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Schutztür öffne Dich

EN ISO 14119: Schutz vor Manipulationen
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Schutztürsysteme gehören zu den klassischen Möglichkeiten, den Werkern beim Zutritt zu Gefahrenbereichen zu schützen: Wird die Schutztür geöffnet, dann werden Gefahr bringende Bewegungen still gesetzt. Die neue Norm EN ISO 14119 teilt erstmals unterschiedliche Verriegelungseinrichtungen in Klassen ein und legt Wert auf das Thema Manipulationsschutz.

Verschiedene Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen dem Umgehen von Schutzeinrichtungen und Unfällen an Maschinen. Geschätzt wird, dass 25 Prozent aller Unfälle auf Manipulation zurückzuführen sind. Laut einer Befragung des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften wird mehr als jede dritte Schutzeinrichtung dauerhaft oder vorübergehend manipuliert. Die neue Norm EN ISO 14119 (Sicherheit von Maschinen – Verriegelungseinrichtungen in Verbindung mit trennenden Schutzeinrichtungen) definiert Leitsätze für Gestaltung und Auswahl sicherheitsgerichteter Verriegelungseinrichtungen. Die Nachfolgenorm der EN 1088 bietet praktische Entscheidungshilfen und berücksichtigt aktuelle Technologien wie RFID oder elektromagnetisch wirkende Zuhaltungen. Die EN ISO 14119 teilt Verriegelungseinrichtungen in Klassen ein: Sie unterscheidet vier Bauarten. Zu den Bauarten 1 und 2 gehören die mechanischen Verriegelungseinrichtungen. Uncodierte Scharnierschalter wie PSENhinge von Pilz sind ein Beispiel für Bauart 1. Diese Scharnierschalter sind beispielsweise geeignet für dreh- und schwenkbare Türen und Klappen.

Codierte mechanische Schalter hingegen zählen zur Bauart 2. Ein codierter Betätiger ist ein speziell gestaltetes Betätigungselement, das zu einem zugewiesenen Schalter gehört. Mechanische Sicherheitsschalter PSENmech mit Zuhaltung von Pilz sorgen für die Verriegelung (Zuhaltung) der Schutztür, bis der gefährliche Produktionsprozess beendet ist. Außerdem können sie die Unterbrechung der Produktion durch unbefugten Zugang verhindern.
Zu Bauart 3 gehören beispielsweise induktive Sensoren, die auf geeignete Metalle auslösen und damit uncodiert sind. Der sichere Näherungsschalter PSENini erfasst berührungslos die Annäherung metallischer Objekte. Der induktive Sensor liefert die notwendigen sicheren Signale über Positionen und Endlagen und gewährleistet damit einen reibungslosen Produktionsablauf. Der Näherungssensor eignet sich für Aufgaben mit langen Nocken oder mehreren zu erfassenden Positionen und dient auch als Impulsgeber für Zählaufgaben oder zur Erfassung von Drehbewegungen (bis 10 Hz).
Zur Bauart 4 wiederum gehören codierte magnetische Sensoren oder solche mit RFID-Technologie. So dienen codierte Sicherheitsschalter PSENcode von Pilz sowohl der Stellungsüberwachung von trennenden Schutzeinrichtungen als auch der Positionsüberwachung. Durch integrierte Auswertung und Standard-Schnittstellen ist PSENcode offen gegenüber Produkten anderer Hersteller. Für die Positionsüberwachung wird nur ein sicherer Sensor benötigt. Der Wegfall weiterer Sensoren und die Reduzierung sicherer Eingänge am Auswertegerät macht PSENcode zu einer wirtschaftlichen Lösung. Für eine genaue Unterscheidung, teilt die Norm Verriegelungseinrichtungen zusätzlich in ihre Codierungsstufen (niedrig, mittel und hoch) ein.
Darüber hinaus definiert die neue Norm die grundlegenden Anforderungen an Produkte von Verriegelungseinrichtungen. Einkäufer und Konstrukteure können so die angebotenen Produkte am Markt leichter vergleichen, selbst wenn sich Produkte gleicher Bauart in ihren konstruktiven, elektrischen und mechanischen Merkmalen unterscheiden.
In der Automatisierungstechnik stehen Schutztürsysteme häufig im Spannungsfeld zwischen Produktivität, Anwenderfreundlichkeit sowie dem größtmöglichen Schutz des Menschen. Den Normen wie der EN ISO 14119 kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Die neue Norm legt großen Wert auf Konstruktionen, die Manipulationen verringern. Unter anderem fordert die EN ISO 14119 dazu auf, zu überprüfen, ob es einen „Anreiz auf Umgehen“ der Verriegelungseinrichtung gibt. Den Konstrukteuren stellt sie hierzu entsprechende Entscheidungshilfen zur Verfügung.
Für die oben aufgeführten Bauarten schreibt die Norm bestimmte Maßnahmen vor. Für mechanische, uncodierte und berührungslose Verriegelungseinrichtungen mit niedriger Codierung (Bauarten 2 und 4) gibt die Norm die Verwendung nicht lösbarer Befestigungen wie zum Beispiel Einwegschrauben vor. Ebenso gehören die Anbringung des Sensors außerhalb der Reichweite des Bedieners, in versteckter Position oder seine Absperrung beziehungsweise Abschirmung dazu, wenn Anreize zum Manipulieren der Schutztür bestehen. Nur für hoch codierte Geräte, die beispielsweise RFID-Technologie verwenden, darf der Betätiger weitestgehend beliebig montiert werden, sofern er nicht mit einfachen Mitteln lösbar ist.
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