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Global Sourcing – die Spielregeln haben sich geändert

Internationaler Wettbewerb
Global Sourcing – die Spielregeln haben sich geändert

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Bild: Lost_in_the_Midwest/stock.adobe.com
Als Experte und Befürworter für Global Sourcing insbesondere in China hat sich Wilfried Krokowski, Geschäftsführer der Global Procurement Services, schon in den 90er-Jahren einen Namen gemacht. Die letzten Ereignisse haben ihn zu einer Abkehr von der weltoffenen globalen Wirtschaftspolitik gebracht. Lesen Sie seine Analyse.

Die letzten 50 Jahre waren geprägt von einer liberalen und weltoffenen Handelspolitik. Doch die Entwicklung ist nun gestoppt, die Spielregeln haben sich geändert. Während die Jahre 1970 bis 2020 im Zeichen des offenen Handels und der wirtschaftlichen Globalisierung standen, zeigen sich nun die Grenzen dieser Globalisierung. Zum einen im Bereich der Nachhaltigkeit und zum anderen im geopolitischen Bereich. Mit Donald Trump, Xi Jinping und Putin haben sich die Prioritäten auf der Weltbühne verändert. China hat sich in den letzten 40 Jahren von einer bloßen „Werkbank der Welt“ zu einer politischen Weltmacht entwickelt. Die Zeiten des freundlichen und zurückhaltenden Weichspülens seitens Chinas sind vorbei. China strebt nach militärischer, wirtschaftlicher und technologischer Stärke und setzt seine Macht zunehmend in Regionen wie Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa ein. War China vor 50 Jahren ein Bittsteller in Russland, so ist Russland unter Putin nun ein Bittsteller in China. Europa glaubte bis vor Kurzem an das Ideal einer humanen Welt durch Freihandel und hat damit seine wirtschaftlichen Gegner wie China und Russland nur stärker gemacht. Der Kampf um die Weltmacht zwischen den USA und China hat damit begonnen.

Neue geopolitische Ordnung

Dass wir uns in der Zeit einer neuen geopolitischen Weltordnung befinden, zeigen auch die Studien und Überlegungen des BDI mit seinem Grundsatzpapier zu China vom Januar 2019 (Partner und Systemkonkurrent – wie gehen wir mit Chinas staatlich gelenkter Wirtschaft um?) sowie die Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Dezember 2020 mit dem Thema: Was Chinas Industriepolitik für die deutsche Wirtschaft bedeutet – Szenarien für „Made in China 2025“ am Beispiel des deutschen Maschinenbaus oder auch der Forschungsbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft von Jürgen Matthes aus dem Jahr 2020 zum Thema: Europäische Handelspolitik und China – Schritte zu einem neuen Gleichgewicht mit fairem Wettbewerb. Nachfolgend einige Zitate aus den Berichten und Studien.

Zusammenfassung des Berichtes von Jürgen Matthes, Institut der deutschen Wirtschaft:

Zusammenfassung des Berichtes von Jürgen Matthes, Institut der deutschen Wirtschaft:

„China ist ein wichtiger Handelspartner der Europäischen Union und zudem neuer Systemwettbewerber. Sorgen bereiten aus europäischer Sicht vor allem die ökonomischen Wettbewerbsverzerrungen durch den chinesischen Staatskapitalismus, die sich zunehmend auch auf den Weltmärkten auswirken. Allerdings weist die multilaterale Handelsordnung bei den Themen Industriesubventionen und Staatsunternehmen erhebliche Lücken auf. Vielfältige konstruktive Versuche der EU und der USA, die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zu reformieren, stoßen weiterhin auf den Widerstand Chinas. In bilateralen Verhandlungen hat China bislang ebenfalls kaum Zugeständnisse bei den Industriesubventionen gemacht, trotz massiven Drucks vor allem der USA. Daher muss die EU auch unilateral agieren.“

Zentrale Aussagen der BDI-Studie:

Zentrale Aussagen der BDI-Studie:

Zwischen unserem Modell einer liberalen, offenen und sozialen Marktwirtschaft und Chinas staatlich geprägter Wirtschaft entsteht ein Systemwettbewerb. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland und Europa brauchen eine breite öffentliche Diskussion und Orientierung zu dieser Herausforderung. China ist und bleibt ein dynamisch wachsender Markt, Treiber in der Weltwirtschaft und für die deutsche Industrie wesentlicher Absatz- und Beschaffungsmarkt. Die deutsche Industrie will die Chancen des wirtschaftlichen Austausches mit China nutzen. Dabei können aber die Herausforderungen, vor die uns China stellt, nicht ausgeblendet werden.

Die deutsche Industrie ist auch weiterhin an einem engen wirtschaftlichen Austausch mit China interessiert und lehnt eine gezielte und politisch forcierte wirtschaftliche Entflechtung ab. Dennoch ist es aus Sicht der deutschen Industrie generell sinnvoll, diversifizierte Handelsbeziehungen zu unterhalten und Investitionsentscheidungen zu treffen. Eine zu starke Abhängigkeit von einem einzelnen Markt ist immer mit politischen und wirtschaftlichen Risiken verbunden, die es zu minimieren gilt.

Hauptaussagen der Bertelsmann-Studie:

Hauptaussagen der Bertelsmann-Studie:

Mit der 2015 gestarteten Initiative „Made in China 2025“ hofft die Volksrepublik China, zu einer führenden Technologienation zu werden. Zu den ausgewählten Hightech-Industrien gehören auch Branchen, in denen deutsche Firmen traditionell stark und die für die Exportnation Deutschland von großer Bedeutung sind, unter anderem der Maschinenbau. Je mehr Erfolg China mit seiner Industriepolitik hat, umso mehr Maschinen und Anlagen exportiert China auch in Drittländer. Für die deutsche Wirtschaft könnte die ausschließliche Fokussierung auf eine Teilhabe am wirtschaftlichen Wachstum Chinas mit großen Abhängigkeiten und rückläufigen Exporten einhergehen. Unternehmen, aber auch Verbände und Politik sind gefordert, sich mit ordnungspolitischen und industriepolitischen Rahmenbedingungen in China und in Europa aktiv auseinanderzusetzen, um die Entwicklung in den nächsten Jahren aktiv zu gestalten. Ein besonderer Fokus sollte dabei auf der Diversifizierung von Märkten liegen.

Es muss ein Umdenken stattfinden

All diese Studien und Berichte zeigen uns deutlich: Es muss ein Umdenken stattfinden. Gerade der Einmarsch des russischen Militärs in die Ukraine zeigt deutlich, dass sich die Welt verändert hat. Die Welt ordnet sich neu und politische Strategien, so richtig oder falsch sie auch sein mögen, gewinnen die Oberhand. Dem muss sich auch die Wirtschaft stellen.

Aus für das Ideal einer humanen Welt durch Freihandel

Natürlich können wir ausgetretene wirtschaftliche Pfade nicht von heute auf morgen verlassen, jedenfalls nicht ohne nachhaltige Folgen für unsere Wirtschaft und, damit unmittelbar verbunden, für unseren Lebensstandard. Es geht also nicht darum, „die Globalisierung loszuwerden“, sondern vielmehr darum, die eingeschlagenen Wege zu überdenken und sich im Hinblick auf die Globalisierung neu zu orientieren.

Konkret bedeutet dies für unsere Industrie:

  • Langsamer und gezielter Abbau des wirtschaftlichen Engagements in China.
  • Kein Ausverkauf von mittelständischen Know-how-Trägern (Unternehmen) an chinesische Investoren (Stichwort: Kuka und Putzmeister).
  • Stärkere diversifizierte Handelsbeziehungen mit Ländern aus Asien, Osteuropa und Afrika. Afrika wird in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle spielen. Hier gilt es auch, dem derzeit sehr dominanten Einfluss Chinas in einigen afrikanischen Ländern Einhalt zu gebieten.
  • Mehr Produktion in Europa und mehr In-Sourcing als Out-Sourcing, was gleichzeitig einen sinkenden Exportanteil durch einen wachsenden Binnenmarkt kompensiert.
  • Mehr Hightech-Unternehmen mit Produktion und Entwicklung in Europa ansiedeln, wie es Tesla und Intel derzeit vormachen. Keine weiteren Hightech-Investitionen in China.
  • Eine westeuropäische Energie- und Rohstoffstrategie, die diesen Namen auch verdient.

Jeder hat dazu seinen Beitrag zu leisten. Nur so wird es uns gelingen, mittel- und langfristig den wirtschaftlichen und politischen Status zurückzugewinnen, den wir in den letzten Jahren verloren haben. Zwischen 1970 und 2020 haben wir unseren Anteil an der Weltwirtschaft von rund einem Drittel auf weniger als 15 Prozent reduzieren müssen. Ein schleichender Prozess, der den Machtanspruch Chinas heute deutlich gestärkt hat.


Wilfried Krokowski

Senior Advisor and Founder of Global Procurement Services, Lehrbeauftragter – University of Applied Sciences Kiel

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