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Einkaufsmanagerindex EMI rutscht erstmals wieder unter die 50-Punkte-Marke

Einkaufsmanagerindex EMI im Juli 2022
EMI rutscht unter die 50-Punkte-Marke

Der EMI liegt erstmals seit über zwei Jahren wieder unter der Referenzlinie von 50,0. Bild: Shutter2U/stock.adobe.com

Der S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) ist im Juli zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren wieder in den negativen Bereich abgesackt. Im Berichtsmonat notierte der Konjunktur-Frühindikator bei 49,3 Punkten. Damit gab er binnen vier Wochen nicht nur um fast drei Punkte nach, sondern lag auch erstmals seit Juni 2020 wieder unter der Referenzlinie von 50,0.

Hauptgrund für die negative Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe ist das größte Minus beim Auftragseingang seit Mai 2020. Laut Umfrageteilnehmern gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die die Nachfrage bremsen. Die Palette reicht von zunehmender Unsicherheit und einem damit verbundenen Rückgang der Investitionen über explodierende Preise und zu hohen Lagerbeständen bei den Kunden bis hin zu anhaltenden Störungen in den Lieferketten.

„Das Abrutschen des EMI unter die psychologisch wichtige Referenzlinie von 50 Punkten hat sich bereits in den vergangenen Monaten angedeutet“, betont Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). So sei der deutsche PMI seit Jahresbeginn – von einer leichten Aufwärtsphase im Mai einmal abgesehen – kontinuierlich gesunken. Ob dieser Negativtrend anhalte, werde unter anderem vom Ausmaß der in den kommenden Monaten zu erwartenden Versorgungsengpässe bei Erdgas abhängen.

Die EMI-Teilindizes im Überblick

Produktion: Den jüngsten Daten zufolge ist die Produktion im Juli zum dritten Mal in vier Monaten geschrumpft. Mehr noch, das Minus fiel so deutlich aus wie seit Mai 2020 nicht mehr. Zahlreiche Hersteller machten dafür erneut die weitverbreitete Materialknappheit verantwortlich; zunehmend mache sich auch die schleppende Nachfrage negativ bemerkbar. In allen drei Teilbereichen der Industrie wurden Rückgänge verzeichnet, angeführt vom Vorleistungsgüterbereich.

Auftragseingang: Die Anzahl der Neuaufträge ging zu Beginn des dritten Quartals abermals stärker zurück als im Vormonat. So notierte der saisonbereinigte Teilindex nicht nur den vierten Monat hintereinander unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, sondern fiel auch auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Vor allem die zunehmende Unsicherheit in Verbindung mit weniger Investitionen sowie hohe Lagerbestände bei den Kunden, die starke Inflation und schließlich die anhaltenden Probleme in den Lieferketten waren laut Befragten alles Faktoren, die die Nachfrage schmälern.

Auftragseingang Export: Die Export-Neuaufträge schrumpften so kräftig wie seit knapp über zwei Jahren nicht mehr, wenngleich weniger stark als die Gesamt-Auftragseingänge. Etwa 28 Prozent der Umfrageteilnehmer meldeten ein Minus, was in vielen Fällen der geringeren Nachfrage aus China und Europa sowie den negativen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs zugeschrieben wurde.

Geschäftsaussichten: Die Stimmung in der deutschen Industrie hat sich im Juli weiter eingetrübt. Angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Gasversorgung, der hohen Preise (insbesondere für Energie), der nachlassenden Investitionsbereitschaft, der andauernden Lieferengpässe sowie einer eventuell einsetzenden Rezession, bewerteten die Hersteller ihre Aussichten für die Produktion binnen Jahresfrist noch pessimistischer. Der entsprechende Teilindex gab erneut nach und sank auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. 

Beschäftigung: Lichtblick unter den Umfrageergebnissen war erneut die Beschäftigung. Obwohl sich die Steigerungsrate minimal auf ein 4-Monatstief abschwächte, blieb sie im historischen Vergleich kräftig; denn nach wie vor sind viele Unternehmen bemüht, ihre offenen Stellen zu besetzen. Das größte Plus wurde dabei im Investitionsgüterbereich verzeichnet.

Einkaufspreise: Obwohl sich die Inflationsrate der Einkaufspreise immer noch auf historisch hohem Niveau bewegt, setzte sich der langsame Abwärtstrend im Juli fort. Demnach fiel die Verteuerung so geringfügig aus wie seit 17 Monaten nicht mehr. Nach wie vor sind die exorbitanten Energiepreise ein wesentlicher Kostentreiber, während die Stahlpreise Berichten zufolge leichtgefallen sind.

Verkaufspreise: Die Verkaufspreise wurden erneut deutlich weniger stark angehoben als zuletzt. Der saisonbereinigte Teilindex gab den dritten Monat in Folge nach und notierte auf dem niedrigsten Stand seit April 2021 (obwohl er immer noch höher war als jemals zuvor in der Umfragegeschichte vor diesem Zeitpunkt). In allen drei Teilbereichen der Industrie wurden schwächere Anstiege registriert.

Stimmen zum EMI im Juli 2022

„Nimmt man die laufenden Konjunkturindikatoren als Maßstab, so schwächt sich die Konjunktur ab, ohne aber bislang einzubrechen. Schaut man hingegen auf die Unsicherheiten und die zurückgehende Gesamtnachfrage, so liegt eine Rezession nahe, die mehr als nur eine technische ist“, sagt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

„Die Geschäftsaussichten sind derzeit düster. Anhaltende Lieferprobleme, hohe Inflationsraten und steigende Energiepreise behindern nach wie vor die Produktion. Auch bei der Nachfrage gerät die deutsche Wirtschaft zunehmend unter Druck, denn bei unseren wichtigsten Handelspartnern China und den USA trübt sich die Konjunktur ebenfalls ein. Die Zeichen stehen auf Stagnation”, so DIHK-Konjunkturexperte Dr. Jupp Zenzen.

Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG: „Neben den noch immer nicht funktionierenden Liefer- und Logistikketten – mittlerweile stört auch das Niedrigwasser die Binnenschifffahrt massiv – gehen die größten Belastungen derzeit von der Entwicklung der Erdgaspreise aus. Russland hat die Erdgasexporte weiter reduziert, was die massive Sorge ausgelöst hat, dass es im Winter zu einer Mangelversorgung mit Erdgas und einer Rationierung kommt. Dies hat an den Börsen die Preise für Erdgas als auch in Folge die Preise für Strom nach oben katapultiert. Da auch bei vielen Metallen die Börsenbestände weiter rückläufig sind, stehen hier im Herbst ebenfalls Preisanhebungen ins Haus. Die Industrie erlebt also derzeit keine entspannten Sommerferien.“ (ys)

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