Arbeitsschutz: geänderte Normung

Von OHSAS 18001 zu DIN ISO 14001

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Im März veröffentlichte die Internationale Organisation für Normung (ISO) die neue ISO 45001. Sie löst die Occupational Health and Safety Assessment Series (OHSAS 18001) ab. Zwar war dieser Standard schon in vielen Ländern Grundlage für das Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS), wurde jedoch nicht als internationaler Standard wie die DIN ISO 45001 definiert. Sie integriert sich sehr gut in bestehende Managementsysteme.

Weltweit agierende Institutionen, die sich mit der Sicherheit am Arbeitsplatz auseinandersetzen, präsentieren erschreckende Zahlen. So sterben jährlich 2,2 Millionen Menschen durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten. Das sind pro Tag rund 6300 Personen. Durch berufsbedingte Verletzungen, Krankheit und Tod gehen jährlich global vier Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes verloren. Allein schon diese Zahlen sollten Unternehmen aufschrecken. Doch ändern wollte niemand etwas. Zu groß war die Besorgnis, dass sich neue Vorschriften negativ auf die Unternehmen und deren Handlungsfähigkeit auswirken würden. Andererseits implementierten immer mehr Unternehmen ein Gesundheitsmanagementsystem entsprechend OHSAS 18001.

Das Problem: OHSAS 18001 war nicht eindeutig genug, weil kein einheitlicher Standard: Sie ist ursprünglich als „british standard“ aufgesetzt worden. Nun war eine weitere internationale Harmonisierung überfällig. Und so entwickelte die Internationale Organisation für Normung die ISO 45001, welche ab März 2018 die OHSAS 18001 abgelöst hat. Doch warum ist die ISO besser als OHSAS? „Hier geht es weniger um zusätzliche Regulierung als um eine einheitliche Struktur von international anwendbaren Managementsystemen“, erklärt Michael Niemeier, Country Market Manager, Marketing und Communication Deutschland bei DNV GL. „ISO legt die HLS – High Level Structure – zugrunde, die es Unternehmen mit weiteren ISO-Standards ermöglicht, die Systeme besser zu integrieren und Synergien zu schöpfen. Das war bislang unter der OHSAS in dieser Form nicht möglich.“ Und Andreas Engelhardt, fachlicher Leiter für die Zertifizierung von Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystemen bei TÜV Süd ergänzt: „Die Anforderungen sind an die ISO 9001 – Qualitätsmanagement – und an die ISO 14001 – Umweltmanagement – angeglichen. Die Implementierung ist freiwillig und das Ergebnis eines internationalen Kompromisses, an dem internationale Experten von nationalen Normungsinstitutionen gearbeitet haben.“

Nutzen und Herausforderung der neuen ISO

So stellt sich die Frage, was sie den Anwendern bringt. „Die ISO 45001 ist eine international anerkannte Anleitung zur Implementierung eines Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystems“, erläutert Engelhardt. „Darin enthalten sind beispielsweise Prozesse zur Optimierung von Arbeits- und Gesundheitsschutz, Effektivität, Effizienz und Rechtssicherheit.“ Und: „Die Risiken für Arbeitsunfälle, insbesondere tödliche Arbeitsunfälle, können gezielt und kontinuierlich reduziert werden“, zählt Niemeier auf. „So können ebenso hohe Folgekosten für Unternehmen reduziert oder ganz vermieden werden. Ein Zertifikat kann gegebenenfalls auch das Banken- und Versicherungsrating positiv beeinflussen. Und nicht zuletzt wird die Arbeitssicherheits- und Gesundheitskultur im Unternehmen gezielt implementiert und weiter vorangetrieben.“

Dennoch handelt es sich, wie so häufig bei ISO-Normen, um eine Mammutaufgabe, kann die Umstellung doch umfangreiche Ausmaße annehmen. Denn weltweit sind nach DNV GL Angaben, ca. 90–100.000 Unternehmen nach OHSAS 18001 zertifiziert, davon allein in Deutschland ca. 2800–3000. So hängt der Aufwand, der in einem Betrieb investiert werden muss, maßgeblich vom Reifegrad des bisher implementierten Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystems ab. Es gibt keine grundlegend neuen Anforderungen, aber Präzisierungen zu bestehenden Anforderungen. Und wie häufig festzustellen ist, ist die Optimierung eines Systems oft sehr viel aufwendiger als eine Neuimplementierung. „Der Aufwand ist immer von der Komplexität der Unternehmen abhängig, wie beispielsweise von der Mitarbeiterzahl, dem Standort, den Schichten und Ähnlichem, und lässt sich daher schwer von außen festlegen“, weiß Niemeier. „In der Regel benötigen kleinere Unternehmen mindestens sechs Monate, größere 12–18 Monate.“ Zur Umstellung haben die Unternehmen nach Veröffentlichung des Standards eine Übergangsfrist. „Unternehmen mit einem OHSAS 18001-Zertifikat müssen innerhalb von drei Jahren umstellen, um die Gültigkeit ihrer Zertifizierung zu gewähren“, warnt Engelhardt. Dabei hängt die Dauer der Umstellung sicher auch von der Branche ab, in der das Unternehmen agiert. Vorwiegend betroffen dürften produzierende Unternehmen mit hohen Anforderungen an die Arbeitssicherheit und entsprechenden Kundenforderungen sein. „Tatsächlich können alle Branchen die ISO 45001 anwenden, doch besonderen Sinn macht sie, wenn hohe Gefährdungen, Belastungen und Risiken zum Arbeits- und Gesundheitsschutz vorhanden sind“, erläutert Engelhardt. „Beispielsweise im Maschinen- und Anlagenbau, in der Metallproduktion und -verarbeitung, in Verpackungsbetrieben, im Hoch- und Tiefbau oder der Lebensmittelproduktion usw.“, zählt Niemeier auf.

Doch wie geschieht dies innerhalb der ISO 45001? Zuerst einmal durch eine eindeutige Definition und Ermittlung von Gefährdungen (sowohl physischer als auch psychischer Natur), Risiken oder Vorfällen. Wobei gleichzeitig Chancen identifiziert werden, um die Sicherheit und damit Gesundheit der Akteure zu erhöhen, wobei sich diese nicht nur auf Akteure innerhalb, sondern auch außerhalb des Unternehmens beziehen, wie beispielsweise Lieferanten, Subunternehmer oder Leiharbeiter. Weiterhin wird mehr Rücksicht auf das Unternehmen innerhalb der wirtschaftlichen Strukturen genommen. Die Führung des jeweiligen Unternehmens muss mehr Verantwortung tragen.

Hilfsangebote von TÜV Süd und DNV GL

Und welche Hilfsangebote stellen TÜV Süd und DNV GL bereit? „Generell bieten wir Unternehmen Unterstützung in Form von Leitfäden zur Umstellung, Gegenüberstellungen alter versus neuer Standard, kostenfreie Infoveranstaltungen und Webseminare, Onlineselbstbewertungen, Voraudits und GAP-Assessments, bei denen wir den Unternehmen durch eine Prüfung vor Ort aufzeigen, wo genau ihre Lücken zum Upgrade auf den neuen Standard bestehen“, zählt Niemeier einige Punkte der Angebotspalette des DNV GL auf.

Der TÜV Süd bietet die reine Zertifizierung diverser Managementsysteme an. Die Zertifikate genießen weltweit hohe Anerkennung und Akzeptanz. So wird beispielsweise bei der Implementierung der DIN ISO 45001 vorgegangen: Zuerst füllt der Interessent dazu einen Fragebogen aus, um ein individuelles Angebot mit Informationen zu Kosten, Zeitaufwand und Planung zu erhalten. In einem Voraudit wird geprüft, ob das Unternehmen die Anforderungen nach ISO 14001 erfüllt und der Reifegrad für die Zertifizierung ausreicht. Dann wird ein Audit durchgeführt, bei dem eine Bewertung der Dokumentation und der Voraussetzungen für das Zertifizierungsaudit für die Stufe zwei festgestellt wird. Ist der Bescheid positiv, beginnt die Stufe 2 des Audits. Gibt es Normabweichungen, werden Korrekturmaßnahmen verbindlich geplant, festgelegt und umgesetzt. Das Unternehmen erhält anschließend einen Auditbericht und ein Zertifikat von einer Zertifizierungsstelle. Der TÜV Süd überprüft die Konformität dieses UM-Systems jährlich anhand von Überwachungsaudits.


Hertha-Margarethe Kerz,
freie Journalistin in Hamburg

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