Zum Status der digitalen Transformation des Einkaufs - Studie "Vom Post-it zu Predictive" Eine Momentaufnahme zum Status der digitalen Transformation des Einkaufs - Beschaffung aktuell

Zum Status der digitalen Transformation des Einkaufs

Studie „Vom Post-it zu Predictive“ Eine Momentaufnahme zum Status der digitalen Transformation des Einkaufs

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Kollaborationen via Alibaba oder Risikominimierung mit Predictive-Tools – in welche technologischen Innovationen sollten Einkaufsorganisationen investieren, um bei der digitalen Transformation den richtigen Weg zu finden? Die Studie „Vom Post-it zu Predictive“ bietet Orientierungspunkte und unterstützt bei der Entscheidung.

Alexa, welcher Zulieferer bietet mir den niedrigsten Kupferpreis?“ Wer heute Amazons cloudbasierten Voice-Service mit dieser oder ähnlichen, geschäftsbezogenen Anfragen konfrontiert, darf keine hilfreichen Antworten erwarten. Denn noch befindet sich Alexa in einer Art „Lernphase“, in der B2C-Anforderungen wie die Koordination von Anrufen, Terminen und Pizzabestellungen per Sprachbefehl erst einmal reibungslos funktionieren müssen, damit die Anwendung in naher Zukunft auch um B2B-Angebote erweitert werden kann.

Doch die Sprachsteuerung des Online-Versandhändlers zeigt beispielhaft, wie wachsam Unternehmen technologische Innovationen im Blick haben sollten, um die Herausforderungen der digitalen Transformation zu meistern.

„Der Anspruch an eine neue Technologie sollte immer sein, dass sie den Nutzer von Komplexität befreit. Gerade im Einkauf ist das bei globalen Lieferketten mit immer neuen Veränderungen, Risiken und einer steigenden Datenflut natürlich ein ganz zentraler Punkt. Stattdessen schafft die Geschwindigkeit, mit der immer mehr neue Technologien um Aufmerksamkeit konkurrieren, neue Komplexität – wo soll man ansetzen?“, sagt Stephan Willigens, Bereichsleiter bei der msg industry advisors ag. Das Beratungsunternehmen untersuchte in 2017 in Kooperation mit dem Stiftungslehrstuhl für Procurement der Universität Mannheim, wie sich Einkaufsorganisationen in DACH in fünf Handlungsfeldern der Digitalisierung positionieren. Die hieraus entstandene Studie „Vom Post-it zu Predictive“ vermittelt eine Momentaufnahme zum Status der digitalen Transformation des Einkaufs in Branchen wie dem Maschinenbau, der Chemie- und Pharmaindustrie.

„Best Practice Fallstudien zur digitalen Transformation im Einkauf zeigen, dass in erster Linie nicht die Technologien an sich zu einer bestmöglichen Wertschöpfung führen – sondern die Bereitschaft, mit ihnen Wissen zu teilen. Etwa über datengetriebene Geschäftsmodelle, bei denen der Einkauf seine Daten in anonymisierter Form zur Verfügung stellt, um im Gegenzug Marktprognosen zu erhalten. Entsprechende Tools sind längst vorhanden, aber offenbar einfach noch nicht bekannt genug – bei unserer Studie zeigte nur gut jeder zehnte Entscheider Interesse daran, zwei Drittel hatten hierzu gar keine Meinung“, schildert Willigens. Gerade in stark kompetitiven Märkten sei die entscheidende Frage aber inzwischen nicht mehr, ob man Daten offener austausche, sondern welche dieser Daten erfolgsentscheidend seien und wie man mit ihnen umgehe. Zwei Technologien sind in dieser Hinsicht besonders wichtig: Predictive Analytics und Kollaborationsplattformen.

Predictive Analytics: auf lange Sicht attraktiv

Wie lassen sich Beschaffungsdaten für ein Frühwarnsystem nutzen, das auf Preisabweichungen hinweist? Und wie unterstützen diese Daten die Steuerung von Produktlebenszyklen? Im Tagesgeschäft sollte eine datengestützte, vorausschauende Planung eigentlich ein „Muss“ für den strategischen Einkauf sein: „Mit Predictive Analytics und Big Data-Konzepten lassen sich Bedarfs- und Preisprognosen schneller erstellen, das Supplier-Angebot auf globalen Märkten besser überwachen und somit Risiken in den Wertschöpfungsnetzwerken minimieren“, erläutert Willigens. Zudem vermuten laut Untersuchung viele der Entscheider, dass sich die größten Wertbeiträge von Predictive Analytics im strategischen Einkauf aus Marktanalysen ergeben könnten. Gut ein Drittel sieht diese bei der Lieferantenauswahl, fast ein Viertel bei Vertragsverhandlungen.

Doch gleichzeitig sind Einkaufsorganisationen beim tatsächlichen Einsatz von Zukunftstechnologien derzeit noch erstaunlich schwach aufgestellt. Dass Beschaffungsentscheider speziell bei Investitionen in Predictive Tools zögern, habe mehrerlei Gründe: „Diese Tools erzielen kurz- und mittelfristig nur dann Wertbeiträge, wenn die zugrundeliegenden Datenquellen eine hohe Qualität aufweisen – genau das ist in vielen Unternehmen noch nicht der Fall. Zudem befinden sich viele Predictive-Anwendungen noch in einem frühen Entwicklungsstadium, Use Cases sind also Mangelware. Langfristig werden diese Tools aber ein zentraler Bestandteil integrierter Einkaufslösungen sein. Je früher man Grundlagenwissen dazu aufbaut, desto treffsicherer fallen später Investitionsentscheidungen aus“, empfiehlt Willigens.

Einkaufsportale: mehr Kollaboration

Weiterer Handlungsbedarf besteht bei Technologien, die bereits weit entwickelt, aber noch nicht flächendeckend im Einsatz sind. „Einkaufsportale und -plattformen, also neutrale elektronische Netzwerke, die professionelle Einkäufer und Zulieferer zusammenbringen, scheinen von zentraler Bedeutung zu bleiben, da sie hilfreiche Zusatzinformationen bereitstellen und Abläufe im Beschaffungsprozess beschleunigen. Eine Mehrheit der befragten Entscheider evaluiert solche Lösungen bereits oder will sich mit dem Thema befassen. Interessant ist auch, dass mehr als jeder Zweite die Technologie und ihren Wertbeitrag als ausgereift wahrnimmt“, beobachtet Prof. Dr. Christoph Bode von der Business School der Universität Mannheim. „Aber auch aus einem anderen Grund wird sich dieser Bereich in Zukunft weiterentwickeln: Bislang dienten Einkaufsplattformen vor allem zur Beschaffung indirekter Güter bzw. Materialien, nicht jedoch zum Bezug von Direktmaterialien – etwa aufgrund von Problemen bei der Standardisierung der Zukaufteile oder einer aufwendigen Qualifizierung der Lieferanten. Aufgrund von Netzwerkeffekten könnte sich dies mit zunehmender Größe der Marktplätze allerdings schon bald ändern.“ Hier könnten auch kapitalstarke Wettbewerber aus dem Bereich der Konsumentenportale ansetzen und den Markt für Einkaufsplattformen mit eigenen Angeboten unter Druck setzen, worauf etablierte Anbieter von B2B-Plattformen wiederum mit neuen Angeboten reagieren müssten. Tatsächlich zeigen Geschäftsmodelle wie „Amazon Business“, das alle großen Online-Händler – neben Amazon und eBay in der westlichen und vor allem Alibaba in der fernöstlichen Hemisphäre – nach dem B2C-Markt bereits die nächste, größere B2B-Dimension anvisieren.

Mit ihrem Interesse an Portallösungen sind Einkaufsentscheider daher auf der richtigen Spur. Denn von einer kurzfristigen Diversifizierung von branchen- oder marktspezifischen Portallösungen würden Einkaufsorganisationen ebenso profitieren wie von einer mittel- oder langfristigen Dominanz der Handelsgiganten. Schließlich verfügen diese bereits über etablierte Händlernetzwerke, funktionierende technologische Infrastrukturen (Cloud, Shop-Systeme, Marketing) und vor allem über den Zugang zu neuen Kunden und Partnern auf der ganzen Welt. Schon anhand der bereits gesammelten B2B-Daten können sie Serviceleistungen anbieten, die bislang an die Expertise von Einkaufsorganisationen geknüpft waren. Mit den zugrundeliegenden Algorithmen differenzieren sie sich dabei von heutigen E-Procurement-Lösungen: Schnell und individuell am Bedarf des Unternehmens ausgerichtet könnte daher bald auch der Einkauf direkter Materialien funktionieren. Womit auch eine Unterhaltung mit Alexa über den besten Kupferpreis in greifbare Nähe rückt. sas


Zur Studie

„Vom Post-it zu Predictive“

In welchen Branchen sind Einkaufsorganisationen in puncto Digitalisierung bereits besonders gut aufgestellt – und wo sind die Schlusslichter zu finden? Welche Potenziale sollten Unternehmen schnell aktivieren? Hierüber informiert die Studie „Vom Post-it zu Predictive: Digitalisierung in Einkauf und Supply Chain Management“ der msg industry advisors ag und des Stiftungslehrstuhls für Procurement der Universität Mannheim.

Weitere Informationen siehe

www.msg-advisors.com/studie-digitalisierung

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