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Einkauf – Held der Dekarbonisierung

Wie Software dabei hilft, die Wertschöpfungskette zu dekarbonisieren und Emissionen zu reduzieren
Einkauf – Held der Dekarbonisierung

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Prof. Christian Heinrich (l.) und Robin Spickers bieten mit Carbmee eine Entscheidungshilfe für Unternehmen, um die Netto-Null-Emissionsziele in Scope 3 zu erreichen. Bild: Carbmee
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Unternehmen verpflichten sich zu Netto-Null-Emissionsziele, sind auf der anderen Seite aber ahnungslos, wenn es um die Dekarbonisierung ihrer Lieferketten geht. Dabei ist klar, dass bis zu 80 % der gesamten unternehmerischen Treibhausgasemissionen aus Scope 3 des GHG Protocols kommen. Hier sind die Beschaffungsabteilungen als Verantwortliche für die Lieferketten gefordert.

Unternehmen verpflichten sich zu Netto-Null-Emissionszielen, sind auf der anderen Seite aber ahnungslos, wenn es um die Dekarbonisierung ihrer Lieferketten geht. Dabei ist klar, dass bis zu 80 % der gesamten unternehmerischen Treibhausgasemissionen aus Scope 3 des GHG Protocols kommen. Hier sind die Beschaffungsabteilungen als Verantwortliche für die Lieferketten gefordert. Auf der anderen Seite herrscht bei vielen Beschaffungsteams und Lieferanten noch Unverständnis für die Notwendigkeit der Emissionserfassung bzw. Reduzierung. Zudem ist der Mangel an qualitativ hochwertigen Daten über die Emissionen der Wertschöpfungskette ein großes Problem. Hier setzt das Start-up Carbmee an.

Carbmee will Unternehmen dabei helfen, im Rahmen ihres Klimamanagements auch die Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) ins Visier zu nehmen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen, und diese als Parameter für Entscheidungen in der Beschaffung zu integrieren. Damit soll jede (Liefer-)Entscheidung kohlenstoffoptimiert und transparent werden.

Ausgangspunkt

Deutschland ist durch seine vielen und guten Industrieunternehmen wirtschaftlich sehr erfolgreich geworden. Allerdings muss man nun feststellen, dass genau diese Unternehmen, die Deutschland als Industrieführer einzigartig gemacht haben, einen unglaublich massiven Scope-3-Fußabdruck hinterlassen. Dabei stehen alle Unternehmen, die eine Lieferkette haben, vor dem gleichen Problem der Komplexität. Die Industrie als Ganzes kann nur dann Netto-Null-Emissionen erreichen, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Dabei muss allen klar sein, dass die Dekarbonisierung aufgrund der Fülle der Daten nur toolgestützt erfolgreich sein kann.

Problem erkannt

Unterstützt wird das Start-up Carbmee von erfahrenen C-Level Executives, wie Gisbert Rühl, Dr. Ulrich Piepel und Alexandra Morton. So erklärt Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender bei Klöckner & Co SE und ein Pionier der digitalen Transformation in der Stahlindustrie, über die Dringlichkeit der Dekarbonisierung in Industrieunternehmen: „Das Problem ist der unzureichende Zugang zu hochwertigen Daten. Darüber hinaus wird Dekarbonisierung meist als Kostenfaktor und nicht als vorausschauende Investition wahrgenommen. Software ist der Schlüssel, da sie die betriebliche Effizienz steigert und somit hilft, schnell datengetriebene Maßnahmen zu entwickeln. Es ist entscheidend, dass Beschaffungs- und Supply-Chain-Führungskräfte Nachhaltigkeit reibungslos in ihre Strategie für das nächste Jahrzehnt integrieren, um Scope-3-Emissionen langfristig zu vermeiden. Im Jahr 2030 werden Unternehmen, die keine Dekarbonisierungsstrategien umsetzen, verschwinden.“

Auch Dr. Ulrich Piepel, ehemaliger Chief Procurement Officer von RWE & Innogy, Senior Advisor bei Boston Consulting Group und SAP Ariba, unterstützt das Start-up bei seiner Mission: „Die Beschaffung arbeitet funktionsübergreifend wie keine andere Abteilung. Entscheidungen können nicht zentral getroffen werden, daher ist es notwendig, sie auf Kategorien und Lieferanten herunterzubrechen. Beschaffungsorganisationen fehlt es an hochwertigen Daten, um Entscheidungen zur Dekarbonisierung zu treffen, zumal Einkäufer keine Klimaexperten sind. Die Anzahl der Mitarbeiter im Einkauf zu erhöhen, macht weniger Sinn, da Digitalisierung und Automatisierung den Einkauf in die Lage versetzen, neue Herausforderungen zu meistern (wie z. B. Risk oder Spend Analytics im letzten Jahrzehnt). Digitalisiere oder stirb, lautet die Forderung.“

Alexandra Morton, ehemals SVP Supply Chain Management Europe von Adidas und Senior Director SCM Unilever & Starbucks, meint zu einer möglichen Klimaschutzstrategie in Unternehmen: „Die Reduktion von Treibhausgasemissionen entlang der Lieferkette zu erreichen, ist eine komplexe Herausforderung. Produkte werden oft primär im Ausland beschafft oder hergestellt, was die Zusammenarbeit mit den Lieferanten erheblich erschwert. Innovative Software ist der Schlüssel – sie hilft den Teams, einen klaren Fokus auf Hotspots zu bekommen und datenbasierte Entscheidungen und Maßnahmen zu treffen. Ein Bewusstseinswandel auf der Führungsebene ist ebenfalls unerlässlich. Es scheint kurzsichtig, organisatorische Effizienz und Kostenüberlegungen über notwendige Investitionen zur Reduzierung von Scope-3-Emissionen zu stellen, da dies letztlich die Loyalität der Kunden und den potenziellen Verlust von Wettbewerbsvorteilen gefährdet. Es ist an der Zeit, in diesem Bereich mit starken Führungskräften auf der C-Ebene zu handeln.“

Entscheidungshilfe per Software

Doch was macht Carbmee genau, damit die Kohlenstoffproduktion als Parameter mit in operative und strategische Geschäftsentscheidungen aufgenommen wird? „Die Qualität der Daten ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Dekarbonisierungsstrategie, daher müssen Produkte und Logistikprozesse gemeinsam mit Lieferanten auf Materialien heruntergebrochen werden. Berechnungsmethoden basierend lediglich auf dem historischen Spend des Unternehmens sind zu ungenau“, meint Robin Spickers, Managing Director bei Carbmee. „Wir stellen mit dem Environmental Intelligence System ein Decision-Making-Tool zur Analyse und Reduktion von Emissionen in der Wertschöpfungskette zur Verfügung.“

Dabei bietet die Software erst mal „nur“ eine Entscheidungshilfe für Unternehmen, um die wissenschaftlich fundierten Ziele in Scope 3 zu erreichen. Konkret versetzen wir operative Teams in die Lage, Kohlenstoffemissionen durch Zusammenarbeit zu analysieren und zu reduzieren. Besonders bei Kaufentscheidungen im B2B besteht ein großes Potenzial, wenn es um kohlenstofffreie Produkte oder logistische Prozesse geht. Die Beschaffung ist dabei wichtiger als je zuvor. Dr. Christian Heinrich, Managing Director von Carbmee: „Kohlenstoffoptimierte Beschaffungsleiter werden die Helden einer erfolgreichen Dekarbonisierung von Unternehmen sein.“ (sas)


Carbmee – Infos zur Software

Woher kommen die Daten zu Erfassung des Scope 3?

Robin Spickers: Wir verheiraten im Produkt automatisiert IPCC und GHG Protocol-konforme Umweltdatenbanken mit Unternehmensdaten

Gibt es eine Verknüpfung zum ERP oder ist es eine Stand-alone-Lösung?

Spickers: Das Environmental Intelligence System ist cloudbasiert, und kann sowohl stand-alone als auch per Integration arbeiten

Wie sieht es mit den Kosten für den Einkauf aus? Gibt es ein Bezahlmodel?

Spickers: Wir sind eine cloudbasierte Software-as-a-Service Lösung, d. h. es gibt ein Subscription Model.


Vorteile der Messung

Warum sollte eine Organisation ihre Scope-3-Emissionen messen?

Die Messung von Scope-3-Emissionen hat eine Reihe von Vorteilen. Bei vielen Unternehmen liegen die meisten Treibhausgasemissionen und Kostensenkungsmöglichkeiten außerhalb ihres eigenen Handlungsbereichs. Durch Messung von Scope-3-Emissionen können Organisationen

  • feststellen, wo sich die Emissions-Hotspots in ihrer Lieferkette befinden;
  • Ressourcen- und Energierisiken in ihrer Lieferkette identifizieren;
  • erkennen, welche ihrer Zulieferer in Bezug auf Nachhaltigkeit Vorreiter und welche Nachzügler sind;
  • Möglichkeiten für Energieeffizienz und Kostensenkung in ihrer Lieferkette identifizieren;
  • Zulieferer involvieren und sie bei der Umsetzung nachhaltiger Initiativen unterstützen;
  • die Energieeffizienz ihrer Produkte verbessern;
  • sich positiv auf ihre Mitarbeiter auswirken, um Emissionen aus Geschäftsreisen und Pendelverkehr zu reduzieren.

Quelle: Carbontrust.com


Scope 3

Nach dem GHG-Protocol (Greenhouse Gas GHG Protocol), dem wichtigsten und gebräuchlichsten Standard zur Erfassung von Treibhausgasemissionen auf Unternehmensebene, werden die Treibhausgasemissionen in drei Kategorien oder „Scopes“ unterteilt.

  • Scope 1 deckt direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen ab.
  • Scope 2 deckt indirekte Emissionen aus der Erzeugung von gekauftem Strom, Dampf, Wärme und Kühlung ab, die das betreffende Unternehmen verbraucht.
  • Scope 3 umfasst alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen.

Hintergrund: Das Greenhouse Gas GHG Protocol gilt als wichtigster und verbreitetster Standard zur Erfassung von Treibhausgasemissionen auf Unternehmensebene. Auslöser waren Diskussionen in den 1990er-Jahren, wie Unternehmen mit ihren Treibhausgasemissionen umgehen, wie sie diese standardisiert erfassen und berichten sollten. Im Jahr 2008 setzten etwa 60 % der Fortune-Global-500-Unternehmen den Standard ein, im Jahr 2017 waren es mehr als 90 %. Auch Unternehmen in Entwicklungsländern setzen zunehmend den GHG-Standard ein.

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