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Gebäudereinigung: Trends der Digitalisierung im Close-up

Trendreport
Gebäudereinigung: Trends der Digitalisierung

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Reinigungsabläufe im industriellen Umfeld sind genauso von der Digitalisierung betroffen wie viele andere Bereiche. Welche betriebswirtschaftlichen Chancen und Zukunftsaspekte die Digitalisierung bereithält, beleuchtet Sascha Nina Keller, Produktmanagerin Bodenreinigung EMEA Central beim Reinigungsgerätehersteller Nilfisk.

Ob diskrete Fertigung oder Prozessindustrie, die Wertschöpfungsketten der meisten Produktionsbetriebe vollziehen derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Zentraler Motor ist die allgegenwärtige Digitalisierung unserer Gesellschaft. Die neuen Denkmodelle wirken sich auf die gesamte Vernetzung der betrieblichen Infrastruktur aus und betreffen die Produktionsverfahren sowie die umgebenden Prozesse – also auch die damit verbundenen Reinigungsabläufe.

Zukunftsaspekt der Gebäudereinigung: Automatisierung

Wie hoch ist der aktuelle Automatisierungsgrad in den Kommunikations-, Informations- und Produktionsabläufen? Welche Möglichkeiten der weiteren Beschleunigung sind gegeben? Diese beiden Zukunftsfragen sind für Produktionsbetriebe essenziell. Schließlich erfordert die digitale Transformation eine hohe Geschwindigkeit, um sich an Markt- und Kundenforderungen anzupassen – sei es in der Adaption von Produktvarianten, Lieferantenketten oder Produktionsstandorten. Für diese hohe Agilität ist die Vernetzung aller beteiligten Akteure das A und O. Nur so entsteht die zur Prozessführung notwendige Datensymbiose über Anlagen und Prozesse hinweg.

Beim Blick auf die Reinigungsabläufe löst die Digitalisierung ähnliche Effekte aus. Der Einsatz vernetzter Reinigungstechnologien versetzt Unternehmen in die Lage, erhebliche wirtschaftliche Mehrwerte zu realisieren – von geringeren Prozesskosten bis hin zur besseren Ressourcennutzung. Im Vordergrund stehen sogenannte autonome Lösungen, also Maschinen, die aufgrund vernetzter Datenintelligenz sowie innovativer Steuerungs- und Sicherheitstechnologien ihre Arbeit selbstständig verrichten.

Der Automatisierungsfokus liegt hierbei auf der Bodennassreinigung, die über batteriebetriebene Maschinen wie die Liberty SC50 in Eigenregie umgesetzt werden – sei es zyklisch in definierten Mustern oder auch ad hoc. In Zukunft wird sich das autonome Leistungsspektrum auf eine Vielzahl an Reinigungsaufgaben und Interaktionen ausweiten. Denn vernetzte Reinigungsgeräte werden es ermöglichen, die Reinigungspläne an das Produktionsgeschehen anzupassen, Leistungsberichte in Echtzeit zu senden und den Betreiber zu benachrichtigen, wenn eine Wartung erforderlich ist. Analog zu den Konzepten von Industrie 4.0 werden in der Reinigungstechnik ganzheitliche digitale Ökosysteme entstehen, die von einem Echtzeit-Netzwerk aus Geräten, Systemen, Anlagen und kognitiven Computerapplikationen angetrieben, gesteuert und überwacht werden. Als Top-Player der Reinigungsbranche rechnet Nilfisk in den nächsten fünf bis sieben Jahren mit einem Umsatzanteil von zehn Prozent für autonome Lösungen.

Zukunftsaspekt der Gebäudereinigung: Mensch

Jenseits der digitalen Möglichkeiten zur Ressourcen- und Prozessoptimierung kann die Verfügbarkeit der menschlichen Arbeitskraft nicht so einfach an die aktuellen Bedürfnisse angepasst werden. Im Gegensatz zu vielen Befürchtungen, der Faktor Mensch würde in den Produktionsumgebungen der Zukunft an Bedeutung verlieren, ist der Fachkräftemangel heute wie morgen eine ernste Bedrohung für die Produktivität vieler Betriebe.

Auch die Reinigungsbranche sieht sich diesem Dilemma gegenüber. Egal ob Eigen- oder Fremdreinigung, viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, immer mehr Aufgaben mit gleichbleibender Mannschaftsstärke zu bewältigen – und das bei steigenden Auflagen in Sachen Hygiene und Arbeitssicherheit. Eine Automatisierung der Arbeitsabläufe mithilfe intelligenter Reinigungskonzepte wird hier ganz neue Perspektiven hinsichtlich Arbeitsproduktivität, -flexibilisierung und attraktiver Gesamtbetriebskosten eröffnen. Die Idee: Autonome Lösungen können als leistungsstarkes Teammitglied die Belegschaft effektiv entlasten – vor allem, wenn es um wiederkehrende Reinigungsmuster geht. Auf diese Weise werden menschliche Ressourcen frei, die komplexere Aufgaben übernehmen können.

Unternehmen, die sich mit der Anschaffung einer autonomen Lösung beschäftigen, sollten ein besonderes Augenmerk auf die Faktoren Prozesssicherheit und Einsatzflexibilität legen. Um diese Aspekte aus technologischer Sicht zu garantieren, wurde etwa die Liberty SC50 mit einer Kartierungstechnologie namens „SLAM“ (Simultaneously Localizing And Mapping) ausgestattet. Sie erlaubt es, die Reinigungsmuster während der Fahrt zu erfassen und zu kartieren. Sprich: Der Anwender fährt mit der Maschine die gewünschten Wege ab, wobei die SC50 automatisch Blaupausen des Raums erstellt.

Diese Kartierungsmethode ist auch Grundlage für eine neuartige Hinderniserkennung sowie die „Go-around“-Funktion. Hier erfasst die Maschine Hindernisse bis zu einer Entfernung von 25 Metern. Findet sie auf diese Weise statische Hindernisse, erstellt sie automatisch einen sicheren Go-around-Pfad. Tritt das Hindernis hingegen plötzlich auf, stoppt die Maschine und bestimmt den sichersten Weg. Bei „zu nahen“ oder sich annähernden Hindernissen ist die Liberty SC50 zudem in der Lage, die beste Vorgehensweise zu ermitteln und anzuwenden: umfahren, verlangsamen oder stoppen. Dank dieser Prozesssicherheit verfügt sie als erste Lösung ihrer Art über die internationalen Sicherheitszertifikate des American National Standards Institute (ANSI) und der Canadian Standards Association (CSA).

Zukunftsaspekt der Gebäudereinigung: Dokumentation

Dank der wachsenden Digitalisierung schrumpft die Welt zu einem Dorf. Und so ist es nicht verwunderlich, dass selbst kleinere und mittelständische Unternehmen ihre Prozesse an den Vorgaben globalisierter Märkte auszurichten haben. Ganz oben auf der Agenda stehen internationale Normen und Prozessstandards aus den Reihen von ISO, HACCP & Co. Aber auch die Anforderungen der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) bereiten Betrieben unterschiedlichster Branchen Kopfzerbrechen. Ein Faktor, der allen Gremien am Herzen liegt, ist die Dokumentation sämtlicher qualitäts- und sicherheitsrelevanter Produktions- bzw. Prozessschritte entlang der Wertschöpfung.

Diese Nachweispflicht wird in vielen Bereichen noch immer stiefmütterlich behandelt – sei es über Laufkarten, Listen oder Aushänge. Die Möglichkeiten der Vernetzung und Digitalisierung bieten hier eine effiziente, zukunftsorientierte Alternative: Über Fleet-Management-Systeme wie Track Clean lassen sich alle durchgeführten Reinigungsarbeiten lückenlos dokumentieren. Das Prinzip: Auf Basis eines verschlüsselten GPS-Netzwerks empfängt die Anwendung alle maschinenbezogenen Daten in Echtzeit und stellt diese in einem intuitiv zu bedienenden Web-Portal grafisch dar. Damit können viele Fragen rasch geklärt werden: Sind alle Maschinen in Betrieb oder nicht? Wo stehen die Maschinen? Wann und wie lange wurden die Geräte benutzt? Erfolgte die Reinigung in den definierten Bereichen gemäß Arbeitsplan? Welche Areale wurden in welcher Zeit (tatsächlich) bearbeitet? Gab es Störungen oder Besonderheiten im Arbeitsablauf? Das Ergebnis: Was vormals in manuellen Dokumentationen zeitaufwendig erarbeitet wurde, kann künftig automatisiert durch den Einsatz entsprechender Soft- und Hardwaretechnologien vonstattengehen.

Neben der Erfüllung aller Nachweispflichten geben Fleet-Management-Systeme detaillierte Einblicke in das Ressourcen- und Zeitmanagement sowie das richtige Setting des Maschinenparks. Gerade Letzteres ist in Zeiten von Lean Management und Standortdezentralisierung unerlässlich. Die Softwareanwendungen sind dabei nicht nur Inputgeber bei der Analyse und Überwachung der Kapitalbindung. Sie legen darüber hinaus den Grundstein für neue Geschäftsmodelle, wie in der gebrauchsabhängigen Nutzung von Reinigungstechnik („Pay-Per-Hour-Modelle“).

Zukunftsaspekt der Gebäudereinigung: Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit gehört zu den wichtigsten Trendfaktoren der Branche und umfasst ein weites Feld an Einflussgrößen. Ganz oben auf der Agenda steht natürlich die möglichst umweltschonende und zugleich verschwendungsfreie Verbrauchssteuerung der verwendeten Reinigungsmittel. Positiven Einfluss auf das ausbalancierte Zusammenspiel von Wirksamkeit und Ökologie in der Bodennassreinigung nehmen vor allem automatische Reinigungsmittel-Dosiersysteme. Warum? Die manuelle Dosierung ist eine einfache und kostengünstige Vorgehensweise, die jedoch hohe Fehldosierungen zulässt. Stationäre Mischanlagen hingegen garantieren ein personenunabhängiges Mischungsverhältnis, sind aber unflexibel installiert und binden den Anwender oftmals an einen Hersteller. Integrierte Reinigungsmittel-Mischsysteme, wie Ecoflex von Nilfisk, gehören zu den modernsten Entwicklungen in diesem Bereich. Das patentierte System ist direkt in die Bodenreinigungsmaschinen integriert und erlaubt, bis zu 50 Prozent Wasser, bis zu 35 Prozent Chemie und bis zu 20 Prozent Arbeitszeit einzusparen.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Nachhaltigkeit und Effizienz ist der „richtige“ Wasserdurchfluss. In herkömmlichen Bodenreinigungssystemen findet der Wasserauftrag auf den Boden ohne geschwindigkeitsgesteuerte Mengenregulierung statt. Nimmt die Maschine also an Fahrt auf, reduziert sich die aufgebrachte Wassermenge pro Quadratmeter, wodurch die Reinigungswirkung sinkt. Im umgekehrten Fall lässt sich eine unhygienische Pfützenbildung nur durch leistungsstarke Saugaggregate vermeiden. Geschwindigkeitsregulierte Wasserflusssteuerungen merzen diesen Missstand aus. Das Prinzip: Tritt der Anwender auf die Bremse, verkleinert sich der Durchmesser des wasserzuführenden Ventils, geht er hingegen aufs Gas, weitet sich das Ventil und der Wasserauftrag steigt. Auf diese Weise ist die aufgebrachte Wassermenge pro Quadratmeter stets gleich.

Zusätzlich finden sich nachhaltige Zukunftskonzepte auch bei den Antrieben. Vor allem wenn es um die Frage Innen- und/oder Außenreinigung geht, finden Unternehmen mittlerweile sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch attraktive Lösungen in sogenannten Hybrid-Maschinen.

Beim Stichwort Kunststoff geht der Trend auch in der Reinigungstechnologie in Richtung Recyclingfähigkeit. Hier sollten Unternehmen jedoch genau abwägen: Der Einsatz mehrfach recycelter Granulate kann zu Lasten der Lebensdauer gehen, da diese Materialien unter anspruchsvollen Anwendungsbedingungen schneller ermüden. Wirkungsvolle Einsatzgebiete finden sich dennoch, etwa bei der Produktion von Scheuerpads (sogenannte „Ecopads“), die zu 100 Prozent aus recycelten Kunststoffflaschen hergestellt werden.

Ein abschließender Blick auf das Thema Nachhaltigkeit gilt der Prozesssicherheit und -stabilität in den Produktionsabläufen. Staubbindesysteme, Filtertechnologien und intelligente Ergonomiekonzepte haben einen großen Einfluss auf hohe Anlagenverfügbarkeit und Qualitätsraten.

Fazit

Es steht fest, dass vernetzte, intelligente Prozesse die gesamten produktionsnahen Reinigungskonzepte nachhaltig verändern. Die Bereiche der Automatisierung wie beim autonomen Fahren, der Faktor Mensch und die Herausforderungen des Fachkräftemangels, die wichtiger werdende Dokumentationspflicht und Datenanalyse und die Nachhaltigkeit sind dabei wichtige Zukunftsthemen, die beim Einkauf von Reinigungsgeräten beachtet werden müssen und sich in den Total Cost of Ownership, also den Gesamtbetriebskosten, widerspiegeln.

Sascha Nina Keller, Produktmanagerin Bodenreinigung EMEA Central Nilfisk


Das Unternehmen

Nilfisk GmbH

… gehört zur Nilfisk A/S. Nilfisk blickt auf eine 114-jährige Tradition zurück und ist ein Anbieter professioneller Reinigungstechnik mit einem Umsatz von 1054 Mio. Euro im Jahr 2018. Über eigene Vertriebsniederlassungen und ein flächendeckendes Händlernetz ist das Unternehmen in über 100 Ländern der Welt vertreten. Die Produktpalette beinhaltet professionelle Hochdruckreiniger, Scheuersaug-, Kehr- und Kombinationsmaschinen, Einscheiben- und Poliermaschinen, Nass-/Trockensauger, Gewerbesauger und Sicherheitssauger. Hinzu kommen Sauger- und Produktfördersysteme. Dazu gehören Sicherheitssauger, pneumatisch betriebene Förderanlagen, Containment-Systeme, zentrale Absauganlagen sowie Hochleistungs-Industriesauger.

Kontakt: Nilfisk A/S, Brøndby, Dänemark
www.nilfisk.com/de-de


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