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Willkommen in der Realität

Kommentar
Willkommen in der Realität

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Sabine Schulz-Rohde, verantwortliche Redakteurin Beschaffung aktuell Bild: Konradin

Sabine Schulz-Rohde, Verantwortliche RedakteurinBeschaffung aktuellsabine.schulz-rohde@konradin.de

Klimakrise. Lieferkettenkrise. Energiekrise. Rezession. Ein Schreckgespenst jagt das nächste. Der Unterschied: Gespenster sind Gebilde der Phantasie. Rezession – ein Begriff, den die meisten nur aus Geschichtsbüchern kennen – ist wie auch die anderen Krisen derzeit brutale Realität. Seitdem auch der Bundeswirtschaftsminister für das Jahr 2023 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung prognostiziert, ist es sozusagen offiziell. Dabei geht er vielen Wirtschaftswissenschaftlern sogar nicht weit genug mit seinen Prognosen.

In einer Umfrage des BME bei über 500 deutschen Einkauf- und Logistikmanagern äußern sich knapp drei Viertel der Befragten unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung. Insbesondere die laut BME-Umfrage um 23 Prozent gestiegenen Einkaufspreise führen bei vielen Unternehmen zu einer „existenzbedrohenden Situation“.

In ihrer Eröffnungsrede beim BME-Symposium erklärte die BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah: „Und gerade jetzt, in diesen Krisenzeiten, sehe ich hervorragende Chancen für den Einkauf, seine Rolle als Taktgeber im Unternehmen zu stärken.“ Auch in der Öffentlichkeit hat der Einkauf so viel Aufmerksamkeit wie noch nie. Selbst das Ifo-Institut hat sich mit der Frage „wie reagieren Unternehmen auf Lieferkettenstörungen“ mit dem Einkauf beschäftigt. Fast 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen haben ihre Beschaffungsstrategien geändert, ist dort zu lesen.

Aber welche Beschaffungsstrategie passt auf die explodierenden Energiepreise? Viele Großunternehmen können aktuell noch von den günstigen Mehrjahresverträgen ihrer Energielieferanten profitieren. Aber gerade im Mittelstand hatten viele Unternehmen wegen der steigenden Preise in 2021 abgewartet und nur für kurze Zeiträume Lieferverträge abgeschlossen. Sie hatten auf eine Entspannung der Märkte gehofft. Der sprunghafte Preisanstieg trifft diese Unternehmen jetzt massiv. Dabei mussten deutsche Mittelständler bereits in Vorkrisenzeiten die höchsten Preise in Europa zahlen.

Die Folge? Insbesondere für energieintensive Unternehmen ergibt sich eine existenzgefährende Situation, da sie die höheren Preise nicht an ihre Kunden weiterreichen können. Schon jetzt steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen. Laut Expertenmeinung erreichen wir diesbezüglich im November das Vor-Corona-Niveau. Aber es geht weiter. Die Energiekrise werde nicht so schnell verschwinden, prognostiziert die IWF-Vizechefin Gita Gospinath im Handelsblatt. Über eine Deindustrialisierung Deutschlands wird bereits spekuliert. Was das für den deutschen Mittelstand und seinen Einkauf bedeutet, muss ich Ihrer Phantasie überlassen. Meine reicht dazu nicht aus.

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