Hans van der Velden, Geschäftsführer Bossard Deutschland - „Wir sind voll auf Kurs“ - Beschaffung aktuell

Hans van der Velden, Geschäftsführer Bossard Deutschland

„Wir sind voll auf Kurs“

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Immer mehr C-Teile-Händler verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und werden beim Kunden schon während der Entwicklung mit ins Boot geholt. Wir haben mit Hans van der Velden, Geschäftsführer Bossard Deutschland, über diese sowie andere Entwicklungen im C-Teile-Bereich gesprochen.

Beschaffung aktuell: Wie hat Bossard das vergangene Geschäftsjahr abgeschlossen?

van der Velden: Generell sind wir als Gruppe sehr gut unterwegs und wachsen in allen Bereichen. Zwar gab es in der Schweiz vor einem Jahr den „Franken-Euro-Schock“ zu verkraften, was für viele Unternehmen dort noch ein Thema ist. Aber so wie wir aufgestellt sind, trifft uns das global nicht so stark. Wir verzeichnen, seitdem wir auf dem deutschen Markt sind, konstante Wachstumsraten. Somit sind wir absolut auf Kurs.
Beschaffung aktuell: Was waren ihre größten Umsatztreiber?
van der Velden: Hauptsächlich ist es die Elektro- und Maschinenbaubranche sowie die Medizintechnik. Darüber hinaus sind wir nun auch im Bereich Luftfahrt tätig. Die Gruppe macht über 50 Prozent des Umsatzes mit kundenspezifischen Lösungen. Das Customizing lässt sich branchenübergreifend nicht aufhalten. Da verlieren die klassischen DIN- und Normteile zusehends an Bedeutung.
Beschaffung aktuell: Inwieweit spielen die Entwicklungen rund um Industrie 4.0 für Bossard eine Rolle?
van der Velden: Wir beobachten diese Entwicklung schon sehr lange und das Thema Industrie 4.0 ist für uns sehr wichtig. Bereits seit 1999 verfügen wir über eine erste vernetzte Lösung für das C-Teile-Management, unser Smart Bin. Das Konzept wurde nun massiv ausgebaut mit diversen Produkt- und Service-Neuheiten, wie etwa SmartBin-Flex, SmartLabel und der Arims Mobile App. Mit all diesen Neuerungen wollen wir unseren Kunden zu einer intelligenteren Fabrik verhelfen und haben deshalb unser Logistikangebot neu unter dem Begriff „Smart Factory Logistics“ positioniert. Dieses bietet den Kunden den bestmöglichen Nutzen in der innerbetrieblichen Kleinteilelogistik.
Seit diesem Jahr besteht zudem eine enge Kooperation mit der RWTH Aachen, um die Herausforderungen im Markt näher untersuchen zu können. Auch bei der Hochschule in München sind unsere Systeme in deren Labor im Einsatz. Das Thema Industrie 4.0 spielt zudem im Bereich Engineering eine immer stärkere Rolle. Alles in allem sehen wir uns hier sehr gut aufgestellt. Erst vor kurzem wurden wir dafür von der baden-württembergischen Landesregierung mit der Auszeichnung „100 Orte für Industrie 4.0“ ausgezeichnet.
Beschaffung aktuell: Sie verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz mit dem Kunden. Wie sieht das im Detail aus?
van der Velden: Ja, denn wir haben nicht das klassische Ziel, Stücklisten durchzuwühlen. Wir wollen den Kunden mit einer gesamtheitlichen Sicht verstehen und decken dazu die Bereiche Entwicklung, Prozessoptimierung und Produktlieferung ab. Hier spielt auch die Zusammenarbeit mit KVT-Fastening eine große Rolle, da wir so unser Portfolio erweitert haben. Bei Kunden gehen wir zu Beginn erst ins Gespräch, hören ihm zu und entscheiden dann, ob ihm unsere Lösungen helfen können oder ob er mit dem aktuellen Status quo besser bedient ist. Da sind wir ganz offen und ehrlich.
Beschaffung aktuell: Wie ist der Einkauf bei Bossard aufgestellt?
van der Velden: Wir haben einen Zentraleinkauf, der sich in eine Abteilung für DIN- und Normteile sowie eine für Zeichnungsteile unterscheidet. Das gibt es für die jeweiligen Weltregionen, Europa, Amerika und Asien. Außerdem verfügen wir noch über eine gesonderte Abteilung zur Beschaffungsmarktforschung, sie ist ausgegliedert vom klassischen Einkauf. Diese Mitarbeiter schauen sich permanent nach neuen Verfahren, innovativen Produkten und Märkten um. Diese werden dann zu Rate gezogen, wenn es um neue Lieferanten und Produkte geht. Wir haben auch unser Technical Center in Taiwan, da dort die mitunter leistungsfähigsten Schraubenhersteller ansässig sind.
Beschaffung aktuell: Welche Rolle spielt der Einkauf intern, ist er eng mit der Konstruktion verzahnt?
van der Velden: Unser Zeichnungsteileeinkauf steht in sehr engem Kontakt mit unseren Technikern und der Qualitätssicherung. Das sind auch alles Mitarbeiter mit einer technischen Ausbildung, die zudem regelmäßig zu neuen Werkstoffen und Fertigungspraktiken geschult werden.
Beschaffung aktuell: Wird Bossard recht früh in den Entwicklungsprozess eines Kunden mit einbezogen?
van der Velden: Wir werden zwar immer früher mit einbezogen, aber klassischerweise kommen immer noch die meisten Anfragen erst dann, wenn der Kunde Defizite in der Fertigung oder bei der Qualität feststellt. Dann sehen wir uns das Produkt oder Produktionsumfeld detailliert an und versuchen zu helfen. Aber der Trend geht klar dazu über, dass wir bei der Entwicklung mit am Tisch sitzen und beraten.
Beschaffung aktuell: Welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?
van der Velden: Diese sind überaus positiv. Denn das Thema wird nach wie vor oft unterschätzt und die Kunden sind immer wieder erstaunt, wo sich die Einsparpotenziale und Optimierungen ergeben. Das stärkt auch die Beziehung, sie vertieft sich hin zu einer Entwicklungspartnerschaft.
Beschaffung aktuell: Sie bieten seit diesem Jahr auch eine App an, die die Kunden beim Bestandsmanagement unterstützt. Wie funktioniert diese?
van der Velden: Die ARIMS-Plattform gibt es bereits seit 1999. Bislang konnte man über den PC auf das System zugreifen und die Bestände in den jeweiligen Lagerbehältern kontrollieren. Aber der Schritt mit der App ist neu. Sie wurde vor zwei Jahren entwickelt und bietet spannende Funktionen. So kann der Kunde nun selbst Umplatzierungen im Regal vornehmen. Er muss uns hierzu nicht mehr informieren. Darüber hinaus kann er auch die Bestände anpassen, etwa bei kurzfristigen Spitzen. Das ist möglich, solange alles in einem Behälter Platz hat, andernfalls würden wir die Meldung bekommen, dass eine weitere Box benötigt wird. Über die App sieht der Kunde oder Werker auch direkt, in welchem Behälter im Rack welcher Artikel liegt. Das spart sehr viel Zeit. Einige unserer Kunden haben sogar ein iPad an die jeweiligen Regale gehängt und machen es den Mitarbeitern somit noch einfacher, stets den Überblick zu behalten.
Beschaffung aktuell: Herr van der Velden, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Alexander Gölz.


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