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Wie sich Chinas Rolle im globalen Supply Chain Management ändern wird

Internationale Lieferketten
Wie sich Chinas Rolle im globalen Supply Chain Management ändern wird

Logistik Lieferketten
Internationale Lieferketten sind durch die Corona-Pandemie aber auch durch den Krieg in der Ukraine stark belastet. Bild: Tavel Mania/stock.adobe.com

Aufgrund der globalen Arbeitsteilung in der Wertschöpfung fällt China eine besondere Rolle zu, die noch aus einer Zeit stammt, in der sich die Vergabepolitik von Firmen in erster Linie am günstigsten Preis für die Produktion orientiert hat. Mittel- und langfristig versuchen Firmen jedoch sich aus dieser Abhängigkeit von China zu lösen. Mit welchen Maßnahmen und Strategien dies gelingen kann, beschäftigt sich der folgende Beitrag. 

Dr. Andreas Baader, Senior Vice President Supply Chain Genpact / Managing Partner Barkawi Management Consultants

Seit gut zwei Jahren ballen sich die Krisen, mit denen sich Firmen konfrontiert sehen: Die Corona-Pandemie mit ihren wiederkehrenden Lockdowns, der Mangel an Halbleitern, die Probleme in der Logistik zu Wasser und zu Lande und zuletzt der Krieg in der Ukraine. Gleichzeitig erfordern der Klimawandel sowie die demografische Entwicklung und das Fehlen von Facharbeitern mit der richtigen Qualifizierung von Firmen grundlegend neue Prozesse und Problemlösungsstrategien.

Es erscheint fast wie ein Wunder, dass Lieferketten in diesen Zeiten überhaupt noch Ketten sind und nicht bloß einzelne Segmente und Bruchstücke.
Aufgrund der globalen Arbeitsteilung in der Wertschöpfung fällt China in der aktuellen Situation eine besondere Rolle zu. Die hervorgehobene Stellung Chinas als Fertigungsstandort stammt aus einer Zeit, in der sich die Vergabepolitik von Firmen in erster Linie am günstigsten Preis orientiert hat. Trotz der großen Herausforderungen, mit denen sich Supply Chain Manager derzeit konfrontiert sehen, werden diese Lieferketten – mit punktuellen Anpassungen – auch in Zukunft Bestand haben.

Unternehmen legen mehr Wert auf Resilienz ihrer Lieferketten

Mittel- und langfristig versuchen Firmen jedoch sich aus dieser Abhängigkeit von China zu lösen. Dies wird beim Blick auf den Aufbau neuer Kapazitäten deutlich. Hier legen Firmen bereits mehr Wert auf die Resilienz ihrer Lieferketten und weniger auf die reinen Kosten.

Der Ausbau der eigenen Lagerhaltung für Rohstoffe oder Vorprodukte ist dabei ein schwacher und mitunter sehr kostspieliger Ansatz, um die Widerstandsfähigkeit der eigenen Lieferkette zu verbessern. Effektiver ist es, bei der Planung seiner Supply Chain darauf zu achten, diese zu verkürzen – indem man beispielsweise die räumliche Nähe zu den Zulieferern und den Absatzmärkten sucht – und den Aspekt der Regionalität stärker zu betonen.

Gutes Supply Chain Management ist wichtiger denn je

Intels neue Halbleiterfertigung in Magdeburg und der Bau der Tesla-Fabrik in Grünheide sind nur zwei Beispiele dafür, dass Firmen ihre Strategien angepasst haben. Zwar spielen bei der Entscheidung für einen Produktionsstandort noch immer zahlreiche andere Kriterien eine wichtige Rolle, Fragen des Supply Chain Managements haben jedoch an Gewicht gewonnen.

Bei Genpact erwarten wir, dass es in Zukunft nicht mehr eine globale Supply Chain für ein Produkt geben wird, sondern mehrere, regionale Supply Chains in räumlicher Nähe zu den wichtigsten Absatzmärkten. Mit Blick auf die Automobilindustrie bedeutet dies beispielsweise, dass wir von einer asiatischen, einer europäischen und einer nordamerikanischen Lieferkette ausgehen.

Solche verkürzten und regionalisierten Lieferketten versprechen nicht nur eine verbesserte Resilienz und weniger Abhängigkeit von einzelnen Fertigungsstandorten. Dadurch, dass sie agiler sind als globale Supply Chains, bei denen Waren über weite Distanzen transportiert werden müssen, eröffnen sie neue Möglichkeiten: Firmen können schneller aus Entwicklungen des Marktes reagieren und Innovationen rascher einführen.

Damit könnten die Zeiten endgültig für alle vorbei sein, in denen der Handel einmal im Jahr Waren in Fernost für die gesamte Saison bestellt. Damit solche differenzierten Lieferketten effizient zentral gemanagt werden können, ist es notwendig diese konsequent zu digitalisieren und alle Parteien und Standorte miteinander zu vernetzen: Nur durch die rechtzeitige Bereitstellung von verlässlichen und konsistenten Informationen für alle Beteiligten des Supply Chain Netzwerks lassen sich Probleme erkennen und Prozesse rationalisieren. Die Technologie, um eine vollständige Transparenz in der Lieferkette herzustellen, kommt – obgleich vorhanden – allerdings noch zu selten zum Einsatz.

Intralogistik-Lösungsanbieter Jungheinrich  als Best-Practice

Eine Erfolgsgeschichte in dieser Hinsicht liefert Jungheinrich aus Hamburg, ein weltweit führender Lösungsanbieter in allen Fragen und Bereichen der Intralogistik. Gemeinsam mit Genpact wurden Prozesse digitalisiert, die Erfassung und Auswertung von Daten ermöglicht und systematisiert sowie die verschiedenen Standorte an die Unternehmens-Cloud angebunden.

Eine konsequent digitalisierte Supply Chain ermöglicht es Firmen außerdem, unterschiedliche Situationen zu simulieren. Zusätzlich erlaubt es eine entsprechende IT-Infrastruktur, sich auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten und diese im Bedarfsfall rasch aktivieren zu können.

Die Digitalisierung der Supply Chain ist nicht die Lösung aller Herausforderungen, mit denen sich Firmen heute und in Zukunft im Bereich der Lieferketten konfrontiert sehen. Aber sie bildet die unverzichtbare Grundlage und liefert die Instrumente, um die notwenigen Veränderungen in der Praxis vorzunehmen, um beispielsweise eine Stabilisierung der Lieferketten zu erreichen.

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