Qualitätssicherung beim Global Sourcing

Die Einkaufsplattform für Dreh- und Frästeile aus China

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Anshun-Brücke und Fluss Jinjiang bei Dämmerung in Chengdu, Provinz Sichuan, China. Bild: LP2Studio/stock.adobe.com
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Die hohen Fertigungskosten in Deutschland erschweren es Einkäufern, Dreh- und Frästeile kostengünstig zu beschaffen. Das Start-up Neuform mit Sitz in Berlin und Guangzhou hat eine Online-Plattform für Fertigung entwickelt, die genau dieses Problem angeht. Bauteile können über eine digitale Plattform mit vorqualifizierten Fertigungspartnern in China und eigener Qualitätssicherung vor Ort einfach und kostengünstig eingekauft werden.

In Deutschland zählt die Industrieproduktion zu den teuersten der Welt. Trotzdem fertigt ein Großteil deutscher Mittelständler überwiegend vor Ort, da eine Produktion im Ausland viele Risiken und Schwierigkeiten mit sich bringt. Dazu zählen neben hohen Mindestbestellmengen vor allem die fehlende Rechtssicherheit bei der Beschaffung im Ausland. Allen voran ist aber die Sorge, die bestellten Bauteile nicht in der gewünschten Qualität zu erhalten. Genau hier setzt Neuform mit seiner Lösung für Einkäufer an.

Die Gründer von Neuform haben eine digitale Plattform entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützt, Dreh- und Frästeile günstiger und einfacher zu beschaffen. Industrieunternehmen können über die Plattform Dreh- und Frästeile anfragen, die im Anschluss bei vorqualifizierten Produktionspartnern in China produziert werden. Um eine hohe Qualität der Bauteile zu gewährleisten, arbeitet das Unternehmen nur mit ISO 9001 zertifizierten Partnern zusammen und hat ein deutsches Team in Guangzhou aufgebaut, welches die Partnerfabriken betreut und überprüft. Insgesamt hat das Start-up Zugriff auf über 1000 Maschinen über das bestehende Produktionsnetzwerk und kennt jede Fabrik persönlich. Erst nach einer gründlichen Qualitätssicherung verlassen die Bauteile die Fabrik und werden direkt zum Kunden versandt.

Wie funktioniert die Plattform?

Auf Neuforms digitaler Plattform können Einkäufer in wenigen Minuten ihre Fertigungsanfrage absenden. Dazu steht ihnen eine benutzeroptimierte Oberfläche zur Verfügung, in der alle relevanten Angaben gemacht werden. Technische Zeichnungen und CAD Dateien werden direkt angehängt. Anschließend erhält der Einkäufer innerhalb von 24 Stunden ein Angebot per E-Mail zurück. Über ein zentrales Matching wird der passende Produktionspartner in China ausgewählt, der den Auftrag anschließend bearbeitet und die Bauteile fertigt. Neuform bleibt bei jedem Schritt Ansprech- und Vertragspartner für den Einkäufer.

Ein Partnernetzwerk in China aufbauen

Um sicherzustellen, dass die Bauteile in einer hochwertigen Qualität gefertigt werden, arbeitet Neuform nur mit vorausgewählten Produktionspartnern zusammen. So müssen die Partnerbetriebe eine Reihe an formellen Kriterien erfüllen. „In China arbeiten wir nur mit Fertigern zusammen, die über ISO 9001 zertifizierte Produktionsmanagementsysteme verfügen und führen anonyme Testbestellungen durch, um Kommunikation, Geschwindigkeit und Qualität abschätzen zu können“, sagt Neuforms CEO Jonas Haring, der auch den Aufbau der Lieferkette in China verantwortet.

Anschließend fährt ein Neuform-Mitarbeiter persönlich zur Fabrik hin und begutachtet die Prozesse zur Qualitätssicherung. Dafür hat das Start-up ein deutsches Team in Guangzhou aufgebaut. Die lokale Präsenz ist für die Arbeit in China besonders wichtig, da hier ein besonderer Wert auf persönliche Beziehungen, „Guanxi“ gelegt wird.

Beim Aufbau des Partnernetzwerks in China kam dem Start-up Jonas Harings vorhandenes Netzwerk vor Ort zugute. Der Ingenieur hat bereits fünf Jahre im Land gelebt und somit intensive Vorerfahrungen in der Arbeit mit lokalen Fabriken.

Der Fokus des Angebots von Neuform liegt auf der Auftragsfertigung mechanischer Komponenten aus Metall oder Kunststoffen. Als Fertigungstechnologien liegt der Fokus aktuell auf CNC-Fräsen, -Drehen und Blechbearbeitung. Mit der Qualifikation weiterer Fabriken wird das Angebot stetig vergrößert, so ist bereits die Fertigung von Gussteilen und Baugruppen geplant. Das Startup schaut sich gerade auch verschiedene Lagerlösungen an um ein vollständiges Portfolio für mechanische Fertigung aufzubauen. Durch die große Flexibilität der Partnerfabriken und den Wahlmöglichkeiten beim Versand kann das Start-up das volle Spektrum von Einzelteilen bis große Serien abbilden. Eine Lieferung ab 10 Werktagen ist je nach Fertigungsprojekt möglich. Kunden sind insbesondere kleine und mittelständische Maschinenbauunternehmen aus Deutschland und Westeuropa.

Der Unterschied zu bestehenden Plattformen

Neuform geht hier gezielt anders vor als bestehende Online-Fertigungsplattformen und konzentriert sich nicht auf das schnelle Prototyping, sondern auf die Fertigung von Serien. Das Gründerteam wollte bewusst einen Mehrwert schaffen, der über die reine Zeitersparnis beim Einkauf hinausgeht.

„Durch die hohen Fertigungskosten in Deutschland und dem zunehmenden Preisdruck der Konkurrenz suchen Einkäufer nach neuen Wegen, Bauteile kostengünstig einzukaufen. Und hier setzten wir an: Über unsere Plattform machen wir die kosteneffiziente Fertigung im Ausland erst zugänglich für Einkäufer“, sagt Neuforms Mitgründerin Sandra-Lorena Bahlmann. „Von unseren Kunden bekommen wir ein sehr gutes Feedback, was die Qualität der Bauteile angeht.“

Das findet auch Patrick Theobald, CEO vom Datenvisualisierungsanbieter Peakboard, der bei Neuform das Gehäuse seiner Software fertigen lässt: „Mit Neuform als Partner konnten wir unseren Einkaufsprozess digitalisieren und erfolgreich industrielle Komponenten aus China beziehen – alles in einer hervorragenden Qualität, schnell und kostengünstig.“

Die Idee für Neuform entstand aus Jonas Harings Erfahrung als Produktionsingenieur bei einem Unternehmen im Medical Device Bereich und 5 Jahren Aufenthalt in China. Als Produktionsingenieur wusste er, wie schwer und teuer es in Deutschland sein kann, mechanische Komponenten einzukaufen und wünschte sich schon damals eine Lösung. Während seiner fünf Jahre in China arbeitete er eine Zeit lang mit Fabriken zusammen und hatte sich bereits ein Netzwerk vor Ort aufgebaut, als die Idee für Neuform kam. Warum nicht beides kombinieren? Westliche Unternehmen haben bereits großes Interesse am Einkauf in China, schrecken in vielen Fällen jedoch vor den Risiken zurück. Die Nachfrage nach der Fertigung mechanischer Komponenten ließe sich über China sehr gut decken und eine Plattform würde die Bauteile einfach zugänglich für Einkäufer machen. Überzeugt von der Idee sprach er kurze Zeit später mit Sandra-Lorena Bahlmann, die einen starken B2B-Marketing Fokus hat und selbst in China lebte. Sie sah ein großes Marktpotenzial in der Idee und zusammen überzeugten beide den Software-Entwickler Burak Son, der vorher bei unterschiedlichen Start-ups-Entwicklungsteams leitete – und zu dritt gründeten sie Neuform. Ein paar Monate später kam das deutsche Team in Guangzhou dazu, um das Fabrikennetzwerk zu betreuen. Zusammen arbeiten Sie an dem Ziel, den Fertigungsmarkt zu revolutionieren und globale Fertigung für europäische Kunden erreichbar zu machen.


Weitere Infos

Das Unternehmen

Mehr Informationen zur Neuform GmbH finden Sie auf www.neuform.io oder im unternehmenseigenen Blog unter blog.neuform.io.


Die Autorin

Sandra-Lorena Bahlmann, Co-Founder & CMO von Neuform

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