Stahlpreisentwicklung aktuell – eine Analyse

Auswirkungen der EU-Safeguard-Maßnahmen auf den Stahlpreis

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Die Stahlindustrie in Deutschland und Europa brauche dringend einen wirksamen Schutz vor den Umleitungseffekten des US-amerikanischen Protektionismus, fordert Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der WV Stahl. Seit Juli 2018 sind Schutzklauselmaßnahmen im Stahlbereich in Kraft, sie wurden allerdings jetzt schon wieder gelockert. Aber was haben diese Safeguard-Maßnahmen der Europäischen Union bislang tatsächlich auf dem Markt bewirkt?

Laut den aktuellen Import- und Exportdaten für den europäischen Stahlmarkt (vom 2.8.2019, Daten bis Mai 2019, Quelle: Eurofer) erkennen wir im Mai 2019 einen starken Einbruch der Importe. Eine vergleichbare Entwicklung ließ sich bereits gegen Ende 2018 beobachten. Diese wurde dann aber recht schnell wieder umgekehrt und die Importmengen stiegen bis April 2019 wieder deutlich an. Wie nachhaltig der Einbruch dieses Mal ist, muss daher erst einmal abgewartet werden. Wenn man sich den Import-Graphen insgesamt anschaut, scheint zumindest ein leichter Abwärtstrend der Importmengen erkennbar. Da die Safeguard-Maßnahmen durch eine weitere Erhöhung der Quoten um 5 % ab dem 1.7.2019 wieder ein wenig gelockert wurden, ist es in jedem Fall ratsam, die Entwicklung der Stahlmengen im Markt weiter zu beobachten.

Die Exportmengen sind hingegen relativ konstant mit aktuell sogar leicht steigender Tendenz. Die Mengen 2019 liegen leicht über den ersten fünf Monaten des Jahres 2018. Das sich daraus ergebende Bild für die Entwicklung des Importüberschusses und damit der zur europäischen Produktion im Markt befindlichen Mengen zeigt, dass der Importüberschuss im Bereich Jahre 2016 und 2017 liegt, sprich: auf dem gleichen Niveau wie vor Beginn der internationalen Handelsbarrieren durch den US-Präsidenten Donald Trump.

Deutschland hat seine Produktionsmengen zwar heruntergefahren. Auf europäischer Ebene ist diese Entwicklung allerdings nicht zu erkennen. Die hier vorliegenden Werte zeigen bis Juni 2019 eine konstante Produktionsmenge (Quelle: www.worldsteel.org).

Was bedeuten dies Zahlen insgesamt?

Aber wie in vielen Märkten, so werden auch am Stahlmarkt die Preise u. a. durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. In Europa bestand die Angst, dass aufgrund der Zollveränderungen in anderen Regionen des Weltmarktes Mengen zu uns umgeleitet werden. In einigen Bereich war eine entsprechende Entwicklung auch bereits zu erkennen. Mit den Safeguard-Maßnahmen sollte die erwartete „Stahlschwemme“ eingedämmt werden, um die einheimischen Hersteller vor dem daraus resultierenden Preisverfall bzw. den damit mutmaßlich einhergehenden Umsatzrückgängen zu schützen. Ein wesentliches Ziel war es also, die Angebotsmenge zu begrenzen. Betrachtet man die Entwicklung der Angebotsmengen – sie ist konstant geblieben – ist dies wohl auch gelungen. Zumindest lässt sich seit Anfang 2018 kein Anstieg aufzeigen. Im Gegenteil, es ist sogar ein leichter Abwärtstrend zu erkennen und der Importüberschuss ist auf einem vergleichbaren Niveau, wie vor Beginn der Trump-Ära.

Aus Sicht der Stahlindustrie reicht es jedoch leider nicht aus, ausschließlich auf die Angebotsseite zu schauen. Hier hat man zwar relativ erfolgreich die „Stahlschwemme“ verhindert, allerdings geht es auf der anderen Seite – der Nachfrageseite – recht deutlich bergab. Hierauf sind wir in der Juni-Ausgabe von Beschaffung aktuell („Sinkende Nachfrage bringt Vorteile für Einkäufer“) ausführlicher eingegangen. Die damals beschriebenen Entwicklungen schreiten auch heute weiter fort. Wir erleben neben der Automotivindustrie und im Maschinenbau jetzt auch in der Bauindustrie erste Anzeichen einer Abkühlung. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage öffnet sich also weiter zu Ungunsten der Stahlhersteller, wie auch ein aktueller Blick auf die Aktien-News zeigt:

„Was die Meinungen der Aktienanalysten zu der ArcelorMittal-Aktie anbetrifft, hat Alan Spence, Aktienanalyst von Jefferies, in einer Branchenstudie vom 16.7.2019 das „buy“-Votum bestätigt, das Kursziel aber von 30,00 auf 24,00 Euro gesenkt. Hohe Eisenerzpreise und die enttäuschende Stahlnachfrage würden weiter die Margen belasten, so der Analyst.“

(Quelle: www.aktiencheck.de)

„Die Umsatzerlöse sanken um rund 100 Millionen auf 1,68 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Ebitda) ging auf 51 Millionen Euro zurück, wie KlöCo am Mittwoch mitteilte … Dabei belasteten eine rückläufige Nachfrage insbesondere aus dem Maschinenbau und der Autoindustrie. Das Konzernergebnis ging um 5 Millionen auf 28 Millionen Euro zurück. Köckner & Co hatte Anfang vergangener Woche wegen des schwachen Geschäfts bereits seine Jahresziele kassiert.“

(Quelle: www.de.reuters.com)

Mehr zum Thema „Stahl und Stahlbeschaffung“, insbesondere auch zu den aktuellen Stahlpreisentwicklungen, finden Sie auf www.stahl-kompakt.de.


Ein allgemeiner Preisverfall und hohe Abschreibungen haben dem weltgrößten Stahlhersteller ArcelorMittal im zweiten Quartal überraschend rote Zahlen eingebrockt.“

Quelle: www.finanzen.net


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