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Das bewirkt das Lieferkettengesetz

Studie zeigt Potenzial des Lieferkettengesetzes
Das bewirkt das Lieferkettengesetz

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Einkauf wird lokaler, komplexer, teurer, aber auch nachhaltiger. So schätzen Beschaffungsprofis die Auswirkungen des Lieferkettengesetzes auf den Einkauf von Unternehmen ein. Das zeigt eine Studie der Bonner Einkaufsberatung amc Group und der CBS Cologne Business School. Die Mehrheit sieht das Gesetz als Treiber für ein nachhaltiges Lieferantenmanagement.

Die größten ökologischen und sozialen Belastungen der Geschäftsaktivitäten deutscher Unternehmen entstehen nicht an deren eigenen Standorten, sondern in den weltweiten Lieferketten. Entsprechend groß ist der Einfluss des Einkaufs. Die Sorgfaltspflicht von Unternehmen gegenüber ihren Lieferketten ist im neuen Lieferkettengesetz geregelt. Den Einkauf wird dies verändern. Wie, das zeigt eine Studie der Bonner Einkaufsberatung amc Group und der CBS Cologne Business School.

Gesetz macht Einkauf nachhaltiger

Betrachtet wurden die Auswirkungen der Gesetzesnovelle

  • auf die Nachhaltigkeit von Lieferketten,
  • auf das Lieferanten-, Risiko- und Warengruppenmanagement,
  • auf die Vertragsgestaltung mit Lieferanten.

Wie wichtig eine solche Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt ist, betont CBS-Präsidentin Prof. Dr. Lisa Fröhlich: „Die Studie erlaubt eine fundierte Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, denen sich der strategische Einkauf im Kontext der Etablierung transparenter, nachhaltiger globaler Lieferketten stellen muss. Bisher fehlt eine solche empirische Evidenz, auf deren Basis man den Erfolg nachhaltiger Maßnahmen im Einkauf deutlich besser auf ihr Erfolgspotential hin einschätzen kann.“

Die Ergebnisse fasst Studienleiterin Isabelle Groß zusammen: „Das Lieferkettengesetz wird die verschiedenen Funktionsprozesse des Einkaufs im Lieferanten-, Risiko-, Warengruppen- und Performance-Management verändern. Auf die Nachhaltigkeit von Lieferketten wird sich das Gesetz positiv auswirken. Das belegen die Einschätzungen unserer Studienteilnehmer deutlich.“ Die Umfrage unter EinkäuferInnen, Führungskräften und Logistik-ExpertInnen zeigt, wie polarisierend das Thema Lieferkettengesetz in Verbindung mit einer fairen Wertschöpfung ist. Isabelle Groß: „Nachhaltigkeit wird zu einem wesentlichen Bestandteil von Unternehmensstrategien. Eine Ausrichtung, die in den Unternehmenszielen und Werten, den Lieferantenverträgen und in Compliance-Vorschriften fest verankert ist, verdeutlicht, wie der Wandel zu einer fairen Wertschöpfung voranschreitet.“

Die 7 Haupt-Ergebnisse

Ausgewertet wurden 162 Fragebögen. Ein Viertel der Befragten kam aus dem strategischen Einkauf, zehn Prozent aus der Logistik. Dazu Führungskräfte, SpezialistInnen aus dem Einkaufssupport und dem operativen Einkauf.

1. Über die Hälfte ist mit dem Gesetz vertraut:

Über die Hälfte (58 %) der Teilnehmenden bestätigt, dass sie sich mit dem Lieferkettengesetz gut auskennen. Ein knappes Fünftel blieb neutral, ein weiteres Fünftel (22 %) gab an, sich nicht gut oder gar nicht damit auszukennen.

2. Die Mehrheit erachtet Gesetz für wichtig:

84 % der Probanden halten das Lieferkettengesetz für ein wichtiges Instrument für nachhaltiges Wirtschaften. Eine Minderheit (7 %) lehnt diese Aussage ab, ein kleiner Teil (8,4 %) ist unentschieden.

3. Vertragsanpassungen sind notwendig:

Mit gut 86 % ist die überwiegende Mehrheit der Befragten überzeugt, dass die Verträge mit Lieferanten künftig um Nachhaltigkeitsklauseln erweitert werden.

4. Komplexität nimmt zu:

Das Lieferantenmanagement muss durch das Lieferkettengesetz überprüft und neu bewertet werden. 90 % der Teilnehmenden bestätigen, dass Lieferantenbewertungen durch nachhaltige Kriterien wie Menschenrechtsbeeinträchtigungen und Umweltaspekte ergänzt werden. 85,8 Prozent glauben, dass die Klassifizierung von Lieferanten überarbeitet werden wird. Deutlich über die Hälfte (67,9 %) sind der Meinung, dass staatlich anerkannte Standards wie ISO-Zertifizierungen durch das Lieferkettengesetz an Bedeutung gewinnen.

5. Schulungen und Risikomanagement:

Die überwiegende Mehrheit der Befragten (rund 90 %) ist der Meinung, dass das Lieferkettengesetz Schulungen zu Nachhaltigkeit und zu neuen Compliance-Vorschriften erfordert. Fast genauso viele (86,5 %) sprechen sich für eine Erweiterung der Fähigkeiten des Einkaufs im Risikomanagement sowie für den Einsatz digitaler Lösungen aus (87,7 %). Über 90 Prozent erwarten eine stärkere Compliance-Überwachung durch das Lieferkettengesetz. 83 Prozent sind überzeugt, dass das Management von Risiken durch die Gesetzesnovelle nochmals an Bedeutung gewinnen wird.

6. Neue Einkaufsstrategien führen zu höheren Preisen:

Strategischer Einkauf funktioniert über die Betrachtung von Warengruppen. Dass es zu Strategieanpassungen kommen wird, glauben 77,8 Prozent der Befragten, 84 Prozent rechnen mit einer neuen Bewertung von Warengruppen. Eine große Mehrheit (80 %) erwartet Preissteigerungen. „Der Erlass des Lieferkettengesetzes sollte nicht als Kostentreiber für den Einkauf verstanden werden, und damit das Gesamtunternehmen, sondern als eine durchaus vertretbare Investition in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens“, kommentiert Lisa Fröhlich den wichtigen Aspekt eines nachhaltigen Kostenmanagements.

7. Einkauf wird lokaler und nachhaltiger:

Ein besonderer Schwerpunkt der Studie lag auf der Untersuchung der Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit durch das Lieferkettengesetz. Ein Großteil der Teilnehmenden (zwischen 71 und 76 %) glaubt, dass durch das Lieferkettengesetz lokale Lieferanten bevorzugt werden, es geografische Nachfrageverschiebungen geben und Local Sourcing als Einkaufsstrategie befördert wird. Noch mehr (87,7 %) sind der Meinung, dass künftig nachhaltige Produkte in Ausschreibungsprozessen bevorzugt werden. Dass all dies positive Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat, bestätigen 84 Prozent der Befragten. 89 Prozent sehen das Lieferkettengesetz als wichtigen Treiber für ein nachhaltiges Lieferantenmanagement.

Boost für nachhaltige Beschaffung

Die im Lieferkettengesetz definierte Sorgfaltspflicht bedeutet, dass Unternehmen sich proaktiv mit den Auswirkungen ihrer Tätigkeiten entlang der Lieferkette auseinandersetzten müssen. „Damit wird die schon zuvor vielfach diskutierte nachhaltige Beschaffung ein Stückweit mehr Realität, was die Ergebnisse unserer Untersuchung nun auch empirisch belegen“, resümiert die Einkaufs- und Nachhaltigkeitsexpertin Isabelle Groß. (pm)

Lesen Sie in der August-Ausgabe von Beschaffung aktuell welche Konsequenzen Unternehmen aus dem Lieferkettengesetz ziehen sollten.

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