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Lieferantenbewertung: Nachhaltigkeitsmanagement bei Wienerberger

Lieferantenbewertung: Nachhaltigkeitsmanagement bei Wienerberger
„Zukunftsfähige Lösungen erfordern einen ganzheitlichen Zugang.”

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Christine Vieira Paschoalique ist seit 2006 im Bereich Nachhaltigkeit bei der Wienerberger AG tätig und verantwortet seit 2014 als Head of Corporate Sustainability das unternehmensweite Nachhaltigkeitsmanagement. Im Interview sprach sie über die Nachhaltigkeitsreise des Unternehmens und über Maßnahmen und Tools im Lieferantenmanagement.

Beschaffung aktuell: Der Ziegelproduzent Wienerberger hat Nachhaltigkeit schon früh auf die Unternehmensagenda gesetzt. Wie haben Sie angefangen, das Thema im Unternehmen umzusetzen?

Christine Vieira Paschoalique: Nachhaltigkeit ist seit jeher Kern der Welt von Wienerberger und wird stark von der Geschäftsführung gefordert und gefördert. Seit meinem Start in 2006 ist das Thema enorm gewachsen und hat sich gleichzeitig hinsichtlich der Anforderungen an ein internationales Unternehmen verändert. 2009 haben wir den ersten Nachhaltigkeitsbericht für Wienerberger umgesetzt, was ein wichtiger Schritt war. Dann, mit der Verantwortung für die Koordination des Nachhaltigkeitsmanagements für die gesamte Wienerberger Gruppe, haben wir 2014 gemeinsam mit unseren Business Units auch erstmals eine Wesentlichkeitsanalyse mit unseren Stakeholdern durchgeführt, davon waren 80% extern. Auf Basis der Ergebnisse zu den für Wienerberger wichtigen Nachhaltigkeitsthemen konnten wir ein gruppenweites Nachhaltigkeitsprogramm mit messbaren Zielen, konkreten Maßnahmen und Fristen entwickeln. Dieses Programm, die Sustainability Roadmap 2020, ist jetzt abgeschlossen. Letztes Jahr haben wir eine neue Wesentlichkeits-, Impact- und Risikoanalyse durchgeführt und auf Basis dieser Erkenntnisse ein neues Nachhaltigkeitsprogramm 2023 entwickelt, das in unsere Unternehmensstrategie eingebettet ist. Die Ziele dieses Programms zur Treibhausgasreduktion, Kreislaufwirtschaft und zur Förderung der Biodiversität sind Bestandteil unseres Beitrags zum European Green Deal. Außerdem freuen wir uns, dass Mark Van Loon seit Anfang 2021 als neuer Abteilungsleiter (SVP) der neu definierten Abteilung Group Sustainability and Innovation unser Nachhaltigkeitsengagement unterstützt.

BA: Welche Rolle nimmt die Lieferkette beziehungsweise nachhaltige Beschaffung dabei ein?

Paschoalique: Eine nachhaltige Beschaffung nach Umwelt- Sozial- und Governance-Gesichtspunkten war lange Zeit ein weißer Fleck auf der Nachhaltigkeits-Landkarte, weil die Umsetzung dieses Bereichs komplexer ist als das Nachhaltigkeitsmanagement im eigenen Unternehmen. Doch wenn unsere Lieferanten gewisse Mindeststandards nicht einhalten, dann ist es genauso schlimm, als wenn es in unseren eigenen vier Wänden passieren würde. Mit der Zentralisierung des Einkaufs vor ein paar Jahren wurde eine resiliente Plattform geschaffen, die eine gruppenweite Implementierung von Tools, Prozessen und gemeinsamen Instrumenten für ein verantwortungsbewusstes Lieferantenmanagement ermöglicht. Insbesondere das starke Commitment im Corporate Procurement Team und von Seiten des Vorstands, unsere Lieferanten ebenso in die Pflicht zu nehmen, wie wir das bei uns selbst tun, hat die rasche Umsetzung unseres Lieferantenmanagements hinsichtlich Nachhaltigkeitsfaktoren ermöglicht. Dabei hat die Kooperation mit EcoVadis eine wesentliche Rolle eingenommen, gemeinsam mit anderen Prozessen und Tools, die implementiert wurden.

BA: Wie sieht Ihr Programm für nachhaltiges Lieferantenmanagement konkret aus?

Paschoalique: Zum einen wurde ein Supplier Code of Conduct als eine klare Kommunikation unseren Lieferanten und auch unseren anderen Stakeholdern gegenüber erstellt. Weitere Maßnahmen sind unter anderem ein monatlicher Sanktionslisten-Scan aller in SAP erfassten Lieferanten über eine interaktive Datenplattform hinsichtlich internationaler Sanktionslisten. Außerdem lassen wir Mitarbeitende des Einkaufsbereichs durch externe Zertifizierungsinstitute für die Durchführung von Lieferantenaudits ausbilden. Ziel ist es, konzernweit standardisiert Lieferantenaudits durchzuführen und in jeder Landesgesellschaft mindestens einen zertifizierten Mitarbeiter für die Durchführung dieser Audits zu verfügen. Jedoch war für uns klar, dass wir für eine wirkliche ESG-Bewertung einen externen Partner brauchen, der auch die entsprechenden Ressourcen, Plattformen, Tools und Prozesse hat. EcoVadis ist aufgrund seiner internationalen Aufstellung und der Größe der bereits bestehenden Plattform ein attraktiver Kooperationspartner. Dazu kommt, dass die Art und Weise, wie Informationen zur Nachhaltigkeitsleistung der Lieferanten verfügbar gemacht werden, sehr praktikabel ist.

BA: Wie ist EcoVadis in Beschaffungsprozesse integriert?

Paschoalique: Unser Supplier Management Tool, in dem sämtliche relevante Informationen für jeden Lieferant dargestellt sind, ist direkt verlinkt mit den EcoVadis-Ergebnissen. Das heißt, dass wir bei Lieferantenentscheidungen mit einem Blick die finanziellen Rahmenbedingungen, die Geschäftsbedingungen und die Nachhaltigkeitsperformance einsehen und berücksichtigen können. Unsere Bewertungsstrategie haben wir mit den strategisch relevanten Lieferanten begonnen, mit dem Ziel, diese so breit wie möglich auszurollen.

BA: Wienerberger hat auch selbst ein EcoVadis Rating – welche Rolle spielt das für Ihr Unternehmen?

Paschoalique: Das Augenmerk auf Ratings wird immer größer und unsere Investoren, Partner und Kunden fragen nach unserer Nachhaltigkeitsperformance und entsprechenden Ratings. Im Zuge der Ratings ist uns bewusst geworden, dass es dabei nicht nur um die konsequente, strukturierte Umsetzung unseres Nachhaltigkeitsmanagements oder die transparente Kommunikation von Prozessen und Maßnahmen geht. Bei Ratings geht es vielmehr darum, unsere Bekenntnis zum nachhaltigen Agieren hinsichtlich Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen über Policies zu belegen und damit unser Commitment in einem bestimmten Kommunikationsrahmen zu definieren. Das war für uns ein wertvoller Lernprozess.

BA: Wienerberger hat im November 2020 die Silbermedaille von EcoVadis für seine Nachhaltigkeitsleistung erhalten – welchen Rat würden Sie einem Unternehmen geben, das gerade mit nachhaltiger Beschaffung beginnt?

Paschoalique: Das Lieferantenmanagement ist ein großer, komplexer Themenbereich und hier einen sinnvollen Startpunkt zu finden, fällt Unternehmen schwer. Sehr hilfreich war für uns im ersten Schritt, die potenziellen Auswirkungen oder Risiken entlang unserer Einkaufsbereiche und Lieferantengruppen zu definieren. Damit war klar, wo wir beginnen und in welcher Abfolge geplanten Maßnahmen ausgerollt werden müssen. Einen Partner wie EcoVadis an der Seite zu haben, der hier Erfahrung hat und die Unternehmen dabei unterstützt, strukturiert Informationen über die Lieferanten zu bekommen, ist eine große Hilfe.

Das Interview führte sd, Beschaffung aktuell.

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