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Was Logistik-Champions besser machen

Erfolgspotenziale und Benchmarks des Logistikmanagements
Was Logistik-Champions besser machen

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In Zusammenarbeit mit der Deutschen Post AG sowie der Bundesvereinigung Logistik BVL e.V. wurde unter Federführung von Prof. Dr. Christopher Jahns am Lehrstuhl für Einkauf, Logistik und Supply Chain Management der European Business School eine Untersuchung abgeschlossen. Sie identifiziert praktisch verwertbare Erkenntnisse über den derzeitigen Stand und die Zukunft der Waren-, Güter- und Dokumentenlogistik.

Für die Logistik-Studie wurden mit einem 37-teiligen Fragebogen insgesamt 12 500 deutsche Unternehmen aller Größenordnungen angeschrieben. Mit einer Rücklaufquote von 5,8 Prozent und 728 antwortenden Unternehmen und Institutionen ist diese Umfrage damit die bisher größte Logistikstudie. Die daraus entstandene Datenbank umfasst Unternehmen nahezu aller Branchen.

12 Prozent der Unternehmen verzeichneten im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro; das größte davon beschäftigt mehr als 400 000 Mitarbeiter. Fast zwei Drittel der beteiligten Unternehmen haben die eigene Wertschöpfungstiefe auf weniger als 60 Prozent reduziert, immerhin 34 Prozent sogar auf unter 40 Prozent sowie 20 Prozent auf weniger als 20 Prozent.
Die Wertschöpfungstiefen sind jedoch branchenabhängig sehr unterschiedlich; sie betragen
  • im produzierenden Gewerbe, Handel und Industrie durchschnittlich 50 Prozent,
  • bei Banken und Kreditinstituten durchschnittlich 83 Prozent,
  • in Versicherungsunternehmen durchschnittlich 70 Prozent,
  • sowie im öffentlichen Sektor durchschnittlich 68 Prozent.
Diese Verteilung macht deutlich, dass speziell im Banken- und Versicherungsgewerbe ein großer Handlungsdruck zur Reduzierung der eigenen Wertschöpfung und zum Outsourcen der Dokumentenlogistik besteht.
Die in den letzten Jahren gewachsene Bedeutung der Logistik und der Aufbau globaler Logistik-Player beruhen auf der Erwartung, dass die Höhe der Logistikkosten stetig steigen wird und deren Anteil an den Gesamtkosten der Unternehmen weiter zunimmt. Dies konnte belegt werden, obwohl die Logistikkosten branchenabhängig unterschiedlich ausfallen. Der Anteil beträgt
  • im produzierenden Gewerbe, Handel und Industrie durchschnittlich 18 Prozent,
  • bei Banken und Kreditinstituten durchschnittlich 16 Prozent,
  • in Versicherungsunternehmen durchschnittlich 9 Prozent,
  • sowie im öffentlichen Sektor durchschnittlich 13 Prozent.
  • Immerhin melden 38 Prozent der befragten Unternehmen und Institutionen einen Logistik-Kostenanteil von weniger als 6 Prozent.
Der permanente Druck zur Kostensenkung hat vor der Logistik nicht Halt gemacht. Branchenabhängig sind die Kostensenkungsziele
  • im produzierenden Gewerbe, Handel und Industrie durchschnittlich 6,7 Prozent,
  • bei Banken und Kreditinstituten durchschnittlich 6,6 Prozent,
  • in Versicherungsunternehmen durchschnittlich 5,6 Prozent,
  • sowie im öffentlichen Sektor durchschnittlich 6,1 Prozent.
Diese Kostensenkungsziele lassen den Ruf nach neuen, strategischen Managementansätzen und nach intensiven Qualifizierungsprogrammen laut werden.
Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen stuft die Logistik als strategische Waffe im Wettbewerb ein, ist jedoch zugleich der Auffassung, dass zwischen diesem Anspruch und der betrieblichen Realität noch eine erhebliche Lücke besteht. Zu deren Behebung ist eine deutlich verbesserte Wahrnehmung von Managementaufgaben der Logistik im Sinne von Management Excellence bei gleich bleibender Konzentration auf die operativen Verbesserungspotenziale in der Güter-, Waren- und Dokumentenlogistik im Sinne einer Operational Excellence erforderlich. Deutlich verbesserte Supportfunktionen, wie Benchmarking, Best Practices, Logistik-Tools sind notwendiger Bestandteil dieses Prozesses.
Die Statuserhebung und Zukunftsprognose hat folgende Erkenntnisse hervorgebracht:
– Die strategische Bedeutung des Logistikmanagements wird durch die befragten Unternehmen hervorgehoben. In den meisten Unternehmen besteht allerdings ein deutlicher Nachholbedarf bei der Implementierung logistischer Managementaufgaben.
– 75 Prozent der antwortenden Unternehmen halten die Verbesserungspotenziale in der operativen Güter- und Warenlogistik weiterhin für groß.
– 68 Prozent der Unternehmen sind der Auffassung, die Dokumentenlogistik könne wesentlich professionalisiert werden.
– Die erfassten Unternehmen können nach dem Stand ihrer Logistikaktivitäten in die Gruppen „Champions“ zu 12,5 Prozent, „Advanced“ zu 34,6 Prozent und „Basics“ zu 52,9 Prozent unterschieden werden.
– Es besteht die Notwendigkeit für einen integrativen Logistikansatz, der die Managementperspektive, operative Excellenz und den gezielten Einsatz von Logistik-Supportfunktionen vereint.
Weitere Befunde:
– Der Anteil der Logistikkosten an den Gesamtkosten steigt weiter und beträgt in 44 Prozent der Unternehmen mehr als 10 Prozent.
– In 110 der 728 Unternehmen (15 Prozent) liegt der Anteil der Logistikkosten sogar über 30 Prozent.
– In 69 Prozent der Unternehmen ist die Logistik eine strategische Waffe im Wettbewerb.
– In 68 Prozent der Unternehmen gilt Logistik als eine Top-Managementaufgabe.
Managementaufgaben in der Logistik
Die wichtigsten Aufgaben in der Logistik sind heute und künftig die Optimierung der Logistikprozesse, das Management interner IT-Systeme und die Entwicklung von Logistikstrategien. Nicht umsonst wird Logistik von 69 Prozent als strategische Waffe und von 68 Prozent als Top-Management-Aufgabe eingestuft. Die Managementaufgaben Entwicklung einer Logistik-Vision, Entwicklung einer Logistik-Strategie, Optimierung der Logistikorganisation sowie Logistik-Controlling werden noch von weniger als der Hälfte der ausgewerteten Unternehmen aktuell umgesetzt. Eine Ausnahme ist das Logistik-Prozessmanagement mit einem Anwendungsgrad von 66 Prozent. Das zukünftig immer wichtigere Logistik-Personalmanagement wird dagegen bisher nur von 19 Prozent der Unternehmen umgesetzt.
Operative Güter- und Warenlogistik
Die klassischen Probleme „zu hohe Bestände“, „zu hoher Flächenbedarf“, „zu geringe Lieferzuverlässigkeit“ gelten bei 40–50 Prozent der befragten Unternehmen weiter als ungelöst. Beschaffung und Bestandsmanagement bieten der Umfrage nach den besten Ansatz zur Optimierung; hier sehen die Unternehmen eine hohe Bedeutung und gleichzeitig hohes Optimierungspotenzial. Die Optimierungsansätze in der Produktionslogistik gelten dagegen bereits als stark ausgeschöpft. Die erfolgreichsten Optimierungsmaßnahmen sind nach den Umfrageergebnissen Transport-Outsourcing, Einführung von Kanban, Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle, Professionalisierung des Order-Fullfillments sowie Warehouse-Outsourcing.
Dokumentenlogistik
Erstmals wurden mit dieser Studie die Dokumentenflüsse in Unternehmen aus logistischer Perspektive untersucht. Größte Probleme in der Dokumentenlogistik sind nach Angabe von 45 Prozent aller antwortenden Unternehmen mangelnde Kostentransparenz, Platzprobleme, zu hohe Personalbindung und Mangel an eindeutigen Verantwortlichkeiten. Nicht umsonst stimmen 68 Prozent für eine erhebliche Professionalisierung der Dokumentenlogistik. Diese wird bisher jedoch von weit weniger Unternehmen aktiv optimiert als die Güter- und Warenlogistik. Wenn die Unternehmen die Dokumentenlogistik optimieren, wird der Erfolg allerdings als sehr hoch beurteilt. Die erfolgreichsten Optimierungsmaßnahmen sind demnach das Einscannen der Eingangspost und die elektronische Weiterleitung, elektronische Archivierung, Outsourcing von Falzen und Kuvertieren, Outsourcing des Frankierens und der standortübergreifenden Postverteilung sowie das Outsourcen des Drucks.
Netzwerkbildung
Synergie- und Kosteneffekte, Transfer von Know-how, Zugang zu neuen Kunden und Märkten über zusätzliche Distributionsnetze, Aufteilung der Risiken entlang der Wertschöpfungskette und Konzentration auf Kernkompetenzen sind Vorteile der Kooperation in Logistiknetzwerken.
Nahezu in allen untersuchten Branchen geben mehr als die Hälfte der Unternehmen an, dass Quantensprünge eher durch unternehmensübergreifende Zusammenarbeit statt durch Optimierung der Logistik im Alleingang erreicht werden. In der Automobilbranche sind sogar 88 Prozent der Unternehmen dieser Ansicht. Dagegen überrascht, dass Kooperationen im Handel und in der Konsumgüterindustrie nicht denselben hohen Stellenwert haben.
Traditionell in der Automobilindustrie verbreitete Steuerungskonzepte wie Kanban und verbrauchsynchrone Just-in-time-Versorgung können inzwischen als Klassiker des modernen Logistikmanagements gelten. Diese finden in fast allen Branchen Anwendung, wenn auch teilweise mit geringem Verbreitungsgrad von 11 bis 18 Prozent. Die Mehrheit davon setzt Kanban und Jit mit großem bis sehr großem Erfolg ein. Die Erfolgsquote erreicht in der Automobilindustrie 70 bis 80 Prozent, im Maschinen- und Anlagenbau sogar 80 bis 90 Prozent. Auch bei Banken und öffentlichen Einrichtungen haben 50 bis 60 Prozent hohen bis sehr hohen Erfolg mit Jit-Lösungen.
Logistik Management Navigator als integrativer Managementansatz
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass ein integrativer und zugleich praxisorientierter Ansatz für die Managementpraxis notwendig ist, um die operativen Problemstellungen der Logistik und die Managementaufgaben sinnvoll in einem Konzept zu integrieren. Der Logistik Management Navigator bietet so einen ganzheitlichen Orientierungsrahmen. Er verbindet die Managementperspektive mit den operativen Kernmodulen der Güter- und Dokumentenlogistik sowie mit den Supportmodulen.
Auf Basis des Logistik Management Navigators sowie dieser Studie wurde ein Logistik-Benchmarking-Tool entwickelt, mit dem Unternehmen den Entwicklungsstand ihrer Logistikaktivitäten im Vergleich mit über 700 Unternehmen evaluieren und die größten Differenzen zu den Best Practices und ihrem jeweiligen Branchendurchschnitt erkennen können.
Der Logistik Management Navigator wurde zudem als Wissensdatenbank weiterentwickelt, damit Unternehmer und Führungskräfte auf der Basis eines vorab durchgeführten „Logistik-Gesundheits-Checks“ geeignete Wege zur Verbesserung identifizieren und umsetzen können.
Die Studie „Logistik-Champions“ kann bestellt werden beim Deutschen Verkehrs-Verlag zum Preis von 89 Euro. sas
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