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Studie: Wie die Medizintechnik Lieferengpässen begegnet

Studie beleuchtet Wege aus der Lieferkettenkrise
Wie die Medizintechnik Lieferengpässen begegnet

Medizintechnik: Equipment in einem OP-Saal
Neben den Lieferkettenschwierigkeiten stellt auch die europäische Medizinprodukteverordnung MDR eine Innovationsbremse dar. Bild: romaset/stock.adobe.com

Die anhaltenden Lieferkettenprobleme gehören auch bei den deutschen Medizintechnikherstellern zum Alltag. In einer Untersuchung der Unternehmensberatung H&Z in Kooperation mit Spectaris, dem Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik, berichten mehr als drei Viertel der Teilnehmer von stark gestörten Lieferketten, verbunden mit deutlichen Kostensteigerungen sowie Versorgungsproblemen, insbesondere bei Elektronikkomponenten. Einkäufer und Ingenieure werden benötigt,

Um alternative Komponenten und Lieferanten zu finden sowie Produktdesigns zu verändern, da benötigte Bauteile nicht verfügbar sind, braucht es wichtige Impulse aus Einkauf, Konstruktion und Entwicklung. Der Bedarf an schneller Nachentwicklung steigt massiv an. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und Verzögerungen bei der Einführung von Neuprodukten zu vermeiden, setzen Medizintechnikhersteller der Untersuchung zufolge auf bewährte Maßnahmen, gehen aber auch neue Wege.

„Zwei Bälle gleichzeitig in der Luft halten zu müssen, Produkte neu entwickeln und gleichzeitig Bestandsprodukte optimieren und pflegen, kann Entwicklungsabteilungen und damit Innovationen ausbremsen. Die Konzentration auf Kernprodukte, die Einführung agiler Entwicklungsmethoden, Outsourcing oder die Etablierung dedizierter Teams zur Umsetzung von Produktpflege sowie Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen, genannt Corrective and Preventive Action (CAPA), können helfen, diesen Bremsklotz zu lösen und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu steigern“, rät Hans-Martin Lauer, Prinzipal bei H&Z. Auch müsse die derzeitige Art der Organisation und Steuerung von Lieferketten überdacht werden.

Zusammenarbeit von Einkauf, Vertrieb und Produktion

Der Report zeigt, dass Konzepte wie Demand Planning und Sales and Operations Planning (S&OP) weitere Lösungsansätze sein können. Diese Prozesse erfordern häufig eine deutliche Anpassung der Steuergrößen und Steigerung der Planungsqualität und können nur durch eine systematischere Synchronisation von Einkauf, Produktion und Vertrieb erreicht werden.

Auch die Stellhebel in der organisatorischen Resilienz, dem sogenannten Resilience Framework, sollten genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise das Lieferanten- und Vertrags-Risikomanagement sowie das Produktlebenszyklus-Management (PLM), wo gerade bei langwierigen Produktentwicklungen stärker auf Bauteilrisiken geschaut werden sollte. Mit der wachsenden Bedeutung von Daten wird auch die Entkopplung von Hard- und Software immer wichtiger: Beides muss technisch zusammenpassen, aber nicht zwangsläufig gemeinsam entwickelt werden.

„EU-Verordnung extrem innovationshemmend“

Neben den Lieferkettenschwierigkeiten stellt die neue europäische Medizinprodukteverordnung MDR (Medical Device Regulation) eine weitere Innovationsbremse dar. „Nicht nur diese Untersuchung, auch unsere gemeinsame Umfrage mit dem DIHK und dem Branchencluster Medical Mountains im vergangenen Winter kam zu dem Ergebnis, dass die MDR extrem innovationshemmend ist, nicht zuletzt, weil sich der (Re-)Zertifizierungsprozess auf jetzt durchschnittlich eineinhalb Jahre verlängert hat. Die Zulassung von Medizinprodukten dauert viel zu lange, die Konformitätsbewertungsverfahren sind massiv teurer geworden “, erläutert Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik bei Spectaris. „Wir freuen uns darüber, dass die Politik den durch die MDR geschaffenen, nicht zweckmäßigen Bürokratismus zunehmend erkennt und über einen verlässlichen Rechtsrahmen nachdenkt, der fördert und nicht blockiert. Aber die Zeit des Zögerns ist vorbei, jetzt muss schnell etwas passieren“, betont Leonhard. (ys)

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