Produktpalette erweiterten.

Doch wie schafft man es, inmitten einer globalen Krise in Rekordzeit ein neues Produkt auf den Markt zu bringen? Das Unternehmen Bierbaum-Proenen (BP) hat sich im neuen Marktsegment der Mehrwegmasken behauptet.

BP ist Spezialist für Berufsbekleidung. Natürlich ging die Pandemie nicht unbemerkt am Unternehmen vorbei.

Fabian Kusch, Leiter Einkauf/Nachhaltigkeit bei BP, sagt: „Die weltweiten Lockdowns sind ein Einschnitt in die Supply Chain gewesen, den man erst mal händeln muss.“

Zusätzlich musste sich der Einkaufsleiter mit einer geänderten Nachfrage auseinandersetzen. „Die Nachfrage aus dem medizinischen Bereich schoss in die Höhe“, erklärt er, „während die Bestellungen aus anderen Bereichen zurückgegangen sind.“

Wichtig war Kusch, dass sie keine ihrer Aufträge stornieren mussten. „Wir haben alle unsere Zugeständnisse durchgezogen“, sagt der Einkaufsleiter, „Vor allem im Fashion-Sektor wurde viel storniert, und das traf natürlich unsere Zulieferer in Asien hart.“

BP produzierte die ersten Masken ‚made in Germany‘

Als Konfektionär bietet BP zwar Bekleidung an, aber vor der Pandemie waren Masken kein Teil des Sortiments. Doch dann rief die Stadt Köln und der WDR bei dem in der Region bekannten Unternehmen an und fragten, ob BP ihnen die Masken verkaufen kann.

Kusch erzählt: „Daraufhin haben wir innerhalb von zwei Tagen Muster angefertigt und ein Angebot an die Stadt und den WDR geschickt.“ Vom Anruf bis zur Auslieferung der Community-Masken dauerte es keine vier Wochen.

Die ersten Masken, die das Unternehmen daraufhin im Schnelldurchlauf anfertigte, wurden direkt am Standort in Köln produziert – wahres „Made in Germany“.

„Wir haben hier ein Dutzend Näherinnen, die eigentlich Muster- und Einzelstücke anfertigen“, sagt Kusch. In Zuge der Umstellung haben die Näherinnen dann für ein paar Wochen Masken in Serie gefertigt – dabei kam eine Näherin auf 100 Masken pro Tag.

Eine beachtliche Leistung, aber „das reichte bei Weitem nicht“, so Kusch. Die Anfragen stapelten sich, gingen in den sechsstelligen Bereich. Die anfangs enormen Preise sanken dagegen. Kusch sagt: „Deshalb konnten wir nicht mehr in Deutschland produzieren, weil die Arbeitskosten zu teuer gewesen wären.“

BP wusste, dass sie ihre Zulieferer mit ins Boot holen musste. Und hier hatte der Markt es nun doch einmal wie von Zauberhand gerichtet, wie Kusch erklärt: „Dadurch, dass unsere Produktionspartner Aufträge verloren hatten, konnten wir bei ihnen auf zusätzliche Kapazitäten zurückgreifen.“

Inzwischen werden die Masken hauptsächlich in der Türkei produziert, bei einem Unternehmen, mit dem BP schon länger zusammenarbeitet. Dabei werden alle Stücke unter den Richtlinien der Fair Wear Foundation angefertigt. So kann das Unternehmen nun bis zu 100.000 Masken am Tag anfertigen – zumindest theoretisch.

Denn praktisch liegen die Masken dann in der Türkei, und müssen irgendwie nach Deutschland kommen. „In den letzten zwei Monaten war Transportplatz nicht einfach zu bekommen. Deshalb haben wir viele Masken per Flugzeug anstatt mit dem Lkw importiert“, so Kusch, und weiter: „Reell produzieren wir circa 55.000 Masken am Tag.“ Verkauft werden die Masken mit technischen Händlern, über Textil-Leasing-Unternehmen und über den eigenen Online-Shop.

Kusch und Bierbaum-Proenen setzten auf Mehrweg-Masken

Viele Betriebe versuchen laut Kusch, ihre Nachfrage mit Einwegmasken zu decken. Kusch kritisiert an dieser Wahl vor allem das Müllproblem, das unweigerlich entstehen wird. „Deswegen setzen wir auf Mehrwegmasken“, so Kusch.

In der ersten Masken-Generation entwarf Carla Cacitti, Marketing Officer, mit ihrem Entwicklungs-Team drei verschiedene Modelle. Es musste schnell gehen. „Dann haben wir uns mit Ergonomie beschäftigt und neue Materialien aufgenommen“, so Cacitti.

So besteht ein Modell aus einem offenen Piqué-Gewirke und Jersey-Stoff (Produktname: „Piqué“). Ein weiteres Modell namens „Ergo Light“ ist aus leichten Baumwollgewebe hergestellt. Die dritte Variante mit dem Namen „Viro“ hat eine Silber-Ionen-Schicht verbaut, die antimikrobiell wirkt und Bakterien und Viren langsam abbauen kann.

Alle Materalien sind nach Öko-Tex-Standard zertifiziert, um allergische Reaktionen zu vermeiden. Nun strebt BP die Zertifizierung der Community-Masken nach EN 14683 (MNS) an.

Alle Masken aus dem Hause BP sind in der Industriewäsche bei 95 Grad waschbar, aber auch bei der Hauswäsche und 60 Grad sollten Viren und Bakterien bei Zugabe von Waschmitteln abgetötet werden.

Die Mexit-Strategie: Bierbaum-Proenens Exit-Szenario

Die Nachfrage nach Masken hat sich inzwischen weitestgehend normalisiert. „Wir haben nun einen Lagerbestand aufgebaut, um unser Lieferversprechen einhalten zu können“, so Kusch.

BP hat schon über ein „Exit-Szenario“ aus den Masken nachgedacht. Kusch erklärt: „Wir haben mit dem Produktionsbetrieb klar vereinbart, dass es sich bei den Masken nur um Zusatzkapazitäten handelt. Das heißt, der Partner fährt die normalen Produktionskapazitäten für unsere anderen Produkte weiter. Ein Exit-Szenario ist also nicht kompliziert; vielmehr handelt es sich bei den Masken um einen einmaligen, längeren Zusatzauftrag.“

Standards und Normen: Maskenarten im Überblick

Community-Maske: Diese Maske ist oft selbst gemacht oder wird von Anbietern so angeboten. Eine Zertifizierung liegt hier nicht vor.

Medizinische Gesichtsmasken (MNS): Dient dem Schutz anderer, da der Tröpfchenauswurf des Trägers reduziert wird. Sie sind nach DIN EN 14683 und CE zertifiziert. Dabei unterscheidet man Typ I und Typ II (letzterer ist leistungsfähiger). Die Typen liegen jeweils mit dem Zusatz „R“ vor, der höheren Schutz gegen Flüssigkeit bietet.

Filtrierende Halbmasken (FFP): Gelten als persönliche Schutzausrüstung (PSA). Sie schützen den Träger Aerosolen und werden nach DIN EN 149 und CE zertifiziert. Die Masken haben die Typen FFP1, FFP2 und FFP3. Zur Behandlung von Corona-Patienten tragen Ärzte FFP2- oder FFP3-Masken.

Diese Hinweise basieren auf Informationen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).


Kontakt zu Bierbaum-Proenen

Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG
Domstraße 55-73
50668 Köln
Tel.: +49 221 1656 0
E-Mail: info@bp-online.com
Website: www.bp-online.com/de

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