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Lieferkette der Zukunft: Neue Technologien und beispielhafte Projekte

Neue Technologien und beispielhafte Projekte
Die Supply Chain der Zukunft – ein Netz statt einer Kette

Technologische Innovationen wie die Blockchain, künstliche Intelligenz und das Internet of Things bieten enormes Potenzial für die Lieferketten. Bild: immimagery/stock.adobe.com

Die Anforderungen an Unternehmen entlang der Lieferkette sind enorm gestiegen: kurze Lieferzeiten sowie erhöhte Transparenz über die Produktherkunft, Nachhaltigkeit und Sorgfalt in der Lieferkette. Die Prozessoptimierung in der Supply Chain bietet vielfältige Möglichkeiten, um aktuelle und künftige Herausforderungen zu meistern. Aber wie muss eine Lieferkette idealerweise beschaffen sein – und welche Schlüsseltechnologien spielen dabei eine Rolle?

Zunächst einmal sollte die Supply Chain weniger eine Kette, sondern eher ein Netz sein. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten wird künftig eine noch wichtigere Rolle spielen als heute. Es gilt, aus firmeninternen Silos in Unternehmensnetzwerke bzw. auf Industrieplattformen zu wechseln und gemeinsam Daten optimal zu nutzen, Informationen zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu lenken und Abläufe effizienter zu gestalten – mithilfe neuer Technologien.

Technologien mit Zukunftspotenzial

Die erhoffte Entspannung für den Welthandel ist ausgeblieben. Stattdessen werfen neue Krisen wie die Folgen des Krieges gegen die Ukraine weitere Probleme auf. Auch das neue Lieferkettengesetz, das 2023 in Kraft tritt, stellt Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen.

Alles Gründe, die Digitalisierung der Lieferkette weiter voranzutreiben. Technologische Innovationen können dabei unterstützen, die globalen Lieferketten besser gegen unvorhersehbare Ereignisse zu wappnen und sich vom Wettbewerb abzuheben: durch größere Agilität, Flexibilität und Planungssicherheit. Drei wichtige Schlüsseltechnologien dafür sind:

  1. Blockchain – Die Technologie zeigt, was in der Lieferkette an Transparenz und Sicherheit möglich ist. Sie ist die Basis für einen sicheren Datenaustausch. Zum Beispiel im Rahmen einer „Private Blockchain“, zu der nur eine definierte Gruppe an Teilnehmern Zugriff hat. Durch Verschlüsselung, klar definierte Schreib- und Leserechte und die Unverfälschbarkeit der Informationen kann eine vertrauensvolle und effiziente Kommunikation sowie Zusammenarbeit entstehen. Dazu tragen auch die sogenannten „Smart Contracts“ Mit diesen, regelbasierten Programmen lassen sich verschiedene Prozessschritte in der Blockchain automatisieren. Wird also eine vorher definierte Aufgabe als abgeschlossen erkannt (z. B. „Ware ausgeliefert“), kann der Smart Contract automatisch die entsprechende Zahlung auslösen.
  2. Internet of Things (IoT) – Das Internet der Dinge, das physische und virtuelle Gegenstände verbindet, wird künftig gemeinsam mit intelligenten KI-Prozessen für viele richtungsweisende Entwicklungen maßgeblich verantwortlich sein. Dazu gehört auch der Einsatz von vernetzten Sensoren, mit denen sich weitere, wichtige Datenquellen für die Blockchain und ihre verschiedenen Anwendungsfälle erschließen lassen. Über Sensoren in Kühlcontainern kann zum Beispiel eine lückenlose, fachgerechte Kühlung nachgewiesen werden.
  3. Künstliche Intelligenz (KI) – KI kommt vor allem bei der Analyse großer Datenmengen und den daraus abzuleitenden Handlungsempfehlungen zum Einsatz. Das macht sie zu einer idealen Ergänzung, um unter anderem neue Daten zu analysieren, die über IoT gewonnen und dann auf der Blockchain abgelegt werden. Mit diesen Analysen lassen sichzusätzliche Mehrwerte für einzelne Unternehmen und das gesamte Öko-System entlang der Lieferkette schaffen.

Einzeln und im Zusammenspiel bieten die Technologien enormes Potenzial und sind die Basis dafür, durch Prozessoptimierung in der Supply Chain Gewinne zu generieren. Die Kombination aus Blockchain, IoT und KI verbessern die Transparenz, Verfügbarkeit und Effizienz einer Lieferkette erheblich. KI in Verbindung mit Blockchain verstärkt für IoT-Technologien den Datenschutz und erschwert das Hacken von Geräten oder das Fälschen von Produkten.

Allerdings gibt es einen Haken: Ihr ganzes Potential entfalten die Technologien nur dann, wenn alle Beteiligten in der Lieferkette aktiv zusammenarbeiten.

Beispielhafte Projekte zeigen Mehrwerte auf

Der Grund, warum Beteiligte einer Lieferkette kollaborieren, lassen sich in einem Wort zusammenfassen: Incentivierung. Wenn Farmern, Produzenten, Logistikunternehmen oder Händlern klar ist, was die weitere Digitalisierung der Lieferkette ihnen und ihren Unternehmen bringt, besteht ein Anreiz für Kollaboration.

Erfreulicherweise gibt es eine ganze Reihe von Vorreitern aus verschiedenen Branchen, die mit ihren Projekten solche Mehrwerte in der Lieferkette bereits aufgezeigt haben:

Im Bereich des Lieferkettenmanagements beweist die Blockchain-Plattform TradeLens, die inzwischen über 300 Mitglieder vereint und  etwa zwei Drittel der weltweit per Container transportierten Fracht erfasst, ihr erhebliches Sparpotential. Die Mitglieder, zu denen Häfen, Logistikunternehmen und Finanzdienstleister gehören, tauschen untereinander über die Plattform vollautomatisch Rechnungen, Frachtbriefe und Zolldokumente aus. Der Mehrwert für alle Beteiligten liegt in einer schnelleren, sicheren Abwicklung und Transparenz. Unternehmen jeder Größe können sich der Plattform anschließen und damit in ein bestehendes Ökosystem einsteigen.

Das Zusammenspiel der drei Technologien zeigt auch ein Beispiel aus der Lebensmittelindustrie: Golden State Foods (GSF). Der US-amerikanische Zutatenlieferant beliefert Schnellrestaurants mit Burger-Patties – dank Blockchain, Sensorik und IoT nicht mehr gefroren, sondern frisch und in entsprechend hoher Qualität. GSF ist in der Lage, den Weg des Rindfleisches zu kontrollieren: vom Bauernhof bis zu dem Moment, an dem es im Restaurant auf den Grill gelegt wird. Die Lösung kombiniert Radiofrequenz-Identifikation (RFID) zur automatischen Transportverfolgung der Rindfleisch-Patties, IoT-Geräte zur Überwachung der Temperatur und Blockchain-Technologie zur Orchestrierung der Abläufe. Durch die erfassten und in nahezu Echtzeit zur Verfügung stehenden Informationen zur Menge der gelieferten Patties und deren Verbrauch, kann GSF den Restaurants rechtzeitig die benötigte Ware liefern und dabei das Einhalten der Kühlkette überprüfen. Dies optimiert den Lagerbestand in der gesamten Lieferkette. Zudem reduziert GSF die Lebensmittelverschwendung, indem Überproduktion und unsachgemäße Lagerung der Vergangenheit angehören.

Verschwendung in der Produktion verhindert auch die Blockchain-Lösung von Piacenza. Der italienische Luxus-Textilhersteller nutzt sie, um den gesamten Prozess der Stoffherstellung zu verfolgen: vom Eingang des Rohmaterials bis zum Verkauf. Die Möglichkeit, jeden Teil des Prozesses nachzuvollziehen, erlaubt es allen Beteiligten, die verschiedenen Schritte des Designs und der Herstellung zu dokumentieren und damit Transparenz zu schaffen – quasi vom Schaf bis zum fertigen Produkt.

Mehrwert durch Transparenz und Sicherheit schafft auch IBM Food Trust, eine Plattform zur Rückverfolgung von Lebensmitteln, die IBM mit Walmart betreibt. Das kooperative Netzwerk aus Landwirten, Verarbeitungsunternehmen, Großhändlern, Distributoren, Herstellern und Einzelhändlern erhöht die Transparenz und Verantwortlichkeit in der gesamten Lieferkette. Über die Plattform lassen sich Standort und Status von Lebensmitteln jederzeit nachverfolgen. Dies macht jede Rückrufaktion einfacher und schneller.

Effiziente und transparente Prozesse, Planungssicherheit in Produktion und Lagerhaltung, verlässliche Transporte und die Flexibilität, in Ausnahmesituationen schnell reagieren zu können, sind gute Argumente für Technologieeinsatz und Kollaboration. Dazu kommt aber noch ein weiterer immer wichtigerer Bereich: die Nachhaltigkeit, die künftig in der Lieferkette eine entscheidende Rolle spielen wird. 

Tatjana Meier, IBM Consuting, Schweiz
Bild: IBM

Die Autorin:

Tatjana Meier,
leitet die Blockchain Practice bei IBM Consuting in der Schweiz und begleitet in dieser Rolle Unternehmen von der Entwicklung einer Blockchain Strategie bis hin zur Implementierung der Strategie in konkreten Projekten.

 

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