Meinung

Was tun gegen den Plastikmüll?

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Dr. Robert Fieten über die Vermeidung von Plastikmüll
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Neben den CO2-Emissionen ist der rasant zunehmende Plastikmüll ein zentrales Umweltthema. Vollmundige Ankündigungen der Politik sowie Beschwichtigungen aus Industrie und Handel haben Hochkonjunktur. Dennoch passiert zu wenig, außer dass die Plastikmüllberge wachsen und dass die Ozeane und damit ganze Ökosysteme immer mehr mit Mikroplastik, das in unsere Nahrungskette eingeht, belastet werden. In Deutschland fallen jährlich rund sechs Millionen Tonnen an Plastikabfällen an; EU-weit sind es 25 Millionen Tonnen. Nach Angaben der EU-Kommission werden nur rund 30 Prozent des Mülls wiederverwertet – der Rest wird verbrannt oder auf Müllhalden in Asien und Westafrika exportiert.

Dieser unhaltbare Zustand ist endlich erkannt worden. Der Wunderwerkstoff der Moderne, ohne den fast nichts mehr geht, steht am Pranger. Dennoch: Ein schwindender Kunststoffverbrauch ist nicht absehbar. Die Nachfrage wird in den kommenden Jahren noch einmal rasant ansteigen, erwarten die Branchenexperten von IHS Markit. 2017 wurden weltweit 185 Mio. Tonnen Kunststoffe in allen Produktklassen eingekauft. Im Jahr 2030 könnten es bereits annähernd 400 Mio. Tonnen sein – so die Prognose.

Getrieben wird diese Nachfrage einerseits von den bevölkerungsreichen Ländern in Asien. Andererseits bilden Kunststoffe die Basis für globale Megatrends wie die E-Mobilität. Elektrofahrzeuge müssen leicht sein, um genug Reichweite zu erzielen. Immer mehr Stahl wird in den Autos durch Leichtbau-Kunststoff ersetzt.

Was ist zu tun? Auf der einen Seite muss die Plastikflut gestoppt werden. Dies ist eine Pflicht für uns alle als Konsumenten, aber auch für die Einkäufer insbesondere von Verpackungsmaterialien. Chancen für einen sparsamen Umgang mit Plastik gibt es tagtäglich zuhauf. Auf der anderen Seite bedarf es eines besseren Plastikrecyclings und einer deutlich erhöhten Wiederverwendung. Dies ist eine technische Aufgabe. Kunststoffmüll ist ein wertvoller Rohstoff, der wiederverwertet gehört. Weltweit muss die Wegwerf- zur Kreislaufwirtschaft mutieren. Es geht darum, gebrauchte Kunststoffe nicht zu verbrennen, sondern mit möglichst energieeffizienten Methoden wieder in petrochemische Rohstoffe umzuwandeln.

Die Politik muss diese Strategien forcieren mit einer klugen Mischung aus gesetzlichen Einschränkungen und Verboten sowie Anreizen für freiwillige Maßnahmen. In diesen Kontext gehört in Deutschland auch die Reform des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das den Einsatz von recyceltem Material verstärken soll.

Immerhin: 2021 werden in der EU Einwegprodukte aus Kunststoff untersagt, wenn sie auch aus anderen Materialien hergestellt werden können. Trinkhalme sind dann ebenso obsolet wie Besteck und Teller aus Plastik. Die EU-Kommission schreibt zudem vor, dass ab 2025 rund zehn Millionen Tonnen recycelte Kunststoffe verwendet werden müssen. Ab 2030 soll jedes Verpackungsmaterial zu 100 Prozent wiederverwertbar sein.

Für die Einkäufer gilt es, rechtzeitig neue nachhaltige Lösungen wertanalytisch zusammen mit den Technikern und Lieferanten zu finden, und dabei in Life-Cycle-Kosten zu denken. Handeln Sie, bevor Sie behandelt werden – mit Einschränkungen und Verboten!


Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der Beschaffung aktuell

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