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Unser tägliches Brot gib uns heute!

Meinung
Unser tägliches Brot gib uns heute!

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Der Autor: Prof. Dr. Robert Fieten, wissenschaftlicher Berater der BA, Köln

Diese Bitte aus dem Vaterunser, die wir hoffentlich zu Ostern wieder reflektierter als in den vergangenen Jahren ausgesprochen haben, hat seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges wieder eine ungeahnte Brisanz gewonnen. Das tägliche Brot zu erschwinglichen Preisen ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr!

Der Krieg und die damit zusammenhängenden Exportstopps des weltweit größten Weizenexporteurs Russland drohen die Menschheit in eine neue große Nahrungsmittelkrise zu stürzen. Die Schwarzerde-Länder Ukraine und Russland sind nach den USA die größten Getreideexporteure der Welt. Mehr als ein Viertel des globalen Weizenexports und rund zwei Drittel der weltweiten Sonnenblumenölausfuhren kommen aus den beiden Ländern. Noch etwas größer ist der Anteil beider Länder am Export von Sonnenblumenkuchen, der bei der Herstellung von Sonnenblumenöl anfällt und als Tierfutter verwendet wird. Hinzu kommen auch Engpässe bei Dünger und Saatgut. Russland und die Ukraine produzieren auch etwa ein Fünftel des globalen Düngemittelangebots.

In der Ukraine ist die Landwirtschaft wegen des Kriegs weitgehend zum Erliegen gekommen. Russland hat Mitte März angekündigt, seine Getreideexporte vorerst bis Juni einzuschränken. Damit nicht genug: Der Export geht über das Schwarze Meer. Dieses ist jedoch zu einem maritimen Schlachtfeld geworden. Unter dem Einfluss der Kriegshandlungen und Sanktionen geraten die Produktion und der Export der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ins Stocken, und dies verteuert in erheblichem Maße die Preise für die betroffenen Lebensmittel.

„Krieg in der Ukraine bedeutet Hunger in Afrika“, warnte Mitte März Kristalina Georgieva, die Chefin des Internationalen Währungsfonds. Zu den am stärksten vom Lieferstopp betroffenen Ländern zählen Tunesien, Libanon, Ägypten, Sudan und Jemen. Dies sind Länder, die politisch nicht stabil sind. Man sollte nicht vergessen, dass Proteste gegen stark gestiegene Brotpreise vor mehr als zehn Jahren die Vorboten des Arabischen Frühlings waren.

„Wir müssen alles tun, um einen Hurrikan des Hungers und einen Zusammenbruch des globalen Ernährungssystems abzuwenden“, fordert Uno-Generalsekretär António Guterres. Es gibt unendlich viel zu tun für die Politik bei der Unterstützung der ärmsten Länder aber auch für die Logistiker dieser Welt. Bereits in der Nahrungsmittelkrise von 2007/08 litt die Welt nicht so sehr darunter, dass es nicht genug zu essen gab, sondern, dass die Nahrung nicht dorthin kam, wo sie am meisten gebraucht wurde. Ein wesentlicher Grund dafür waren Exportkontrollen der produzierenden Länder. Leider hat die Welt in den vergangenen 15 Jahren nicht dazugelernt. Dabei ließen sich die Probleme zumindest lindern, wenn es mehr internationale Zusammenarbeit gäbe. Dringend erforderlich wäre der Aufbau eines internationalen Agrarmarkt-Informationssystems, das smarte Entscheidungen über die Verteilung der knappen Lebensmittel ermöglicht. Also Informatiker und Logistiker ans Werk! Es liegt an den Menschen, anderen Menschen das tägliche Brot zu geben.

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