Beschaffungsmarkt Südostasien: Das Projekt „Thailand 4.0“

Beschaffungsmarkt Südostasien

Das Projekt „Thailand 4.0“

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Thailands Hauptstadt Bangkok bei Nacht. Bild: eyetronic/Fotolia
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Das Königreich bietet gute Bedingungen für den Einkauf. Auch die Gründung einer Tochterfirma, zum Beispiel für die Produktion von exportbestimmten Gütern, kann sich lohnen. Für die Ostküste von Bangkok bis Rayong bestehen Ausbaupläne für die Logistik und die Ansiedlung von wichtigen Hightech-Industrien.

Im ASEAN-Staatenverbund bildet Thailand das Zentrum für die Automobilherstellung mit einem Ausstoß von rund zwei Mio. Fahrzeugen pro Jahr. Insbesondere japanische Marken wie Toyota, Mitsubishi, Mazda, Suzuki, Isuzu, Honda und Nissan (Marktanteil zusammen 85 %), aber auch amerikanische Marken wie GM und Ford produzieren hier. Das Land ist weltweit der zweitwichtigste Markt für Pick-up-Kleintransporter. BMW produziert in Rayong unter anderem Motorräder und die Serien X1 bis X5. In Thonburi montiert Mercedes-Benz die C-, E- und S-Klasse. Weitere Automobilproduktionsorte befinden sich in Rayong, Chachoengsao, Chonburi und Ayutthaya. Mittlerweile haben sich auch deutsche Automobilzulieferer wie Schaeffler und Brose nahe den Produktionsstätten angesiedelt. Andere produzierende Gewerbe entwickeln sich ebenfalls und Einkäufer finden, anders als in anderen südostasiatischen Staaten, ein breites Angebot an industriellen Vorprodukten. Der Entwicklungsplan sieht den Ausbau der Biochemie-, Luft- und Raumfahrt-, Elektronik-, Roboter-, Digitaltechnikindustrie an der Ostküste vor. Durch langjährige Erfahrung können thailändische Lohnfertigungsbetriebe auch anspruchsvolle Fertigung erledigen. 2017 bezog Deutschland, laut Gtai, Waren für rund sechs Mrd. Euro aus Thailand. Dabei lag der Anteil an den Gesamteinfuhren für Elektronik bei 36,7 Prozent. Danach folgten Elektrotechnik (9,5 %), Maschinen (8,3 %), Nahrungsmittel (6,6 %), Kfz und Teile (5,5 %). Der Anteil sonstiger Waren war 33,4 Prozent.

Sprungbrett in die südostasiatische Region

Die Logistikindustrie wächst gewaltig. Viele Großprojekte stehen an, die in der „Thailand Transport Infrastructure Development Strategy 2015–2022“ festgelegt sind. Das Land profitiert von seiner zentralen Lage in der Greater Mekong Subregion (GMS) und der ASEAN. Beim Logistics Performance Index 2018 der Weltbank befindet sich Thailand auf Platz 32 vor Südafrika (33), aber hinter Ungarn (31), Polen (28) und Portugal (23). 2019 sind Parlamentswahlen geplant, was sich auf Politik und Wirtschaft auswirken könnte.

Das Königreich eignet sich als Sprungbrett in den Absatzmarkt der Region und wie im Falle der Automobilindustrie sogar nach China. Die AHK Thailand (Deutsch-Thailändische Handelskammer) zählt aktuell 600 Mitgliedsunternehmen und unterstützt dabei, mit lokalen Zulieferern und Lohnfertigern in Kontakt zu kommen. Die Qualitätsansprüche im Lande sind relativ hoch und Standards nach der Normenreihe ISO 9000 üblich. Für den östliche Wirtschaft sind spezielle Privilegien und Anreize für Investments in Hightech, Infrastruktur, Logistik, Forschung und Entwicklung vorgesehen. Das Förderpaket umfasst nach der Befreiung von der körperschaftlichen Einkommensteuer für bis zu acht Jahre eine weitere Minderung um 50 Prozent über fünf Jahre. Weiterhin bietet es Befreiung von Importzöllen für Maschinen und Rohmaterial auf Exportprodukte, One-Stop-Services für Visa und Arbeitserlaubnisse etc.

Entwicklung des Logistiksektors

Mithilfe des Entwicklungsprojekts Thailand 4.0 soll sich das Land in eine fortschrittliche Nation mit einer auf Wissen basierenden Wirtschaft entwickeln und bis 2021 ein Hochlohnland werden. Das Cluster Aviation & Logistics wird als eine der Zukunftsindustrien aufgeführt, wobei geplant ist, Thailand zu einem Logistik-Hub zu entwickeln. Allerdings wird die Umsetzung des Projekts speziell in diesem Zeitrahmen wahrscheinlich scheitern, da das Land kaum über Spezialisten und Experten verfügt, die die Industrie modernisieren könnten. Gleichzeitig verschließt sich die Monarchie dem Import ausländischer Spezialisten. Nur 56 Prozent der Thailänder haben bisher Internetzugang, was ein zusätzliches Problem für die Entwicklung von hochausgebildeten Arbeitskräften darstellt. Was das Land braucht, ist eine breit angelegte Ausbildungsinitiative. Das Wirtschaftswachstum hat sich in der letzten Dekade auf etwa drei Prozent halbiert, was laut einem Weltbank-Bericht von 2016 an mangelnder Wettbewerbsfähigkeit liegt. Dieser geht auf den Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften zurück. Bisher sind die Logistikkosten mit fast 15 Prozent des BIP (8 % in den USA) nach wie vor relativ hoch. Der Warentransport erfolgt meist über Straßenwege (87 %) und selten über See- und Flusstransport (11 %). Da Thailand nach wie vor fast nur einspurige langsame Schienenverbindungen besitzt, erfolgt der Transport nur zu 1,4 Prozent via Schiene.

Logistische Großprojekte

Ein Lichtblick sind die geplanten logistischen Großprojekte und der Ausbau des Östlichen Wirtschaftskorridors (ÖWK: Chonburi, Chachoengsao, Rayong-Provinz, Randbezirke von Samut Prakan). Im ÖWK sind bereits exportorientierte, hochwertige Industrien wie die Automobilindustrie angesiedelt. Im Schnellverfahren sollen verschiedene Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Dazu gehören der Ausbau des U-Tapao International Airports bei Pattaya, der Hochgeschwindigkeitszug von Bangkok nach Rayong (Verbindung der zwei Stadtflughäfen Bangkoks und U-Tapao), die dritte Phase des Tiefseehafens Laem Chabang und des Seehafens Map Ta Phut, die Verdoppelung der Eisenbahnstraße zwischen den drei Seehäfen Bangkok Khlong Toei, Laem Chabang, Map Ta Phut sowie ein neues Industriegebiet. Laut dem stellvertretenden Transportminister Pailin Chuchottaworn entsteht Phase 3 des internationalen Seehafens Laem Chabang (Lloyd’s List Ranking 2016 Platz 20; 7,2 Mio. TEU) mittels PPP auf 2,6 km² und wird die Umschlagskapazität des Hafens von 11 auf 18 Mio. TEU, also Standardcontainer, erweitern. Zudem soll die Anzahl der verschifften Neuwagen von zwei auf drei Millionen Einheiten steigen. Der Baubeginn ist für 2019 geplant. Bis 2024 sollen vier weitere Containerliegeplätze, ein Küstenterminal mit einer Million TEU-Kapazität und ein Ro-Ro-Terminal für eine Millionen Kraftfahrzeuge entstehen. Die Logistikkosten im Lande sollen dadurch von fast 15 auf 12 Prozent sinken.


Dirk Ruppik,
freier Journalist in Kuala Lumpur

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