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Stahlpreisentwicklung im Dezember 2021

Stahlpreisentwicklung im Dezember 2021
Was passiert, wenn die Lieferketten wieder funktionieren?

Aktuell ist die Versorgungslage am Stahlmarkt noch weit von den guten Bedingungen der Jahre 2019 und früher entfernt. Immer noch sind die Preise bei vielen Sorten sehr hoch und die Beschaffung bleibt problematisch. Allerdings hat sich die Lage zumindest gegenüber der Situation Mitte des Jahres 2021 schon wieder spürbar entspannt.

Der Stahlmarkt war schon deutlich kritischer als heute. Man erkennt aber auch Anzeichen, die vermuten lassen könnten, dass 2022 erneut eine Unterversorgung bevorsteht.

Bauindustrie – die Pipeline ist voll

In der Bauindustrie verzeichnen wir seit mehreren Monaten Rekordwerte an Baugenehmigungen (Quelle: Destatis), die sogar sehr deutlich über dem Vor-Corona-Niveau liegen. Auch wenn der Dezember-Wert zum aktuellen Zeitpunkt (Stand: 31.01.2022) noch aussteht, werden wir 2021 in Summe ziemlich sicher einen absoluten Jahresrekord erreichen. Es steckt also auch für die kommenden Monate extrem viel in der „Pipeline“. Da Baugenehmigungen jedoch noch keine Bauaufträge sind, schauen wir ergänzend auf die Auftragserteilung: Der Destatis-Index für den Auftragseingang hat zunächst bei Weitem nicht in dem Maße angezogen, wie es die enorme Anzahl der Baugenehmigungen vermuten ließe. Aufgrund deren Rekordwerten hätte man eigentlich schon früher und kontinuierlich höhere Werte auch im Auftragseingang erwartet. Es ist daher anzunehmen, dass sich ein „Backlog“ aufgebaut hat (sprich: Bauherren halten trotz Genehmigungen ihre Aufträge vorerst zurück). Ein Grund hierfür könnte in der Versorgungslage und der ungünstigen Preisentwicklung der verschiedenen Lieferketten, wie etwa der Holzbeschaffung, liegen.

Die Lage der Bauindustrie ist insgesamt also bereits auf einem guten Niveau. Es könnte sich hier aber aus der erläuterten Situation heraus noch ein zusätzlicher, ganz erheblicher Anstieg ergeben. Dieser würde dann natürlich die entsprechenden Stahlsorten betreffen und dort erneut zur Verknappung und dementsprechend Preisanstiegen führen.

Verarbeitendes Gewerbe – historischer Backlog bildet sich

Eine ähnliche Situation finden wir derzeit im verarbeitenden Gewerbe. Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im November 2021 gegenüber Oktober 2021 saison- und kalenderbereinigt um 3,7 % gestiegen. Kumuliert stellen wir kontinuierlich steigende Auftragsbestände fest. Diese befinden sich derzeit auf einem nie da gewesenen Höchststand.

Schauen wir uns hier die Umsatzentwicklung an, um zu vergleichen, inwieweit die Aufträge auch zu echter Nachfrage am Stahlmarkt führen, zeigt sich ein ähnliches Bild wie in der Bauindustrie. Die Umsätze verharren auf durchschnittlichem Niveau. Es scheint sich auch hier ein „Backlog“ zu bilden. Insofern besteht auch aus diesem Sektor die Möglichkeit eines deutlichen Anstiegs der Stahlbedarfe, sobald man in der Lage sein wird, die Versorgungsprobleme in den übrigen Lieferketten in den Griff zu bekommen.

Fazit: Sicher vorhersagen lässt sich am Stahlmarkt langfristig nichts. Dazu sind die Einflussfaktoren zu komplex und unberechenbar. Aktuell sehen wir jedoch auf der Nachfrageseite deutlich mehr Steigerungspotenzial als auf der Angebotsseite. Für das zweite Halbjahr 2022 wird z. B. prognostiziert, dass sich die Halbleiter-Versorgung wieder bessert. Hieraus könnte sich im Laufe dieses Jahres wieder eine stärkere Stahlnachfrage und somit eine erneute Verknappung ergeben.

Wir rechnen nicht mit einer plötzlichen Entladung und einem „Anfrage-Tsunami“. Da sich die verschiedenen Lieferketten (Holz, Halbleiter usw.) nicht alle plötzlich und gleichzeitig wieder erholen werden, wird auch die Nachfrage nach Stahl eher schrittweise anziehen. Es ist dennoch zu befürchten, dass die Angebotsseite hierbei nicht hinterherkommt und die Lage wieder ähnlich wie im letzten Sommer wird.


 
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