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Zukunft für ein Lebenswerk

Interview mit Dr. Jacek Drozak
Zukunft für ein Lebenswerk

Dr. Jacek Drozak wird zukünftig bei PwC Deutschland den Bereich Einkaufsconsulting leiten.
Dr. Jacek Drozak wird zukünftig bei PwC Deutschland den Bereich Einkaufsconsulting leiten. Bild: Drozak Consulting
Drozak Consulting ist als Einkaufsberatung bekannt und erfolgreich. Anfang August überraschte die Meldung, dass die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland das Team von Drozak Consulting übernehmen wird. Im Gespräch verriet der Gründer Dr. Jacek Drozak die Hintergründe des Deals und welche Aufgaben er zukünftig übernehmen wird.

Beschaffung aktuell: Mit der Meldung über die Übernahme Ihres Unternehmens durch die Beratungsgesellschaft PwC Deutschland haben sie die Einkäufercommunity ganz schön überrascht! Können Sie uns kurz skizzieren, wie es zu diesem Coup kam?

Dr. Jacek Drozak: Wir wurden gezielt angesprochen, nachdem man uns aus vielen Gründen als ideale Ergänzung identifiziert hatte, um die Entwicklung der Einkaufsberatung im Bereich Operations bei PwC maximal zu beschleunigen.

Da wir seit 25 Jahren aktiv sind und auf eine breite Kundenlandschaft stolz sein dürfen, war uns nach dem sogenannten „Signing“ besonders wichtig, dass wir möglichst schnell viele unserer Kunden über den Zusammenschluss mit PwC informieren. Ich möchte mich deshalb auch bei Ihnen für die Möglichkeit dieses Interviews bedanken, da auch dies uns sehr hilft, um noch mehr von unseren Kunden mit transparenten Antworten zu erreichen.

Jetzt bin ich neugierig: Welche Gründe waren es konkret, die PwC auf Sie aufmerksam machte?

Drozak: Erstens, wir sind eine sogenannte Boutique-Beratung mit einem klaren Image und einer hohen Glaubwürdigkeit bei unseren Kunden. Zweitens, unsere Kompetenz – unser Business Modell basiert von Anfang an darauf, den Kunden eine Beratung durch Experten anzubieten. Drittens, aufgrund der jahrzehntelangen Beratungsaktivitäten verfügen wir über einen beeindruckenden Track record in vielen Industrien. Viertens, wir verfügen nicht nur über eine breite Kundenlandschaft, sondern über ein für eine relativ kleine Beratung spektakulär großes CPO- und Einkaufsleiter-Kontaktnetzwerk. Besser als manche unserer größeren Wettbewerber.

Bei so vielen Erfolgsfaktoren, warum haben Sie dann nicht weiter gemacht?

Drozak: Auf die Frage habe ich gewartet. [Er lacht] Die Business-Entwicklungsgeschwindigkeit verändert sich aktuell exponenziell. Kleine Einkaufsberatungen werden es in der Zukunft schwer haben, ihre Kunden auf den immer wichtiger werdenden Gebieten der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit im notwendigen Umfang zu unterstützen. Das ist für große Unternehmen durch vorhandenes Wagniskapital, aber auch bereits vorhandene Produkte und Fachexperten aus unterschiedlichsten Cross-Funktionen deutlich einfacher. Man sagt bei PwC: „Wir haben in unserer Welt immer jemanden, der bezüglich einer vorhandenen Anfrage dieses schon mal gemacht hat.“ Das hat mir imponiert, denn wir haben uns bisher strategisch selbstredend auf ein überschaubares Gebiet konzentrieren müssen, um unseren Kunden den maximalen Nutzen anbieten zu können. In der Zukunft wird dieses Gebiet viel größer werden, wenn die Kompetenzen von PwC und uns verbunden werden, um die Themen der CPOs von heute und morgen beantworten zu können. Nämlich Drozak-Einkaufskompetenz ausgebaut mit der Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Einkauf, Technology und AI-Systems wie Ariba, Coupa, Ivalua, Sustainability und die Umsetzung des Lieferkettengesetztes sowie globaler Einkaufs-Footprints in jedem Land von Europa aber auch Asiens und Amerikas werden benötigt. So viel zum Inhalt.

Nun die emotionale Seite. Bei vielen Konzern-Ausschreibungen sind wir als kleinster Bieter aufgetreten. Aber kämpferisch und mit einem großen Herzen. Jedes Mal immer diese grenzenlose Team-Motivation. Diese Einstellung unserer Mitarbeiter macht mich sehr stolz. Ich erinnere mich häufig an die Zeit von Jürgen Klopp beim BVB – er sprach „… vom ständigen Willen, immer zu gewinnen“. Auch wir haben immer den Anspruch, die Goliaths „auf unserem Grundstück“ im Einkauf zu besiegen. Und es gelang uns sehr häufig. Der Preis dafür war nicht gering, denn die Vorteile einer Boutique-Beratung reichen dafür manchmal nicht aus. In solchen Fällen mussten wir ein völlig neues und kreatives Konzept entwickeln. Und es war auch die Frage, wie mutig und wie wenig konservativ dieser Kunde ist. Deshalb freue ich mich auf die Auseinandersetzung mit den Goliaths auf Augenhöhe mit den neuen Kundenvorteilen aus der PwC-Welt. Darauf brennt das gesamte Drozak-Team, denn den Größennachteil haben wir bei manchen Ausschreibungsentscheidungen schon gespürt.

Noch etwas möchte ich unterstreichen: Wir haben eine großartige Chance, unsere Entwicklung mit einem Partner fortzusetzen, zu dem wir kulturell viel besser passen als man es sich vorstellen kann.

Was meinen Sie damit?

Drozak: Die Eigentümer von Drozak Consulting – Kai Dresch, Michael Thon und ich – wir sind echte Unternehmer. Wer dabei glaubt, wir würden jedoch bei PwC darin sehr stark „beschnitten“, der irrt. PwC ist zwar ein großes Unternehmen, aber mit vielen unternehmerisch agierenden High Performance-Clustern, die in ein globales Netzwerk integriert werden. Wir werden im Bereich Operations, den Stefan Schrauf leitet, das erfolgreiche Einkaufscluster verstärken und den CPOs ein Full-Service-Offering zur Verfügung stellen. Weiterhin passen unsere Kulturen zueinander, beginnend bei einer „Open Door Policy“ vom Praktikanten bis zum CEO und reicht bis zum respekt- und verantwortungsvollen Miteinander.

Ich hoffe, Sie werden Ihren Enthusiasmus in der Zukunft auch leben können … Es entsteht aber trotzdem der Eindruck, dass da wieder ein Großer ein kleines Unternehmen „frisst“. Fühlen Sie sich geschluckt und was sind Ihre Aufgaben in der neuen Funktion?

Drozak: Wir werden mit der Einkaufsberatung von PwC fusionieren, um noch erfolgreicher zu sein. Ich bin dem PwC-Management sehr dankbar für das Vertrauen, die Verantwortung für diese Mannschaft übernehmen zu dürfen. Können Sie sich vorstellen, was es für ein Kick für mich ist? Ich liebe diese Herausforderung, brenne förmlich aufs Neue! Übrigens, so geht es uns allen – in beiden Einkaufsberatungen. Denn wir sollen und wollen schnell wachsen, weil in der Win-win-Konstellation unglaubliche Synergieeffekte erschlossen werden. Wir verbinden synergetisch unterschiedliche Kundenlandschaften, Methodenspektren, Mitarbeiterstrukturen sowie einen unterschiedlichen Marktauftritt. Um dieses Wachstum zu realisieren, brauchen wir noch mehr Talente, Experten und die Kandidaten, die in der Zukunft den Unterschied ausmachen werden.

Sie machen auch den Unterschied aus, zumindest behaupten das viele CPOs. Wie haben Sie sich dieses Standing geschaffen?

Drozak: Die CPOs sind das absolute Epizentrum der Einkäufercommunity. Da jeder von ihnen eine beeindruckende Persönlichkeit ist, haben sie meine Entwicklung maßgeblich geprägt und ich kann mich an beinahe jedes Gespräch erinnern. Dafür bin ich sehr dankbar. In diesen Diskussionen habe ich wiederum von meiner Seite immer Klartext gesprochen und als Unternehmer aus deren Sicht gedacht. Außerdem wissen sie, dass ich sie nie enttäuschen würde.

Zurück zu den Anfängen von Drozak Consulting vor über 20 Jahren. Was hat Sie dazu bewogen, eine eigene Unternehmensberatung zu gründen? Und was würden Sie Kollegen raten?

Drozak: Zur ersten Frage: Ehrlich gesagt, war ich nur zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle und habe die Chance genutzt, die sich geboten hat. Die größte Herausforderung seitdem lag allerdings darin, unsere Kunden 25 Jahre lang ständig mit neuen Ideen zu unterstützen und für die Zusammenarbeit mit uns zu begeistern. Dies ist ähnlich zum professionellen Fußball: Dort wird auch heutzutage mit viel mehr Tempo und anderen Spielzügen als noch in den 1990er-Jahren gespielt.

Zur zweiten Frage: Den Gründern empfehle ich zwar auf dem Gebiet zu starten, wo sie sich am besten auskennen, um die Risiken zu minimieren. Aber nach der Startphase als Gründer den Abstand aufzubauen, weil man selbst gelernt hat, ständig mit Kompromissen und Risikominimierung zu leben. Auch, wenn man es nicht zugibt.

Der Sport scheint Ihnen persönlich sehr wichtig zu sein?

Drozak: Sport und Wettbewerb. Dafür lebe und arbeite ich. Mehr als Antrieb brauche ich persönlich nicht. Nein, stimmt nicht, eins habe ich vergessen: die ständige Unterstützung meiner Frau.

Es gibt einige Kollegen, die sich ebenfalls mit Einkaufsconsulting selbständig gemacht haben. Aber nicht so erfolgreich sind wie Sie. Haben Sie Tipps?

Drozak: Bleibt authentisch, habt die maximale Deckung zwischen Fremd- und Eigenbild und die höchsten Anforderungen an euch selbst. Deshalb hängt in meinem Büro eine Granittafel mit dem eingravierten Spruch „Suche den Schmerz“.

Das Gespräch führte Sabine Schulz-Rohde, Beschaffung aktuell.


Dr. Jacek Drozak

… ist Gründer und CEO von Drozak Consulting, einer auf den Einkauf spezialisierten Unternehmensberatung. Drozak ist in Breslau geboren, hat in Hannover studiert, in Dortmund promoviert und wurde 1991 mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird an Nachwuchswissenschaftler in Anerkennung für herausragende Leistungen verliehen.

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