Neue Serie: Branchenwissen Stahl kompakt

Stahlpreisentwicklung aktuell – eine Analyse

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„Der Tiefpunkt ist erreicht.“„Demnächst geht es wieder aufwärts.“ So oder ähnlich hat es sich bis vor einigen Wochen angehört, wenn Analysten über die Stahlpreise gesprochen haben. Nur leider wollten die Stahlpreise nicht unbedingt so wie diese Experten es sich gewünscht hatten. Schaut man sich beispielsweise den LME (London Metall Exchange)-Index für Stahl an, ist festzustellen, dass es nicht aufwärts, sondern kontinuierlich weiter bergab geht.

In den letzten Wochen liest man nun schon deutlich weniger Prognosen, die von steigenden Stahlpreisen ausgehen. Aktien aus der Stahlbranche stehen eher auf HOLD „bis die Aussichten für die europäische Stahlbranche positiver seien“ ( www.focus.de).

„Der Markt überschätze angesichts der Schwäche in Europa und des weltweiten Überangebots die Erholung der Märkte.“ ( www.wallstreet-online.de).
Ein Preis bildet sich in der Regel über Angebot und Nachfrage. Dies gilt nun einmal weitestgehend auch für Stahlpreise. Aktuell gibt es jedoch einfach keine nennenswerten Indizien, die es erwarten lassen, dass die Nadel in die eine oder die andere Richtung derart ausschlägt, dass die Stahlpreise kurzfristig in erheblichem Maße steigen könnten.
Nachfrageseite Man möchte kaum mehr hinhören: nun schon über Jahre hinweg quälen uns die Nachrichten immer wieder mit neuen Schreckensmeldungen hinsichtlich der europäischen Finanzkrise, insbesondere aus Südeuropa. Mal ist es Griechenland, mal Spanien, dann Portugal oder Italien, aktuell nun Zypern. Im Prinzip hat sich – Finanzkrise hin, Rettungspakete her – in den letzten Monaten für den Stahlmarkt nicht viel geändert. Märkte wie die Baubranche als massiver Stahlverbraucher sind eingebrochen und werden sich nicht kurzfristig erholen, mutmaßlich nicht einmal mittelfristig. Auch wenn Griechenland und Zypern vorerst „gerettet“ sind, ist aus dieser Richtung keine kurzfristige Erholung der Nachfrage zu erwarten.
Ein weiterer sehr relevanter Stahlkonsument in Europa ist die Automobilindustrie. Auch hier wird es 2013 vermutlich keinen weiteren, erheblichen Anstieg der – in den letzten Jahren ja scheinbar nicht enden wollenden – Nachfrage nach Neuwagen geben. Ganz im Gegenteil. Laut einer aktuellen Studie von PricewaterhouseCoopers sehen Topmanager aus der Autoindustrie 2013 eher pessimistisch entgegen. Aktuelle Zulassungszahlen aus Deutschland bestätigen das.
Selbst die Nachrichten aus China deuten darauf hin, dass auch aus dieser Richtung – die seit Jahren den Weltmarkt in vielen Bereichen, auch in Zeiten der Krise in anderen Ländern, immer wieder befeuert hat – die Nachfrage nicht weiter steigen wird. Die Baubranche ist auch dort komplett heiß gelaufen, es gibt bereits erste Anzeichen für einen deutlichen Rückgang. China wird seine Wirtschaft zudem nicht weiter in gleichem Maße „auf Pump“ finanzieren (können).
Nennenswerte Gründe, von einer ansteigenden Stahlnachfrage in Europa auszugehen, sind daher insgesamt nicht zu erkennen. Es besteht eher das Risiko eines noch weiteren Rückgangs, beispielsweise wenn Deutschland nicht auch weiterhin die „Oase“ der positiven Wirtschaftsentwicklung in Europa bleibt oder wenn ein Krisenstaat zukünftig einmal nicht mehr gerettet werden kann oder soll.
Angebotsseite Die Stahlpreise könnten sich auch erhöhen, wenn das Angebot knapper wird, wenn Stahlwerke also ihre Kapazitäten spürbar herunterfahren. In Deutschland ist die Produktion in den ersten Wochen des Jahres 2013 hingegen sogar noch leicht angestiegen (Wirtschaftsvereinigung Stahl, 13.02.2013: Rohstahlproduktion Januar, stärkster Zuwachs seit September 2011). Es gibt zwar durchaus Überlegungen, die Kapazitäten zu reduzieren, tatsächlich ist in diese Richtung bislang hingegen nicht viel geschehen.
Inwieweit dadurch dann die Stahlpreise aber überhaupt beeinflusst würden, ist ebenfalls fraglich. Beispielsweise wurden im letzten Jahr 4 von 5 Hochöfen im größten europäischen Stahlwerk Ilva – das immerhin mehr als 30 % des italienischen Rohstahls herstellt – heruntergefahren. Auf die Stahlpreise hat sich dies jedoch kaum ausgewirkt. Grund hierfür dürfte sein, dass die europäischen Stahlproduzenten immer noch über erhebliche Überkapazitäten verfügen. So werden nach Expertenmeinungen von 210 Mio. Tonnen Kapazität in Europa 80 Mio. eigentlich nicht benötigt. Zudem drängen auch die osteuropäischen Stahlerzeuger mit immer besseren Qualitäten auf den Markt. Reduzierte Kapazitäten führen demnach nicht zwangsläufig zu einem Nachfrageüberhang somit auch nicht zu steigenden Preisen.
Fazit und Ausblick Kurz- bis mittelfristig wird sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nicht derart verschieben, dass mit steigenden Stahlpreisen zu rechnen ist. Wenn sich Veränderungen ergeben, dann dürfte sich eher der Trend im oben angegebenen LME-Graphen fortsetzen. Für 2013 erwarten wir daher ein allenfalls konstantes Preisniveau, eher noch leicht sinkende Stahlpreise. Für Einkäufer besteht unseres Erachtens daher derzeit kein Druck, sich auf dem aktuellen Preisniveau durch lange Vertragslaufzeiten zu binden. www.stahl-kompakt.de
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