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Werkzeugbau in Südostasien

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Die Branche Werkzeugbau in Südostasien

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In den vergangenen Jahren wurden von der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH die Potenziale des internationalen Werkzeugeinkaufs analysiert. Vorgestellt wurden in diesem Rahmen bereits die Chancen des Einkaufs bei chinesischen, nordamerikanischen und türkischen Werkzeugbaubetrieben sowie der Werkzeugbaumarkt in Osteuropa. Auf der Basis der Studie „World of Tooling“ wird nun das Potenzial der Branche Werkzeugbau in Südostasien aufgezeigt.

Die Region Südostasien erstreckt sich östlich von Indien sowie südlich von China und umfasst die elf Länder Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Osttimor, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Weltweit ist Südostasien eine der Regionen, die sich zurzeit am dynamischsten entwickelt. Die indonesische Hauptstadt Jakarta ist schon heute mit 31 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropolregion der Welt. Auch wirtschaftlich befindet sich die Region Südostasien mit mehr als 650 Millionen Menschen im Aufschwung. Seit der Jahrtausendwende wächst das Bruttoinlandsprodukt der Volkswirtschaften zumeist mit Raten von über fünf Prozent. So konstant wachsen kaum weitere Volkswirtschaften auf der Welt.

Im Rahmen der Studie „World of Tooling“ wurden von der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH die 21 für den Werkzeugbau wichtigsten Länder bewertet. In diesem Zusammenhang wurden für die Region Südostasiens die Länder Indonesien und Vietnam vorgestellt. Im Folgenden werden neben diesen beiden Ländern auch Malaysia und Thailand für den südostasiatischen Werkzeugbaumarkt vorgestellt, da sie über die größte wirtschaftliche Relevanz im Betrachtungskontext in der Region verfügen und die produzierenden Industrien jeweils einen nennenswerten lokalen Werkzeugbaumarkt entstehen lassen haben. Zunächst wird dazu die Wirtschaftslage und Industrie der vier Länder kurz vorgestellt. Anschließend werden wichtige Kennzahlen der Branche Werkzeugbau erläutert, in Verbindung mit der aktuellen Wirtschaftslage analysiert und eine Zukunftsprognose gegeben.

Wirtschaftslage und Industrie

Indonesien ist mit einem BIP von 1016 Mrd. USD im Jahr 2017 weltweit die sechszehntgrößte Volkswirtschaft. Das BIP pro Kopf liegt allerdings mit etwa 3876 USD nur auf Platz 26 von 47 der asiatischen Volkswirtschaften. In den letzten drei Jahren wies die Wirtschaft des Landes ein konstant starkes Wachstum von mehr als 4,9 % auf. Die Industrie Indonesiens trägt dabei zu 39,4 % zur Bruttowertschöpfung des Landes bei. Die Arbeitslosenquote lag 2017 bei nur 4,3 %.

Thailand belegt mit einem BIP von 455 Mrd. USD weltweit den 26. Platz unter den Volkswirtschaften im Jahr 2017. Das Pro-Kopf-Einkommen von 6591 USD liegt deutlich über dem von Indonesien. Die Wachstumszahlen Thailands fielen mit 2,9 % in 2015 und 3,9 % in 2017 hingegen geringer aus. Der sekundäre Wirtschaftssektor hat einen Anteil von 36,2 % an der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. Bei sehr geringen 1,1 % lag die Arbeitslosenquote 2017.

Malaysia belegte im Jahr 2017 mit 314 Mrd. USD weltweit den 38. Platz gemessen am BIP. Mit 9755 USD weist Malaysia das größte Einkommen pro Kopf der vier betrachteten Länder auf. Auch die Wachstumszahlen der malaysischen Wirtschaft der vergangenen Jahre wiesen mit bis zu 5,7 % auf ein hohes Potenzial der Wirtschaft hin. Der sekundäre Sektor trägt zu 37,6 % zum BIP bei. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,4 %.

Vietnam liegt mit einem BIP von 220 Mrd. USD im Jahr 2017 weltweit auf Platz 46 der Volkswirtschaften. Das BIP pro Kopf fällt mit 2353 USD niedrig aus. Auch in Vietnam konnte in den letzten drei Jahren ein starkes Wirtschaftswachstum mit mehr als 6,0 % verzeichnet werden. Der sekundäre Wirtschaftssektor trägt mit 33 % zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. 2017 lag die Arbeitslosenquote bei geringen 2,1 %.

Zusammenfassend verdeutlichen die BIP-Wachstumsraten im Jahr 2017 zwischen 3,9 % (Thailand) und 6,8 % (Vietnam) das wirtschaftliche Potenzial, das in der Region Südostasien liegt. Die sich stetig verbessernden Bildungsbedingungen und geringen Arbeitslöhne sind sehr gute Voraussetzungen dafür, dass der wirtschaftliche Aufschwung auch in Zukunft anhalten wird. Das sind auch für die lokale Branche Werkzeugbau gute Voraussetzungen, sich organisatorisch und technologisch weiterzuentwickeln.

Die Branche Werkzeugbau

Gemessen am Handelsvolumen hat die Branche Werkzeugbau in Südostasien zunächst eine untergeordnete Rolle. In den Ländern Indonesien (2018), Thailand (2018), Malaysia (2018) und Vietnam (2017) liegt das Handelsvolumen mit Werkzeugen zwischen 277 Mio. USD (Indonesien) und 783 Mio. USD (Thailand), wobei der Importanteil zwischen 75 % (Malaysia) und 89 % (Indonesien) variiert. Den größten Anteil an den importierten Werkzeugen haben Spritzgießwerkzeuge mit über 80 %. Mit großem Abstand folgen Blech- und Massivumformwerkzeuge mit maximal 15 %. Der Anteil der Druckgusswerkzeuge im Import liegt bei maximal 5 %.

In den letzten zwei Jahren ist das Handelsvolumen mit Werkzeugen in diesen Ländern durchschnittlich um 5 % gewachsen. Während sich das Handelsvolumen bei Indonesien um 9 % reduziert hat, stieg es bei Vietnam und Thailand um mehr als 5 % sowie bei Malaysia sogar um 13 %. Diese Zahlen sind ein Indikator für den fortdauernden Aufschwung der Branche Werkzeugbau in dieser Region, auch wenn der sehr hohe Importanteil von mehr als 75 % ein eindeutiger Beleg dafür ist, dass die Kompetenzen im Werkzeugbau technologisch noch auf einem geringen Niveau sind.

Die Verteilung der exportierten Werkzeuge ähnelt stark der Verteilung der importierten Werkzeuge. Die Spritzgießwerkzeuge dominieren auch hier mit einem Anteil von 56 % (Indonesien) bis zu 78 % (Thailand und Malaysia). Der Anteil der Blech- und Massivumformwerkzeuge variiert je nach Land zwischen 13 % (Thailand) und 34 % (Vietnam). Druckgusswerkzeuge haben mit einem Anteil zwischen 2 % und 12 % einen verschwindend geringen Anteil.

Im Vergleich zum Jahr 2016 ist auch das Exportvolumen an Werkzeugen durchschnittlich um 5 % gewachsen. Während Malaysia einen Rückgang von 6 % verzeichnete und Indonesien und Thailand lediglich um 4 % wachsen konnten, stieg das Exportvolumen bei Vietnam um 29 % auf über 74 Mio. USD. Das Beispiel Vietnam verdeutlicht eindrücklich, wie die Branche Werkzeugbau von einer wachsenden produzierenden Industrie (BIP-Wachstumsrate 6,8 %) profitiert.

Mit Blick auf die Zukunft wird die geografische Lage in der Peripherie Chinas bei niedrigeren Lohnkosten und sehr guter Seeanbindung zu allen Kontinenten das Wachstum in den vorgestellten Ländern weiter begünstigen. Die Entwicklungsvoraussetzungen für die Branche Werkzeugbau sind folglich ausgesprochen gut. Auch wenn zurzeit die Werkzeugbaukompetenz niedrig und der Werkzeugmarkt noch klein sind, sind alle Voraussetzungen erfüllt, dass die Länder Südostasiens in Zukunft weiter große Fortschritte in diesen Bereichen machen werden.

Quellen:

WOT 2018, Statistisches Bundesamt, Statista, OECD, Comtrade, Auswärtiges Amt, Weltbank


Partner des Werkzeugbaus

WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH

… beschäftigt sich mit der Bewertung von Werkzeugbaubetrieben und Märkten. Eine einzigartige, ständig wachsende und sich erneuernde Datenbank mit mehr als 1000 Benchmarkingdatensätzen deutscher Werkzeugbaubetriebe sowie mehr als 3000 bewerteten internationalen Werkzeugbaubetrieben ist die Grundlage für fundierte Aussagen zur Leistungsfähigkeit und dem Entwicklungspotenzial von Werkzeugbaumärkten. Hinzu kommen zahlreiche Bereisungen unterschiedlicher Märkte in Asien, Nord- und Südamerika sowie Süd- und Osteuropa, welche die zahlenbasierten Eindrücke bestätigen.


Die Autoren:

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Boos,
MBA, Geschäftsführender Gesellschafter

Christoph Kelzenberg, M.Sc. Leiter Industrieberatung

Johan de Lange, M.Sc. Berater

Bernd Haase, M.Sc. Berater

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