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Kollaborative Highlights von der Automatica

Palettier-Cobots mit 20 bis 30 kg Traglast
Kollaborative Highlights von der Automatica

Auf der Messe Automatica 2022 im Juni gab es so viele kollaborative Roboter zu sehen wie noch nie. Bei der Betrachtung der Neuheiten fällt auf, dass vor allem starke Cobots für das Palettieren und die Maschinenbeladung im Trend liegen.

Mit Spannung war die Neuvorstellung von Universal Robots auf der Messe in München erwartet worden. Im Vorfeld hatte der dänische Hersteller eine große Neuigkeit angekündigt. Am ersten Messetag wurde das Geheimnis gelüftet: Universal Robots hat sein Portfolio mit dem UR20 um einen Cobot mit einer Traglast von 20 kg erweitert.

Mit seinem neuen Gelenkdesign soll das neue Modell neben der hohen Traglast auch bis zu 30 Prozent höhere Geschwindigkeiten und eine verbesserte Reichweite von 1750 mm bieten. Letztere ermöglicht es dem UR20, Teile bis zur vollen Höhe einer Standard-Europalette von zwei Metern zu stapeln, was vor allem fürs Verpacken und Palettieren wichtig ist. Darüber hinaus sieht das Unternehmen Einsatzmöglichkeiten beim Schweißen oder Maschinenbeladen.

Für die Dänen ist der UR20 der Auftakt für eine neue Generation industrieller Cobots, denn der 20-kg-Cobot wurde von Grund auf neu konstruiert und die Software wurde optimiert. Die Anzahl der verbauten Teile konnte um 50 Prozent reduziert werden, was den Roboter weniger störungsanfällig macht. Der UR20 wird voraussichtlich Ende des vierten Quartals 2022 zur Vorbestellung verfügbar sein und soll ab dem zweiten Quartal 2023 ausgeliefert werden.

Cobot für schwere Arbeiten

Der Hersteller Yaskawa hat mit der Vorstellung eines 30-kg-Cobot überrascht. Der Motoman HC30PL soll sich insbesondere für schutzzaunloses Palettieren eignen und kann dank der hohen Traglast schwere Kommissionierarbeiten übernehmen, die für Mitarbeiter sehr mühevoll sind. Der Motoman HC30PL basiert auf der gleichen Mechanik wie der HC20DTP. Allerdings wurde die Bewegungsfreiheit der Handachsen via Software so eingeschränkt, dass der Roboter nun 10 kg mehr stemmt. Die große Reichweite des kollaborativen Roboters erlaubt auf einer Standard-Europalette eine Stapelhöhe von 2 m.

Bei Verwendung eines zusätzlichen Boden-Scanners, der den Abstand zwischen Mensch und Roboter erkennt, kann die Arbeitsgeschwindigkeit an die Situation angepasst werden. So kann der Roboter seine volle Geschwindigkeit von bis zu 2 m/s erreichen. Mit dem Bediengerät Smart Pendant möchte Yaskawa zudem die Programmierung vereinfachen. Die Smart-Pattern-Wizard-Software soll den Bediener durch die einzelnen Schritte zur Erstellung verschiedener Palettiermuster leiten.

CRX-Familie mit drei Neuen

Eine Attraktion auf der Automatica waren auch die kollaborativen Fanuc-Leichtbauroboter der CRX-Baureihe, die passend zur Messe um drei Modelle nach oben und unten ausgebaut wurde. Neben den beiden CRX-Cobots (beide 10 kg Traglast) gibt es nun einen kleinen Bruder mit 5 kg Traglast und zwei stärkere Modelle mit 20 kg bzw. 25 kg Traglast.

Der CRX-5iA ist nicht nur preislich für Einsteiger attraktiv: Dank seines geringen Gewichts soll er sich vor allem für Aufgaben eignen, bei denen er gemeinsam mit dem Werker Tätigkeiten übernimmt. Die beiden stärkeren CRX-Modelle sollen Mitarbeiter vor allem bei Tätigkeiten mit hohen Lasten ergonomisch entlasten. Die Stärke des CRX-20iA liegt in der Maschinenbeschickung, während der CRX-25iA aufgrund seiner Reichweite und Nutzlast für Palettier- und Verpackungsanwendungen prädestiniert ist. Alle CRX-Modelle sind acht Jahre wartungsfrei. Zählt man die fünf CRX-Modelle mit den grünen kollaborativen Robotern der CR-Serie zusammen, verfügt Fanuc nun über eine Produktpalette von elf kollaborierenden Robotermodellen, die von 4 kg bis 35 kg Nutzlast reichen.

Ein Neuheiten-Feuerwerk

Das junge Unternehmen Neura Robotics hat mit dem Einstieg des Ex-Kuka-Chefs Till Reuter nicht nur eine spektakuläre Personalie verkündet, sondern auch ein wahres Feuerwerk an kognitiven Robotern gezeigt: Auf dem Stand waren auf 500 Quadratmetern 60 Roboter im Einsatz zu sehen – darunter auch einige Neuvorstellungen.

Die kognitiven Roboter nehmen Unternehmensangaben zufolge ihre Umwelt wahr (sehen, hören und fühlen), agieren autonom auf Basis von künstlicher Intelligenz, lernen aus Erfahrungen und können Menschen sicher von anderen Objekten unterscheiden. Seinem Flaggschiff-Roboter Maira hat Neura Robotics nun den kleineren Bruder Maira Junior zur Seite gestellt. Diese Kompaktversion eignet sich für Anwendungen mit einem kleineren Arbeitsbereich, etwa in medizinischen Umgebungen, und schließt damit die Lücke zwischen Lara und Maira. Auch die Familie der relativ kostengünstigen Lara-Cobots wurde weiterentwickelt. Neben Lara 5, 8 und 10 sind nun auch Lara 3 (Traglast 3 kg) und Lara 15 (Traglast 15 kg) verfügbar. Zudem hat Neura Robotics mit dem Liwa den Prototyp eines Roboters für unter 4000 Euro gezeigt.

Mit Mipa – kurz für My intelligent Personal Assistent – hat das Metzinger Start-up darüber hinaus den Prototyp eines Alltagsassistenten vorgestellt. Mipa ist eine multifunktionale Plattform, die zum Beispiel Aufgaben in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Laboren, im Einzelhandel oder auch im Haushalt übernehmen soll.

Sensitive Leichtbauroboter

Der Robotikspezialist Kuka baut sein Programm an kollaborativen Robotern ebenfalls aus und zeigte in München erstmals weitere Modelle seiner sensitiven Leichtbauroboter-Serie LBR iisy – mit Traglasten von 11 und 15 kg sowie einer höheren Schutzklasse. Ab Ende dieses Jahres sollen der LBR iisy 11 R1300 sowie der LBR iisy 15 R930 erhältlich sein. Sie sind neben dem LBR iisy 3 die ersten Roboter des Herstellers, die mit dessen neuen Betriebssystem iiQKA.OS laufen.

Cobot taktil wie ein Mensch

Die neue Robotergeneration Franka Production 3 (FP3) vom Hersteller Franka Emika punktet aufgrund ihrer Sensorik mit besonderem Fingerspitzengefühl. Mit den selbst entwickelten Drehmomentsensoren in allen sieben Achsen und der dezentralen Regelung in den Gelenkelektroniken, verfügt der FP3 über Eigenschaften, die laut dem Hersteller mit der Geschicklichkeit eines menschlichen Arms vergleichbar sein sollen.

Der Cobot besitzt aber nicht nur taktiles Fingerspitzengefühl, sondern lässt sich dank einer Cloud-basierten Plattform für vielfältige Automatisierungsvorhaben einsetzen – und das ohne jegliche Programmierkenntnisse, so das Unternehmen. Dafür soll eine Art App-Store-Konzept sorgen, in dem Anwender Apps von Franka Emika oder auch von Partnern finden. Mithilfe der Cloud-Plattform sollen Cobots zudem über ein KI-gestütztes Machine Learning ständig optimiert werden und voneinander lernen können.

Cobot trifft Industrieroboter

Denso Robotics hat seine Cobot-Familie zur Automatica um die Cobotta-Pro-Reihe erweitert. Die neue Serie soll die Vorteile eines kompakten Cobots, zu denen beispielsweise die sichere Mensch-Roboter-Kollaboration gehört, mit der hohen Geschwindigkeit und großen Präzision von Industrierobotern kombinieren.

Der Cobotta Pro wird ab Juli 2022 in zwei Modellvarianten angeboten: Der Cobotta Pro 900 mit einer Traglast bis 6 kg und einer Armreichweite von 908 mm sowie der Cobotta Pro 1300, der eine Armlänge von 1303 mm und Traglasten bis 12 kg bietet. Damit sind Cobotta-Pro-Roboter deutlich kräftiger als Densos Cobot-Premiere Cobotta, der nur 500 g bewegt. (ys)



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