Industrie 4.0: Konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen im digitalen Wandel - Digitalisierung und Vernetzung : Differenz zwischen Erkenntnis und Umsetzung - Beschaffung aktuell

Industrie 4.0: Konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen im digitalen Wandel

Digitalisierung und Vernetzung : Differenz zwischen Erkenntnis und Umsetzung

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Einer Studie zufolge besteht im deutschen Mittelstand großer Nachholbedarf was das Thema Digitalisierung und das Supply Chain Management 4.0 angeht. Consulter geben konkrete Handlungsempfehlungen, um Unternehmen im digitalen Wandel zu unterstützen.

Auf der einen Seite zeichnet die Studie ein sehr positives Zukunftsbild: Die Mehrheit der Industrieunternehmen hat die große Bedeutung, die den Themen Digitalisierung, Vernetzung und Automation im Supply Chain Management (SCM) zukommt, erkannt. Gleichzeitig bringt die Studie die große Lücke zum Vorschein, die zwischen Erkenntnis und Wirklichkeit klafft. Viele Unternehmen hinken in Sachen Digitalisierung weit zurück. Hier besteht Handlungsbedarf, andernfalls ist die Implementierung einer SCM-4.0-Strategie schlichtweg nicht möglich. Eine Studie der TMG Consultants und der Hochschule Coburg belegt, dass die Zeit drängt: Wer die Weichen in Richtung SCM 4.0 jetzt nicht konsequent stellt, wird später keine Gelegenheit mehr haben, zur Konkurrenz aufzuschließen. Damit der Wandel zu Digitalisierung und Vernetzung gelingt, geben die Consulter der TMG konkrete Handlungsempfehlungen.

Herausforderung „Digitalisierung“

Die Digitalisierung und ein Wandel hin zur Industrie 4.0 sind unaufhaltsame Entwicklungen. Das spiegelt sich in den Ergebnissen der Umfrage zur Bedeutung dieser Themen wider. Die Studienteilnehmer unterschiedlich großer Unternehmen und verschiedener Branchen wurden nach der Bedeutung von Industrie 4.0 befragt. Daraus geht hervor, dass die kleinen und mittleren Unternehmen dem Thema Digitalisierung und Vernetzung durchaus offen gegenüberstehen. Auf einer Skala von 1–6 erreicht das Thema bei Großunternehmen und dem großen Mittelstand mit 5,5 und 5,4 schon fast den Maximalwert. Bei den rund 3,6 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland zeigt die Steigerung von 3,9 heute auf 5,0 in fünf Jahren zudem, dass die Unternehmen die Herausforderung erkannt haben, dieser im Moment jedoch eine zu geringe Bedeutung beimessen.

Branchenübergreifend wird die Bedeutung von Industrie 4.0 in den nächsten fünf Jahren mit einem Durchschnittswert von über 5 auf der 6stufigen Antwortskala zwar als sehr hoch eingeschätzt, im Moment lässt sich jedoch noch eine große Differenz zwischen den Branchen erkennen. Die Bedeutung reicht von 3,4 in der Prozessindustrie (Chemie, Energie, Papier) bis zu 4,7 Punkten bei Logistikunternehmen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in der Logistikbranche bereits jetzt mit ersten Digitalisierungs-Maßnahmen konkrete Vorteile erzielt werden können.

Die Hälfte hinkt hinterher

Die Studie der TMG Consultants zeigt auf, dass es dem Großteil der Unternehmen bereits an den digitalen Grundlagen fehlt. Sowohl im Bereich Automatisierung und Vernetzung der internen Wertschöpfungskette, als auch im elektronischen Datenaustausch mit Partnern und der Cloud-basierten Zusammenarbeit weisen sie Defizite auf. Den Studienteilnehmern wurden vier verschiedene Antwortmöglichkeiten vorgegeben, anhand dieser sie den Vernetzungsgrad ihres Unternehmens einordnen sollten. Vor allem der Automatisierungsgrad der Produktion sowie IT-seitig vernetzte und standardisierte interne Wertschöpfungsprozesse gelten heutzutage gemeinhin als Stand der Technik und sollten in den meisten Unternehmen bereits realisiert sein. Ein hoher Automatisierungsgrad in der Produktion ist technisch betrachtet inzwischen kein Hexenwerk mehr – gleiches gilt für die Standardisierung der internen Wertschöpfungsprozesse und deren Vernetzung.

In der Umsetzung hat allerdings nur jedes 2. der befragten Unternehmen einen hohen Automatisierungsgrad sowie vernetzte, standardisierte Wertschöpfungsprozesse erreicht.

Ein gleiches Bild zeigt sich beim elektronischen Datenaustausch mit Partnern. Knapp die Hälfte der Unternehmen (44,8 %) gab an, diesen Vernetzungsgrad noch nicht oder nur unzureichend erreicht zu haben – mit Ausnahme der Logistikbranche und Automobilindustrie. Bei Unternehmen aus dieser Branche lag die Zustimmung auf der sechsstufigen Antwortskala mit insgesamt 4,3 und 4,2 deutlich über dem Durchschnitt (3,0). Cloud-basierte Kooperationsplattformen spielen hingegen bei der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen noch keine große Rolle – nicht einmal jedes vierte Unternehmen konnte die Frage, ob Produktionsinformationen über cloud-basierte Kooperationsplattformen ausgetauscht werden, bejahen.

Supply Chain Management mit Schlüsselrolle

Dem Supply Chain Management kommt in der digitalisierten und vernetzten Industrie-Welt eine entscheidende Rolle zu – ohne SCM 4.0 gibt es keine Industrie 4.0. Dabei lassen sich die konkreten Nutzenerwartungen der Unternehmen in zwei Kategorien unterteilen: Den kundenbezogenen Nutzen, von dem sich die Unternehmen eine Umsatzsteigerung und eine Verbesserung ihrer Ertragssituation erwarten sowie den Mehrwert, der aus der Einbindung in die digitalisierte Wertschätzungskette resultiert. Dabei gehen die Erwartungen in erster Linie in Richtung unternehmensrelevanter Effizienzverbesserung.

Fokusthemen zur Digitalisierung und Vernetzung der Supply Chain

Zur Effektivität- und Effizienz-Steigerung in der Lieferkette stehen eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verfügung, die von den TMG Consultants in folgende, klassische SCM-Bereiche gegliedert werden:

  • Supply Chain Design
  • Supply Chain Planning & Management
  • Supply Chain Execution

Die teilnehmenden Unternehmen der Studie wurden bezüglich dieser SCM-Bereiche gefragt, welche Bedeutung sie ihnen in ihren Organisationen beimessen und, wie sie deren zukünftige Entwicklung einschätzen.

In Sachen Supply Chain Design geht aus der Befragung hervor, dass die überwiegende Mehrheit (69,2 %) die Bedeutung von Big Data Analytics sowie den hohen Stellenwert der performanten Simulationsumgebung (61 %) erkannt hat. Überraschend ist hingegen, dass nur jedes zweite Unternehmen (51 %) einen Breitband-Internetzugangs als essentiellen Standortfaktor einschätzt.

Horizontale Vernetzung wird bislang vernachlässigt

Die Ergebnisse der Studie im Bereich des Supply Chain Planning und Management lassen bei den TMG Consultants die Alarmglocken schrillen. Mit 80 % wird der digitalen, internen Vernetzung die größte Bedeutung zugemessen. Damit sind die befragten Unternehmen der festen Überzeugung, dass der Informationsfluss im eigenen Unternehmen noch wichtiger ist als entlang der gesamten Lieferkette. Die horizontale Vernetzung wird zwar ebenfalls als wichtig erachtet, rangiert mit 69 % allerdings mit deutlichem Abstand hinter der vertikalen Vernetzung.

Diese Auffassung der Unternehmen wird in der Studie als besorgniserregend eingeschätzt. Der durchgängige Informationsfluss innerhalb des Unternehmens und entlang der gesamten Lieferkette als „ureigenes“ Schlüsselelement im Supply-Chain-Management wird noch wichtiger – gerade bei weiter fortschreitender Digitalisierung. Viele Unternehmen stehen der positiven Entwicklung durch Silodenken und mangelndem Vertrauen gegenüber Kunden und Lieferanten im Weg – jedes dritte Unternehmen misst der horizontalen Vernetzung lediglich eine geringe oder mittlere Bedeutung zu. Die Studie zeigt zudem, dass genau die Technologien nachrangig bewertet werden, die eine konsequente Vernetzung ermöglichen: Nur 47 Prozent der befragten Unternehmen messen dem Thema Cloud-Computing eine große bis sehr große Bedeutung bei.

Bei der 3. Maßnahme, der Supply Chain Execution sieht es da schon besser aus: Immerhin 2 von 3 Unternehmen haben das enorme Potential von „Track & Trace“ als Basistechnologie für das Generieren von Echtzeitdaten und die Automatisierung von Prozessen erkannt. Dem Thema „Logistikmarktplätze“ messen die befragten Unternehmen hingegen noch keinen großen Stellenwert bei, was daran liegen mag, dass Logistikmarktplätze noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Dabei sollten sich gerade Logistikunternehmen mit dieser Form der Plattform-Ökonomie beschäftigen. Je mehr die Digitalisierung zum Treiber der Supply Chain wird, desto wichtiger werden digitale Plattformen, über die sich diese Wertschöpfung organisieren lässt.

Fehlendes Fachwissen als Hauptgrund für mangelnde Digitalisierung und Vernetzung

Die Studie zeigt, dass zwischen Erkenntnis und der realen Wirklichkeit zum Thema Supply Chain Management 4.0 eine große Lücke klafft. TMG wollte daher von den befragten Unternehmen wissen, was die Gründe hierfür sind – sowohl intern als auch im Gesamtumfeld der Supply Chain.

Unter den unternehmensinternen Hemmnissen rangiert das fehlende Fachwissen mit 81 %auf Platz eins, dicht gefolgt vom Mangel an belastbaren Business Cases und Kosten-Nutzen-Berechnungen. Wenig überraschend – fehlt es an konkretem Fachwissen zum Themenkomplex Industrie 4.0, lassen sich schlichtweg keine fundierten Business Cases erstellen und realistische Kosten-Nutzen-Betrachtungen durchführen.

Hier sehen die Consultants vor allem das oberste Management in der Pflicht. Mangelt es dem Unternehmen an notwendigem Wissen, kann es eine Lösung sein, externe Spezialisten für diese Aufgabe mit einzubeziehen. Externes Knowhow auf Zeit einzukaufen und den Wissenstransfer sicherzustellen, ist ein probates Mittel, um Defizite auf diesem Feld kurzzeitig zu überbrücken. Auf Dauer sollten die Unternehmensverantwortlichen mit konkreten Maßnahmen jedoch das eigene Unternehmen befähigen.

Bei Hemmnissen, die in der Supply-Chain und deren Umfeld ihre Ursachen haben, stehen fehlende oder unterschiedliche Standards mit großem Abstand an der Spitze (87,5%). In ihrer Studie identifizieren die TMG Consultants diesen Grund jedoch als ein vorgeschobenes Argument, um von den eigenen Versäumnissen abzulenken. Fehlende Standardisierung als Haupthindernis ist seit Jahrzehnten ein Argument, warum es mit der horizontalen Integration in Liefernetzwerken nicht so richtig klappt. Mittlerweile sind die technischen Möglichkeiten für eine einfache Einbindung in Netzwerke gegeben. Nach Einschätzung der Consultants fehlt den Unternehmen schlichtweg der Mut und Wille, wodurch das Totschlagargument „fehlende Standards“ weiterhin vorgeschoben wird. Im Widerspruch dazu steht die, von den befragten Unternehmen genannte, Bereitschaft zu Veränderungen – ein unzureichender Kooperationswille wird jedenfalls nur von jedem dritten Befragten als wesentliches Hindernis genannt (35,7 %).

Digitalisierung und Vernetzung schreiten in deutschen Unternehmen zu langsam voran

Als Quintessenz der Studie lässt sich festhalten, dass die Mehrheit der Unternehmen die Bedeutung einer Digitalisierung und Vernetzung der Supply Chain erkannt hat. Es hapert jedoch an der Umsetzung – die Unternehmen stecken seit Jahren in den Kinderschuhen der Industrie-3.0-Welt fest und nehmen erst einmal eine abwartende Rolle ein. Als Hauptargument werden oft fehlende Standards vorgeschoben.

Ein weiterer Grund ist die Angst, dass Netzwerkpartner auch Einblicke in sensible Daten ihres Unternehmens erhalten können. Das führt dazu, dass auf technisch schon längst mögliche Optimierungen viel zu oft verzichtet wird.

Dabei senken die aktuellen Entwicklungen um Cloud Computing und Big Data die Hürden für die Nutzung integrierter Supply Chains und schaffen neue, vereinfachte Möglichkeiten zur Optimierung. Um den Nutzen aus den Entwicklungen ziehen zu können, müssten die Verantwortlichen allerdings wissen, was möglich und operativ umsetzbar ist. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass bei den befragten Unternehmen jedoch genau hier eine große Lücke klafft, die zu einem „Henne-Ei-Problem“ führt: Ohne auszureichendes Fachwissen sind die Unternehmen und Verantwortlichen nicht in der Lage eine zielführende, individuell auf die eigenen Belange zugeschnittene, Digitalisierungsstrategie zu definieren. Die Zeit drängt: Wer jetzt nicht konsequent die Weichen in Richtung SCM 4.0 stellt, wird später keine Gelegenheit mehr haben zur Konkurrenz aufzuschließen. (sas)

Die Consultants geben in ihrer Studie konkrete Handlungsempfehlungen, um Unternehmen im digitalen Wandel zu unterstützen. Lesen Sie hier:

10 konkrete Maßnahmen auf Ebene des Gesamtunternehmens auf dem Weg zum digitalen Wandel


Über die Studie

Im Rahmen der Studie wurden rund 150 Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt. Dabei wurden Großunternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern, der große Mittelstand (500 – 4999 Mitarbeiter) sowie kleine und mittlere Unternehmen (1 – 499 Mitarbeiter) einbezogen. Etwas mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) aller Teilnehmer ist in der Automobil- und Aviation-Industrie zu Hause. Weitere 15 Prozent kommen aus dem Maschinen- und Anlagebau. Die übrigen Teilnehmer verteilen sich relativ gleichmäßig auf Unternehmen aus dem Handel (11,8 Prozent), der Logistikbranche (9,8 Prozent), der Prozessindustrie (9,2 Prozent) sowie dem Konsumgütersektor und dem Lebensmittelbereich (6,5 Prozent). Die zweite Datenquelle stellen insgesamt 17 persönliche Interviews mit gezielt ausgewählten Geschäftsführern und Entscheidungsträgern der obersten Führungsebene von Industrieunternehmen dar.

Die Studie kann hier kostenlos angefordert werden.

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