Die Highlights des BME-Symposiums in der Zusammenfassung von Dr. Robert Fieten

Highlights des 53. BME-Symposiums

Transformation jetzt – das Motto des 53. BME-Symposiums

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Das Motto des Symposiums „Transformation jetzt!“ brachte die Dinge auf den Punkt: Die strategische und organisatorische Neuaufstellung von Einkauf und Supply Chain Management in der VUCA-Welt, wie wir sie täglich erfahren, gestattet keinen Aufschub.

Im November war es wieder so weit: Das 53. BME-Symposium lockte knapp 2000 Einkaufsmanager, Supply-Chain-Experten und Logistiker und die in diesen Fachgebieten aktiven Dienstleister nach Berlin. Sie kamen mit großen Erwartungen und wollten sich das Rüstzeug für die richtige Aufstellung in Zeiten des digitalen Wandels, aber auch der aktuellen Handelskonflikte holen.

Der Vorsitzende des BME-Vorstandes, Horst Wiedmann, setzte gleich zu Beginn in seiner Eröffnungsrede klare Akzente passend zum Motto. Für ihn stehen Einkauf, Supply Chain Management und Logistik zurzeit vor größten Herausforderungen mit ungewissem Ausgang. Die Brexit-Frage sei weiter ungelöst, die globalen Handelskonflikte und der damit einhergehende Protektionismus, die leicht zu echten Handelskriegen führen könnten, verschärften sich. Die Rohstoffpreise und Währungskurse schwankten in erheblichem Maße als Folge der vielen geopolitischen Konfliktherde. Angesichts dieser Analyse konnte man die Symposiumsbesucher eigentlich nur noch willkommen heißen in der VUCA-Welt – ein modernes Akronym, das für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity steht. In einem solchen Umfeld kommen – so die Grundannahme des BME – die disruptiven Digitaltechnologien wie künstliche Intelligenz, Robotics oder Virtual Reality, aber natürlich auch Industrie 4.0 gerade recht – vorausgesetzt, man weiß, wie man damit richtig umgehen sollte. Das 53. Symposium wollte praxisgerechte Antworten geben für die digitale Transformation von Einkauf und Supply Chain Management.

Drei Treiber der digitalen Transformation

„Auch für uns ist das Veranstaltungsmotto von höchster Relevanz“, sagte Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, im Eröffnungsplenum. Nach seiner Auffassung stehen Mobilität und Logistik vor einem epochalen Umbruch.

Der Bahnchef nannte drei wesentliche Treiber, die die Digitalisierung fundamental beeinflussen würden. Erstens seien es die neuen Anforderungen der Kunden. Diese würden Mobilität völlig neu definieren, wie das Beispiel Carsharing zeige. Längst wolle bei der jüngeren Generation nicht mehr jeder Auto fahren in voll verstopften Städten. Ein zweiter Treiber für die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft seien die neuen disruptiven Digitaltechnologien. Sie böten neue Nutzungsmöglichkeiten wie autonomes Fahren und schafften neue Geschäftsmodellchancen. Als dritter Treiber für die digitale Transformation seien die „neuen Geschwindigkeiten bei der Skalierung“ zu nennen. So verkürzten sich die Zeiten, in denen neue Kommunikationsmedien den User erreichten, rapide. Alle drei Treiber führten dazu, „dass Digitalisierung unser Leben bestimmt“. Hier sei die Deutsche Bahn strukturell „gar nicht so schlecht aufgestellt“, betonte der CEO. „Wir haben aktive Kundenkontakte von 80 Millionen Personen im Kundenverkehr. Unsere DB Navigator wird täglich vier Millionen Mal angefragt. Damit ist er die meistgenutzte Reise-App“, so Lutz weiter. Er kündigte an, dass die Bahn im Rahmen des gemeinsam mit Politik und Wirtschaft aufgelegten Zukunftsprogramms „Digitale Schiene Deutschland“ ihre Infrastruktur „umfassend digitalisieren will“. Ziel sei es, mithilfe der digitalen Transformation die Bahnkapazitäten um bis zu 20 Prozent zu steigern. Inzwischen wurde eine hoffentlich tragfähige „Agenda für eine bessere Bahn“ entwickelt. Sie adressiert die völlig unzureichende Pünktlichkeit als den Dreh- und Angelpunkt und Grund für die Unzufriedenheit der Politik und der Bahnkunden.

Richard Lutz – mittlerweile selbst im Fadenkreuz der Politik – setzt große Hoffnungen in die Wunderwaffe digitale Transformation, die auch vor der Beschaffungsabteilung der Bahn nicht haltmache. Der Konzerneinkauf mit seinen rund 1000 Mitarbeitern steuere ein jährliches Beschaffungsvolumen in Höhe von über 30 Milliarden Euro und arbeite mit mehr als 18.000 Lieferanten zusammen. Lutz: „Der Bahneinkauf hat sich von einem klassischen Bestellzentrum zu einem integrierten Geschäftspartner, von einer isolierten Funktion zu einem gut verdrahteten, internen DB-Procurement-Netzwerk entwickelt.“ Die Beschaffung bei der Deutschen Bahn sei aktiver Teil der digitalen Transformation: als strategischer Partner der Geschäftsfelder, als innovativer Gestalter konzernweiter Abläufe und immer im engen Verbund mit den Lieferanten.

Die neue Arbeitswelt

„Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt gravierend“, betonte Dr. Ariane Reinhart, Personalvorstand der Continental AG, im Abschlussplenum. Sie stellte ähnlich wie Richard Lutz fest, dass die Digitaltechnologien die Herausbildung neuer Geschäftsmodelle ermöglichten und die Unternehmensorganisation grundlegend veränderten. Daraus resultierten wiederum tiefgreifende Veränderungen der Berufsbilder, Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse. Für sie als Personalvorstand gehe es daher vor allem um das Thema Enabling Transformation. Nur mit einem richtig verstandenen Human Relations Management, das nicht mit Human Resources Management, in dem der Mensch eine Ressource sei, verwechselt werden dürfe, könnten die Chancen der Digitalisierung optimal genutzt werden. Human Relations Management sei ein entscheidender Erfolgsfaktor der digitalen Transformation. Denn die wichtigsten Voraussetzungen, um die Chancen des digitalen Wandels vollständig nutzen zu können, seien offene, zukunftsorientierte Mitarbeiter mit digitalen Kenntnissen und der Fähigkeit, arbeitsplatzübergreifend zu denken, kombiniert mit einer agilen Organisation. Dazu bedürfe es netzwerkartiger Organisationsstrukturen, weniger hierarchischen Denkens, einer Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen und einer inspirierenden Unternehmens- und Führungskultur, die menschliche Vielfalt wertschätze und fördere.

Die Aufgabe von HR sei es vor allem, diesen Transformationsprozess zu stimulieren, zu begleiten und auch zu steuern. So könnten Unternehmen ihr Image als attraktive und fortschrittliche Arbeitgeber steigern und seien in einem sich verschärfenden Arbeitnehmermarkt interessant für die geeignetsten Bewerber. Bemerkenswerterweise fokussiere sich Continental bei der Rekrutierung der neuen Mitarbeiter(innen) nicht nur auf die Top-Absolventen, sondern habe mit großem Erfolg Programme gestartet für Studienabbrecher, aber auch Bewerber ohne Schulabschluss. Reinhart nannte vier Managementfelder, die für Continental zur erfolgreichen Umsetzung von Industrie 4.0 erforderlich seien. Dies seien „Diversity, Leadership, Flexibility und Learning“.

Ein Highlight war auch in diesem Jahr wieder die zum 30. Mal stattfindende Verleihung des BME-Innovationspreises unter Mitwirkung von Roboy, der sich vorstellt als „robot as good as the human body“. Auf der Bühne erwies sich dies allerdings doch als etwas hoch gegriffen. Den Award erhielt die Meyer Werft für ihr innovatives, die Risiken mit berücksichtigendes Lieferantenmanagement-System.

In einer Podiumsdiskussion und in einer Key Note des Neuro-Robotikers Rafael Hostettler wurden einige Facetten der komplexen Thematik Mensch versus Maschine in der digitalisierten Arbeitswelt angetippt.

Quellen für Handlungsempfehlungen

Die sehr zahlreichen parallelen Fachkonferenzen – unbestritten das Herzstück des Symposiums – fanden in diesem Jahr an allen Tagen statt und boten daher mehr Raum für die Diskussion als in der Vergangenheit, auch durch die erstmalig eingeführten Speakers Corners. Sie erfreuten sich regen Zuspruchs und zeigten vor allem auf, wie die rasant an Momentum gewinnende Digitalisierung ganzer Liefer- und Wertschöpfungsketten Einkauf und Supply Management zum Handeln zwingt.

So wurde deutlich, dass nur wer sich die digitalen Möglichkeiten zunutze mache, die neuen Potenziale für ein besseres Risiko- und Lieferantenmanagement, Controlling und Performance Management sowie eine Optimierung der Total Costs of Ownership optimal ausschöpfen kann. Im Zuge der Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinaus werde der Einkauf in Zukunft immer mehr in die Rolle des Managers der externen Wertschöpfungspartner – oder der neuen Ökosysteme – hineinwachsen.

Stark gefragt waren auch in diesem Jahr wiederum die interaktiven Executive Foren mit den Themen „Gain Momentum for the Digital Transformation of Procurement“, „The Future of Leadership“, „How to turn Digitalization into Value“ sowie „The Agile Future of Procurement“. Aus diesen Foren konnten die handverlesenen Executives Inspirationen für ihre Arbeit mitnehmen.

Highlight K.-T. Freiherr zu Guttenberg

Das Abschlussplenum war auch in diesem Jahr wiederum übergreifenden Themen gewidmet. Ein absolutes Highlight war die Key Note von Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister a. D., zur Frage „Europa & transatlantisches Verhältnis – quo vadis?“. Der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU sei nur vordergründig gelöst und der Streit um die Verteidigungsbudgets gehe weiter. Beide Konfliktfelder erwiesen sich als schwere Belastung für eine der Säulen der bisherigen Weltordnung: das von Vertrauen und Berechenbarkeit geprägte gute transatlantische Verhältnis. Klar sei, dass Europa sich nicht spalten lassen dürfe und sich enger zusammenschließen müsse. Ihn treibe die Sorge um, dass „es in Europa nicht gelingt, der globalen Umbruchsituation erfolgreich zu begegnen“. Im Umgang der EU mit der Trump-Administration zeigte sich zu Guttenberg „erschüttert über deren konzeptionelle Unfähigkeit“. Der US-Präsident sorge für eine „Inflationierung des politischen Skandals“. Angesichts der nach wie vor großen Anhängerschaft sei aber auch eine zweite Amtszeit Trumps „durchaus möglich“, denn Trump kündige nicht nur an, sondern „liefere“.

Den Schlusspunkt setzte Bruce Dickinson, Commercial Pilot, Chairman von Cardiff Aviation und Lead Singer der britischen Band Iron Maiden mit seinem Appell „Turning Customers into Fans“. Nach seinen Worten besteht für Iron Maiden die größte logistische Herausforderung nicht im Transport des Equipments im Umfang von rund 20 Tonnen, sondern in der hohen Zahl der Konzertbesucher – der Fans. So seien 1985 bei einem Auftritt in Rio de Janeiro mehr als 300.000 Fans dabei gewesen.

Für die Teilnehmer des Symposiums war das facegeliftete Symposium mehr als ein Community-Treffen: Sie erhielten Informationen und konkrete Empfehlungen aus erster Hand für die richtige Aufstellung im aktuellen Umfeld. Die digitale Transformation von Einkauf und Supply Management spielt dabei ohne Zweifel eine große Rolle. Sie ist aber nicht die Wunderwaffe schlechthin. Sie muss zu einem intelligenteren Einkauf führen, der sich in besseren Ergebnissen in GuV und Bilanz niederschlägt. Hierfür bedarf es in jedem Falle gut ausgearbeiteter Strategien, die von klugen Köpfen und weniger von Algorithmen entwickelt werden. Man darf die Prognose wagen, dass das Jahr 2019 ein turbulentes sein wird. Wir werden dann spätestens beim 54. BME-Symposium Einkauf und Logistik (13. November bis 15. November 2019) sehen, ob die im Herbst 2018 propagierten Empfehlungen „greifen“.


Prof. Dr. Robert Fieten,
fachlicher Berater der
Beschaffung aktuell,
Köln


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Wir sollten uns darauf einstellen, dass Donald Trump uns die nächsten sechs Jahre erhalten bleibt.“
Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg

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