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Personalmanagement für den Einkauf der Zukunft

Personalmanagement für den Einkauf der Zukunft, Teil 1
Wer, wie, was – Personalanforderungen des Einkaufs

Wer, wie, was – Personalanforderungen des Einkaufs
Bild: djrandco/stock.adobe.com
Klassische Einkäufertugenden und -kompetenzen werden wohl immer gefragt sein. Gleichzeitig zeigen sich mit Nachhaltigkeit & Co. Themen, in der der Einkauf eine zentrale Rolle einnimmt. Wie wirkt sich das auf die Anforderungen an das Einkaufspersonal aus? Welche Tätigkeitsbilder entstehen hieraus?

Betrachtet man die prägenden Themen des Einkaufs in den letzten Jahren, könnte man das Gefühl bekommen, zukunftsgerichtete Megatrends spielten kaum eine Rolle: Handelskriege, Corona-Pandemie oder der Russland-Ukraine-Krieg als „Globalisierungs-Killer“, Materialengpässe, dazu die erheblichen Inflationsentwicklungen. Da sind herkömmliche Einkaufsfähigkeiten wie Improvisationstalent, Nachschubsicherung und kostenorientierte Verhandlungen gefragt. Andererseits wird allerorten eine zunehmende Digitalisierung eingefordert, der Klimawandel platziert Nachhaltigkeit als Zukunftsthema und damit auch eine resiliente Gestaltung des internationalen Wertschöpfungsnetzwerk. Neue Fähigkeiten und neues Wissen sind also vonnöten.

Hier tut sich der Einkauf traditionell eher schwer: Wesentliche personelle Differenzierung in den meisten Unternehmen ist nach wie vor die Trennung von operativen und strategischen Aufgaben (und den dafür erforderlichen Fähigkeiten). Dass diese Unterteilung für die anstehenden Herausforderungen ausreicht, darf bezweifelt werden: zu vielfältig und komplex sind die sich daraus ergebenden Profile. Um in Zukunft die gewünschte strategische Rolle spielen zu können, sollte der Einkauf ein professionelles Personalmanagement betreiben. Personal ist DER Schlüssel, um in einer digitalisierten Welt mitzugestalten.

professionelles Personalmanagement im Einkauf
Um in Zukunft die gewünschte strategische Rolle spielen zu können, sollte der Einkauf ein professionelles Personalmanagement betreiben.
Bild: Dr. Florian C. Kleemann

Generalisierung vs. Spezialisierung

Zu Anfang stehen hier zwei Schlüsselfragen: Was sind die Anforderungen, die in Zukunft zu erfüllen sind? und Wie kann man dies erreichen? Daraus ergeben sich jeweils drei zentrale Handlungsfelder. Beim „Was“ stehen die Anforderungen bzw. Fähigkeiten, die sich daraus bildenden Rollenprofile sowie die dafür erforderlichen Qualifikationen im Vordergrund.

Diverse Studien haben sich bereits mit den erwarteten Personalanforderungen im Einkauf der Zukunft beschäftigt. Wesentliche Änderungen lassen sich dabei in den vier gängigen Dimensionen der generellen „Handlungskompetenz“ strukturieren. Neue Fachkenntnisse sind dabei z. B. im Bereich IT oder Nachhaltigkeit absehbar erforderlich. Bei der Methodenkompetenz wird wiederum das Prozess- und Projektmanagement wichtiger als die eigentliche Ausführung von Aufgaben, welche mittels Digitalisierung stärker automatisiert werden kann. Auf der persönlich-sozialen Ebene gehen in der Folge die Anforderungen allerdings nicht zurück – vielmehr bekommen diese als zukünftige Haupttätigkeit (z. B. Koordination crossfunktionaler Projekte) zusätzliches Gewicht.

Personalanforderungen im Einkauf
Wesentliche Änderungen der Anforderungen lassen sich dabei in den vier gängigen Dimensionen der generellen „Handlungskompetenz“ strukturieren.
Bild: Dr. Florian C. Kleemann

Angesichts der Vielfalt neuer, heterogener Einkaufsfähigkeiten, ergibt sich in der Folge allerdings die Frage, ob einzelne Personen alle diese Anforderungen vereinen können. Bisher scheint der Anspruch im Einkauf ein klares „Ja“ zu ergeben – da soll alles beherrscht werden von Strategie über die Ausschreibung zur Verhandlung und dem Vertrag, gerne auch noch die Bestellung (= Generalisierung). Mit den zusätzlichen Entwicklungen scheint eine weitere Ausdehnung der Tätigkeiten und Expertise Einzelner jedoch immer unrealistischer. Differenziertere Rollen mit stärker fokussierten Aufgaben zeigen den Ausweg an (=Spezialisierung).

Reaktion auf Megatrends

Zwar ergeben sich sicherlich Unterscheidungen je nach Unternehmensgröße, doch die Entwicklung neuer, fachspezifischer Rollen ist bereits heute als Reaktion auf die genannten Megatrends erkennbar. Neue Stellenbezeichnungen lauten so z. B. „Data Scientist“ (Spezialisierung auf IT-gestützte Sammlung und Auswertung von Daten), „Prozessmanager“ (Steuerung und Optimierung von Prozessen statt deren, ggf. auch mit Bezug zu IT-Tools), „Innovations- und Trendscouts“ für Beschaffungsmärkte oder „Value Engineers“ (technisch getriebene Produktkostenoptimierung, oft mit Lieferanten und Entwicklungsspezialisten). Auch „Sustainability Manager“ für den Einkauf sind sicherlich zu erwarten bzw. zeigen sich heute schon in immer mehr Unternehmen.

In der Folge dürften sich auch die erforderlichen Qualifikationen für Einkaufsmitarbeitende verändern. Zunächst mal wird sich der bisherige Schwerpunkt einer kaufmännischen oder ingenieurstechnischen Ausrichtung weiter ausfächern. Dies ist im Ausbildungsmarkt generell bereits heute zu beobachten – ebenso wie ein Trend zur Akademisierung. Dies würde auch den neuen im Einkauf entstehenden Anforderungen der „Wissensgesellschaft“ entsprechen: hin zu einem verstehenden Steuern, weg von der reinen Ausführung. Ein zentrales Problem hierbei: Einkaufsspezifische Studienangebote sind auch heute noch extrem rar, entsprechende Absolventen ebenso.

Dieser Zustand wird sich auch absehbar nicht ändern – die lange geringe Bedeutung des Einkaufs führt zu stark begrenztem Interesse von Studierenden, sich in dieser Fachrichtung zu vertiefen. Desto weniger Interessierte, desto geringer auch der Anreiz für Hochschulen, Kapazitäten in diesem Bereich anzubieten: Ein Teufelskreis, der darin gipfelt, dass die wenigen einkaufsfokussierten Hochschulen sich durch überlappende Studienangebote gegenseitig Konkurrenz machen. Auch im nicht-akademischen Weiterbildungsbereich besteht ein eher überschaubares Anbieterfeld.

Dabei herrscht zumindest innerhalb des Einkaufs Einigkeit, dass die Funktion ein vielfältiges, abwechslungsreiches Tätigkeitsgebiet darstellt und bereits einen starken Wandel erlebt hat. Es scheint zudem durch die absehbaren globalen Entwicklungen unzweifelhaft, dass sich die Anforderungen und Möglichkeiten stark ausweiten und spannende Perspektiven bieten. Für Einkaufsverantwortliche gilt es, sich der Veränderungen bewusst zu werden, diese strukturieren und für das eigene Unternehmen passend zu adressieren. Mögliche Ansätze der Personalentwicklung hierfür werden in der nächsten Ausgabe vorgestellt.


Prof. Dr. Florian C. Kleemann

koordiniert an der HS München das Studienprogramm Digital Sustainable Procurement & Supply Management.


Ronja S. Frühbeis

forscht an der UniBw München im Arbeitsgebiet Beschaffung. Ihr Lehrauftrag an der HS München bietet Kontaktpunkte mit dem Thema „Einkaufspersonal 4.0“.


Raphael Schiermoch

Absolvent des Master für BWL an der HS München. Im Modul „Führung im Einkauf“ hat er sich mit Fragen des einkaufsbezogenen Personalmanagements befasst.

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