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Energieeinkauf als virtueller Netzbetreiber

Energiemanagement
Einkauf als virtueller Netzbetreiber

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Die Energieeinkäufer von Multi-Site-Unternehmen sind mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Zum einen ist die Verarbeitung der Energierechnungen aufwendig, zum anderen ging die Zahl der Energielieferanten für Multi-Site-Unternehmen zurück. Deswegen hat Meine-Energie ein Modell entwickelt: das Energiekonto „virtueller Netzbetreiber“.

Entstanden ist die Idee für das neue Einkaufsmodell des „virtuellen Netzbetreibers“ aus einer ganz anderen Not heraus. Seit mehr als zehn Jahren bietet Meine-Energie ein Portal, über das Unternehmen alle Prozesse des kaufmännischen Energiemanagements abbilden können. Die zentrale Rolle spielt dabei das Energiekonto, über das standort- und spartenübergreifend sämtliche energierelevanten Daten zu Verbräuchen, Verträgen und Kosten abgebildet sind. Die Prüfung der Energierechnungen kann dabei ebenso automatisiert erfolgen wie viele andere Abläufe. Damit haben Multi-Site-Unternehmen eine verlässliche Datenbasis für alle energiespezifischen Anforderungen, vom Einkauf über das Controlling bis hin zum Energiemanagement.

„Eine der größten Herausforderungen war es dabei für uns, die aktuellen Verbrauchsdaten zu den einzelnen Zählpunkten ins System zu bekommen. Bei Handelsketten mit Hunderten von Filialen, aber auch bei Kunden wie der Strabag-Gruppe, die den Energieeinkauf für mehr als 120 verbundene Unternehmen mit mehr als 1000 festen Verbrauchsstellen zentral bündeln, ist der Aufwand dafür oft immens“, erläutert Meine-Energie-Geschäftsführer Dirk Heinze die Situation. Zwar schrieb der frühere §21h des EnWG vor, dass der Kunde Anspruch auf die Daten hat, doch dieser Paragraf wurde inzwischen gestrichen. Nun soll der Kunde zwar laut Messstellenbetriebsgesetz Zugriff auf die Daten erhalten, doch die entsprechende Infrastruktur der intelligenten Messsysteme ist immer noch nicht ausgerollt. „Es bedarf viel händischer Arbeit, um Verbrauchsdaten zu erhalten, denn bei manch einem Netzbetreiber ist die Motivation, sie zu liefern, – freundlich ausgedrückt – überschaubar. Mit digitalen Hilfsmitteln, wie etwa der automatischen Lückenprüfung, können wir zwar die fehlenden Daten in regelmäßigen Abständen selbstständig nachfordern. Besser wäre es aber, wenn wir sie pünktlich geliefert bekämen“, so Heinze.

Konzept „virtueller Netzbetreiber“

Um die Ansprüche komplett durchsetzen zu können, hat Meine-Energie deswegen das Konzept des „virtuellen Netzbetreibers“ entwickelt. Dazu musste die Marktrolle des Multi-Site-Unternehmens neu definiert werden. Kern des Modells ‚Virtueller Netzbetreiber‘ ist dabei ein eigener Netznutzungsvertrag für das jeweilige Unternehmen sowie ein Bilanzkreiskonto für alle Standorte. Dieses Konto kann einfach über einen Dienstleister wie Meine-Energie beauftragt werden, ähnlich wie bei einem Bankkonto. Die Bündelung der Netznutzungsrechnungen für die Messstellen, die durch dieses Konstrukt möglich wird, übernimmt stellvertretend Meine-Energie. „Der Vorteil: Das Unternehmen tritt nun nicht mehr in der Marktrolle ‚Letztverbraucher‘ auf, sondern als ,Netznutzer‘ mit entsprechendem Vertrag, der als solcher ein Recht auf die Verbrauchsdaten sämtlicher Marktlokationen hat“, erklärt Dirk Heinze.

Lieferant lässt sich Bündelung bezahlen

Das Konstrukt birgt aber eine Reihe weiterer Vorteile: Bisher übernahm der Lieferant die Aufgabe, die jeweiligen Netznutzungsrechnungen in die eigene Abrechnung zu übernehmen und mit den Kosten für die jeweiligen Energielieferungen zusammenzuführen. Bezahlen lässt er sich das über die operativen Kosten, die er auf den Preis für die Energielieferung aufschlägt. Dazu kommt ein sogenanntes „Kontrahentenrisiko“, über das sich der Lieferant gegen den Zahlungsausfall seines Kunden absichert, da er im aktuellen Modell im Falle dieses Ausfalls das Risiko der Netzkosten trägt. Waren diese Kostenanteile in den vergangenen Jahren oft noch minimal, haben sie sich in letzter Zeit oftmals vervielfacht. „Wir können feststellen, dass die Energielieferanten den durch immer neue Anforderungen steigenden Aufwand unterschätzt haben und das Geschäft mit den Bündelkunden zunehmend unattraktiver finden. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass sich eine zunehmende Zahl von Lieferanten aus dem Multi-Site-Geschäft verabschiedet, weil sie die hohen Preise nicht mehr durchsetzen können“, berichtet Heinze.

Lieferantenwechsel einfacher möglich

Mit dem neuen Liefermodell wird auch der Lieferantenwechsel deutlich einfacher. Denn der zukünftige Lieferant muss nur seine Abläufe anpassen und keine Einzelrechnungen mehr pro Messstelle erstellen, sondern nur noch für die gelieferte Gesamtmenge.

Die Anzahl der Rechnungen reduziert sich so von oft mehreren hundert Einzelrechnungen auf wenige Dutzend. Denn der Lieferant verwaltet nur noch den Bilanzkreis des Kunden und stellt deshalb lediglich noch eine Gesamtrechnung über die tatsächlich gelieferte Energiemenge bzw. Regelenergie. Die bisher zusätzlich einkalkulierten Abwicklungskosten für einen Versorgerwechsel entfallen vollständig. Aus Sicht des Kunden wird der Gesamtprozess so deutlich weniger aufwendig und kostengünstiger.

Einheitliches Rechnungsformat inbegriffen

Wurden die Endkundenrechnungen bislang in vielfältigen Formaten geliefert, die nur schwer automatisiert zu verarbeiten waren, können die Netznutzungsrechnungen durch die Bearbeitung über Meine-Energie nun gesammelt als EDIFACT-INVOIC-Format zur Verfügung gestellt und dann direkt und digital in die Buchhaltung übernommen werden. Parallel dazu wird eine Inhaltswiedergabe im PDF-Format erzeugt, um die Zahlen auch für menschliche Augen lesbar zu machen. „Die Einsparungseffekte über das ‚Energiekonto „virtueller Netzbetreiber“ liegen allein durch den Wegfall der bisherigen Abwicklung über den Lieferanten bei oft mehreren Hundert Euro im Jahr pro Messstelle“, rechnet Dirk Heinze vor. Denn bislang musste die Positionen für die „Netznutzung“ für jede einzelne Messstelle auf die Endkundenrechnung umgelegt werden. Dies bedeutet, dass etwa zehn Positionen von der Netznutzungsrechnung auf die Endabrechnung übernommen werden mussten, nur um zusätzlich die Positionen „Energie“ und „EEG“ abrechnen zu können. Zudem steigt die Datenqualität, da nun ein direkter Anspruch auf tagesaktuelle Verbrauchsdaten entsprechend den geltenden Marktregeln besteht.

Zudem steigt die Datenqualität, da nun ein direkter Anspruch auf tagesaktuelle Verbrauchsdaten entsprechend den geltenden Marktregeln besteht. Die Weiterleitung über den bisherigen Energieversorger entfällt, da die jeweiligen Updates direkt geliefert werden. Dies sorgt für mehr Datentransparenz und Budgetsicherheit.


Info

Begriffe erklärt

  • Netznutzungsvertrag:
    Vertrag zwischen einem Netznutzer und
    einem Netzbetreiber. Der Vertrag regelt die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Vertragspartner im Zusammenhang mit der Nutzung eines Strom- oder Gasnetzes.
  • Netznutzungsrechnung:
    Abrechnung der Netznutzungsentgelte, die Strom- und Gasnetzbetreiber für die Netzdurchleitung erheben.
  • Bilanzkreis:
    Virtuelles Energiemengenkonto für Strom und Gas. Der Bilanzkreis stellt die Verbindung zwischen der virtuellen Welt des Strom- und Gashandels und der physischen Welt der Energielieferung und der Netzstabilität her.
  • Marktkommunikation:
    Durch die Bundesnetzagentur festgelegte Prozesse für den Austausch von Daten, beispielsweise beim Wechsel des Stromlieferanten.

(Quelle: Wikipedia)


Uwe Pagel, Press’n’Relations GmbH

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