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Auswahlkriterien für Wirtschaftsauskunft

Safety First in der Supply Chain
Wie Einkäufer die richtige Auskunftei finden

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Eine funktionierende Lieferkette gehört zu den wichtigsten Bedingungen für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb. Ein Blick in die Bilanzen bzw. die Jahresumsätze sowie Compliance Checks bei neuen und alten Partnern geben Aufschluss über die Zuverlässigkeit ihrer Lieferbeziehungen. Bild: yoshitaka/stock.adobe.com
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Zu den Aufgaben der Einkäufer zählt, ihre Lieferanten mit einem finanziellen Hintergrundcheck genau im Auge zu behalten. Ein Blick in die Bilanzen, die Jahresumsätze sowie Compliance Checks bei neuen und alten Partnern geben Aufschluss über die Zuverlässigkeit der Lieferbeziehungen. Viele Einkäufer setzen dabei auf Wirtschaftsauskunfteien, um tiefergehende Einblicke in ihre Geschäftspartner zu bekommen.

Wirtschaftsauskünfte greifen auf öffentlich verfügbare Quellen wie das Handelsregister, den Bundesanzeiger, veröffentlichte Bilanzen, Branchenverzeichnisse, Daten aus Inkassobüros oder Gerichten zurück. Zudem sammeln Sie Zahlungserfahrungen der Nutzer mit den Unternehmen: Wie viel Zeit benötigte das Unternehmen bzw. der Lieferant beispielsweise in der Vergangenheit, um seine Rechnungen zu begleichen? Eine manuelle Recherche wie etwa die Auswertung der Firmenhomepage gibt weitere Informationen, die für eine Risikobewertung bedeutend sein können. Einige Anbieter inkludieren zudem auch Informationen aus der Medienberichterstattung in die Auskunft. Dabei ist es jedoch unüblich, diese Informationen auch für den Bonitätsindex einzubeziehen, da eine automatische Textauswertung durch eine sogenannte Sentiment-Analyse fehlerhaft sein kann. Stattdessen wird mitunter manuell nach Meldungen zur Bonität von Unternehmen Ausschau gehalten und dabei gefundene Fakten (nicht Meinungen, etwa aus Kolumnen und Kommentaren) in der Risikobewertung berücksichtigt.

Die Arbeit der Auskunfteien liegt somit vor allem darin, durch gewissenhafte Recherche möglichst detaillierte und relevante Daten aus verschiedenen Quellen ausfindig zu machen, diese zu verifizieren und übersichtlich zu präsentieren. Dazu gehören neben den finanziellen Daten auch allgemeine Informationen zu Firmen und ihren Geschäftsführern.

Ein Blick ins Ausland ist essenziell

Weil viele (potenzielle) Lieferanten heutzutage im Ausland sitzen, ist eine internationale Abdeckung besonders wichtig. Entscheidend ist zudem, die Informationen über die Struktur des Zulieferunternehmens zu bekommen. So können Lieferschwierigkeiten z. B. durch eine Muttergesellschaft mit negativen Zahlungsmerkmalen vorausgesehen werden. Es erleichtert dabei die Arbeit der Einkäufer ungemein, wenn diese die Daten selbst einsehen können.

Einblick in die Daten auch für Einkäufer

Bei manchen Auskunfteien ist das Preismodell so angelegt, dass die Unternehmen pro Anfrage bezahlen. Fragen verschiedene Abteilungen an, kann dies zu einer Kostenexplosion führen, da sich die Preise für die Auskünfte addieren. Viele Unternehmen setzen daher einige wenige Bevollmächtigte ein, die Zugriff auf die Daten bekommen. Für Einkäufer spielt es dabei eine große Rolle, dass sie selbst die Informationen einsehen können, um ein genaues Bild der Lieferanten zu erhalten. Es kann sich in diesem Zusammenhang lohnen, eine Vollauskunft einzuholen, um verschiedene Abfragen von unterschiedlichen Abteilungen nicht mehrfach bezahlen zu müssen. Unternehmen sollten daher nach Festpreis-Modellen Ausschau halten, bei denen anhand eines geschätzten Bedarfs ein Jahresbetrag ermittelt wird, für den die Einkäufer dann beliebig viele Auskünfte einholen können und somit Budgetsicherheit erhalten.

Welchen Umfang sollten die Daten haben?

Abhängig von Anbieter und Art des Berichts variiert die Informationstiefe von einer Kurzauskunft oder „Ampelauskunft“ bis hin zu einem Premiumvollbericht stark. Verallgemeinernd können die Auskünfte in zwei grobe Gruppen unterteilt werden: Kurzauskünfte beschränken sich auf allgemeine Daten wie Adresse, Industrie, und Kontaktdaten. Zum Teil wird zudem eine einfache Bonitätsampel (grün, gelb, rot) zur Verfügung gestellt. Vollberichte sind dagegen deutlich umfangreicher und enthalten Zahlreiche Informationen, auf die Einkäufer angewiesen sind: einen Bonitätsindex, empfohlene Kreditlimits, Gesellschafterstrukturen, Finanzzahlen, Finanz-KPIs und vieles mehr. Um keinen oberflächlichen Eindruck, sondern weiterführende Informationen zu ihren Lieferanten zu erhalten, greifen Einkäufer daher häufig auf Vollauskünfte zurück.

Große Unterschiede bei der Aktualität

Die meisten Auskunfteien greifen auf ähnliche Quellen zurück. Die reine Datenqualität ist daher sehr ähnlich, anders verhält es sich bei der Aktualität der Daten. Manche Auskunfteien aktualisieren die vorhandenen Daten bei einer Abfrage. Andere halten ihren Datensatz dagegen ständig aktuell, um schnelle Auskünfte zu gewährleisten. Besonders bei der Übersicht der Gruppenstruktur ist eine konstante Aktualisierung von großer Bedeutung, damit die eingesehene Aktivität und Bonität der Tochterunternehmen ebenfalls ständig auf dem neuesten Stand ist. Um Veränderungen beobachten zu können, bieten viele Anbieter zudem ein Frühwarnsystem, das bei einer Veränderung der Bonität von beobachteten Unternehmen eine Warnung sendet. Für Einkäufer bedeutet diese Funktion eine große Aufwandsersparnis, da es für sie fast unmöglich ist, alle Lieferanten in der Supply Chain manuell im Auge zu behalten – zu komplex sind die heutigen Lieferstrukturen.

Auch bei den Verarbeitungsprozessen, der Verknüpfung der einzelnen Daten aus den verschiedenen Quellen sowie bei der Aufbereitung bestehen große Unterschiede zwischen den verschiedenen Auskunfteien. Damit sich Interessierte ein eigenes Bild von der Qualität und der Art der Datenpräsentation machen können, bieten viele Dienstleister eine kostenlose Erstauskunft an – somit können Einkäufer aus den verschiedenen Angeboten die beste Auskunftei nach ihren individuellen Ansprüchen heraussuchen.


Der Autor

Michael Richards

… ist Experte im Bereich der Wirtschaftsinformationen. Seit Mai 2018 leitet er bei der Creditsafe Gruppe, einer weltweiten Wirtschaftsauskunftei, das deutsche Team aus über 120 Mitarbeitern.


Der Autor

Michael Richards, CEO, Creditsafe Deutschland GmbH

Creditsafe Deutschland GmbH, Berlin

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