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Betrug in der digitalen Welt - Buchrezension

Wirtschaft
Buchrezension des Experten: „Betrug in der digitalisierten Welt“ von Michael Freytag

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Betrug in der digitalisierten Welt: erkennen, vorbeugen, schützen.
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Dieses hochaktuelle Sammelwerk beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven die wichtigsten Vermögensdelikte unserer Zeit: Es zeigt auf, wie Betrug in der digitalisierten Welt funktioniert, welche Folgen dies für Wirtschaft und Gesellschaft hat und wie eine einigermaßen wirksame Betrugsbekämpfung aussehen sollte. Die Autoren aus Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden, Beratung und Wirtschaft, Hochschulen sowie Kultur und Medien haben durchweg gut lesbare und spannende Beiträge zur Verfügung gestellt.

Die Digitalisierung verändert unseren Alltag immer mehr: Die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren und wie wir am Wirtschaftsleben teilnehmen. Wir verlassen uns beim Einkaufen und Verkaufen sowie bei Finanzgeschäften immer mehr auf digitale Unterstützung. Die Möglichkeit, Waren und Dienstleistungen aller Art im Internet bequem per Knopfdruck zu erwerben und zu bezahlen, ist ein fester Teil unserer Lebenswelt geworden.

Diese Entwicklung hat jedoch leider auch ihre Schattenseiten, denn Kriminelle haben die Sicherheitslücken in der digitalen Welt erkannt und erschließen sich intelligent lukrative Angriffs- und Gewinnmöglichkeiten. Die Phantasie der Täter kennt kaum Grenzen: Identitäten werden gestohlen, Kundenkonten manipuliert, oder es werden falsche Lieferadressen angegeben. Das Ergebnis: Jedes Unternehmen, jede Institution und jede Person kann im Internet Opfer von Betrügern werden. Die Zahl der Delikte und auch die Schadenshöhen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Herausgeber dieser Schrift, Michael Freytag, Vorstandsvorsitzender der Schufa Holding AG zitiert die polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts für 2017, die rund 910.000 erfasste Betrugsfälle in Deutschland ausweist. Ihr Anteil an der Gesamtkriminalität, also an allen Straftaten, kam damit auf rund 16 Prozent. Zu Recht verweist Freytag darauf, dass sich hierzu nur schwer effektiv belastbare Zahlen ermitteln lassen, da von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Eines ist jedoch sicher: Betrug gehört zu den am schnellsten zunehmenden Delikten im Internet.

Natürlich gibt es auch in der digitalen Welt ebenso wie in der analogen Welt vielfältige Betrugsformen. Die häufigste Betrugsform im Internet ist der Warenkreditbetrug, der in diesem Buch im Mittelpunkt steht. Die Tatsache, dass eine Zahlung ausbleibt oder der Kunde nicht auf Zahlungsaufforderungen reagiert, ist allerdings allein noch kein zuverlässiges Verdachtsmoment. Deshalb wird Betrug oft erst mit einer erheblichen Zeitverzögerung erkannt – etwa im Rahmen eines Inkassoprozesses, wenn herauskommt, dass der säumige Kunde nicht existiert oder nicht an der angegebenen Anschrift lebt. Für den Warenkreditbetrug gibt es in Deutschland besonders günstige Bedingungen, denn die in anderen Ländern weniger verbreitete verbraucherfreundliche Möglichkeit des Rechnungskaufs bietet Betrügern Angriffspunkte.

Die 21 Beiträge in diesem Buch beleuchten den digitalen Betrug aus den verschiedensten Perspektiven (juristisch, polizeilich, technisch, psychologisch). Sie stellen implizit oder explizit die Betrugsprävention in den Mittelpunkt.

Einige Beiträge seien hier kurz umrissen. Oliver Süme, Vorsitzender des eco-Verbandes der Internetwirtschaft skizziert initiierte Projekte, die schon heute der Betrugsprävention im Internet dienen. Der IT-Forensiker bei KPMG Alexander Geschonnek erläutert, wie Hacker bei ihren Angriffen auf Computersysteme vorgehen und skizziert, was im Ernstfall eines Sicherheitsvorfalls zu tun ist. Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, nennt die von seiner Behörde beobachteten zentralen Cyberbedrohungen und skizziert die BSI-Empfehlungen für einen wirksamen Schutz. Oberstaatsanwalt Andreas May, Leiter der ZIT in Gießen, erläutert die Ermittlungsarbeit und verweist auf die Grenzen der Rechtsprechung, wenn es um Strafverfolgung im digitalen Raum geht. Weitere Beiträge befassen sich mit dem Einsatz der modernen IT-Technik bei der Betrugserkennung.

Absolut lesenswert ist der Beitrag der drei Wissenschaftler Detlef Fetchenhauer, Anne-Sophie Lang und Dominik H. Enste zum originellen Thema „Otto Normalbetrüger: Psychologie eines alltäglichen Delikts“.

Fazit: Dieses Lesebuch lohnt sich für alle, die wissen wollen, wie heute betrogen wird und wie man sich schützen kann.


Prof. Dr. Robert Fieten,
fachlicher Berater der
Beschaffung aktuell,
Köln


Betrug in der digitalisierten Welt: erkennen, vorbeugen, schützen.
Michael Freytag. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt, 2019.
Hardcover, 256 Seiten. € 30,00. ISBN: 978-3962510572

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